Weinheim

Andreas Buske ist im Anflug auf Weinheim

Nach seiner Wahl durch den Gemeinderat zum Esten Bürgermeister Weinheims bereitet sich Andreas Buske jetzt auf seine neue Aufgabe vor. Wie, verrät er im Interview.

Im historischen Weinheimer Schloss wird Andreas Buske bald sein Büro beziehen. Foto: Iris Kleefoot
Im historischen Weinheimer Schloss wird Andreas Buske bald sein Büro beziehen.

Aktuell leitet Andreas Buske bei der Flughafen München GmbH die Geschäftseinheit Immobilien Airport City. Doch dort macht er bald den Abflug. Ab 1. August will er das technische Dezernat der Weinheimer Stadtverwaltung auf Kurs bringen – als neuer Erster Bürgermeister. Wir sprachen mit dem 47-jährigen Bauingenieur und Immobilienökonomen über Ziele, Herausforderungen und die Tipps seines Vorgängers.

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Herr Buske, die Wahl zum Ersten Bürgermeister war an Spannung kaum zu übertreffen. Dann fiel die Entscheidung zu Ihren Gunsten, ausgerechnet einen Tag vor Ihrem 47. Geburtstag. Ein verfrühtes Geschenk?

Andreas Buske: Eher eine Ehre. Aber es war außergewöhnlich, am Donnerstag mit dem Wahlergebnis, Geburtstag und Vatertag gleich drei Gründe zum Feiern zu haben.

Wie waren denn die ersten Reaktionen aus Ihrem Umfeld?

Buske: Ich war überrascht von der Menge an positiven Reaktionen. Die Nachricht meiner Wahl verbreitete sich wie ein Lauffeuer in meinen Netzwerken. Da wurde mir wieder bewusst, wie vernetzt ich dankenswerterweise in Weinheim bin. Besonders gefreut habe ich mich über die Glückwünsche von Kolleginnen und Kollegen aus dem zukünftigen Dezernat. Und von neu gewonnenen Münchner Freundinnen und Freunden, die uns nun alle in Weinheim besuchen wollen.

Haben Sie schon mit Ihrem Arbeitgeber gesprochen, um zu klären, wann Sie für die Stadt Weinheim zur Verfügung stehen können?

Buske: Ich habe meinen Vorgesetzten frühzeitig eingebunden, sodass er vorbereitet ist und sich umgehend auf die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger begeben kann. Ich bin zuversichtlich, dass eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werden wird. Um einen ersten Eindruck zu bekommen und die Übergabe vorzubereiten, werde ich künftig regelmäßig auch von Weinheim aus arbeiten.

Wie werden Sie sich auf die neuen Aufgaben vorbereiten?

Buske: Durch intensiven Austausch mit allen Beteiligten. Ich möchte möglichst schnell alle Sichtweisen, die auf dieses Amt gerichtet werden, kennenlernen und die Erwartungen verstehen. Zudem möchte ich sicherstellen, dass es bei aktuellen Projekten an keiner Stelle zu Unterbrechungen kommt. OB Manuel Just hatte mir noch am Mittwochabend mitgeteilt, dass er nächste Woche auf mich zukommen wird, sodass wir die Vorbereitung auch bilateral abstimmen werden. Da ich gewohnt bin, in meiner Arbeit externe Sichtweisen zu berücksichtigen, werde ich zudem Personen, die ähnliche Aufgaben ausgeübt haben und ausüben, kontaktieren.

In Ihrer Bewerbung haben Sie betont, dass Sie sich als Umsetzer der Entscheidungen des Gemeinderates sehen, als Zukunftsgestalter mit Blick auf die Stadtentwicklung und als Strukturgeber für die Verwaltung. Wie meinen Sie das konkret?

Buske: Als „Umsetzer“ möchte ich mit meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen viel Zeit in die Vorbereitung der Entscheidungsvorlagen des Gemeinderats investieren, damit diese bestmöglich die Perspektiven der Nachhaltigkeit ganzheitlich bewerten. Es geht mir darum, dass gut nachvollziehbare Entscheidungen getroffenen werden können. Bei solchen komplexen Themen hat mir in meiner bisherigen Berufslaufbahn ferner geholfen, die Umsetzung zunächst im kleineren Maßstab auszuprobieren, aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen zu lernen und dann zu skalieren.

Als „Zukunftsgestalter“ werde ich mich intensiv mit dem Ergebnis der Zukunftswerkstatt auseinandersetzen und schauen, wie dieses beispielsweise in ein städtebauliches Konzept übergeführt werden kann. Genauso werde ich mir sehr genau unseren Haushalt anschauen, wo hier Chancen und Risiken liegen. Bei der Rolle des Zukunftsgestalters ist mir besonders der Blick über den „Tellerrand“ wichtig. Kommende Woche bin ich auf einem Nachhaltigkeitskongress in Düsseldorf, bei dem eine Stadtplanerin des Heidelberger Stadtplanungsamtes über die Umsetzung einer „Circular City“ – also weg vom reinen Verbrauch von Rohstoffen hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft – berichtet.

Und als „Strukturgeber“?

Buske: Da freue ich mich insbesondere auf den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, um zu einem gemeinsamen Führungsverständnis und Verständnis einer bürgernahen, modernen Verwaltung zu gelangen. Auch ist mir am ämterübergreifenden Arbeiten, am Vernetzen und an der Aus- und Weiterbildung gelegen.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als Erster Bürgermeister setzen?

Buske: Vorangestellt, mir ist wichtig, die verschiedenen Bedürfnisse der Stadtgemeinschaft kennenzulernen, die einzelnen Ortsteile zu besuchen und sehr viel zuzuhören, um ein Verständnis für die Bewahrungs- und Veränderungsziele zu erhalten. Erst im Anschluss kann ich seriös die Schwerpunkte setzen, denn es sollten nicht „meine“ sein, sondern solche, die zum Gemeinwohl unserer Stadt beitragen.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie auf Weinheim zukommen, die Sie in Ihrem neuen Amt beeinflussen können?

Buske: Da möchte ich drei Punkte nennen. Erstens die Sicherstellung eines langfristig ausgeglichenen Haushalts unter anderem durch Sanierungsstrategien und Priorisierung der Ausgaben und Investitionen des Dezernats im Dialog mit der Stadtkämmerei. Zweitens die Begleitung Weinheims auf dem Weg zur Klimaneutralität durch ämterübergreifende Zusammenarbeit und die enge Zusammenarbeit mit den Weinheimer Stadtwerken und in Weinheim ansässige Firmen. Und drittens muss im Verbund mit den entsprechenden Ämtern sowie privaten und kommunalen Partnern ausreichend Wohnraum für bedürftige Personen bereitgestellt werden.

Bürgermeister Fetzner empfiehlt Ihnen als seinem Nachfolger eine Prise Humor, Empathie und ein beherztes, kreatives Herangehen an die kommenden Herausforderungen. Finden Sie sich das wieder?

Buske: Klar, weil nur so Gemeinschaft funktioniert. Wobei mir durchaus bewusst ist, dass es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist. Ich habe auch ein klein bisschen „Lampenfieber“ – das gehört wahrscheinlich dazu, aber die Freude überwiegt. Dr. Fetzner hatte vor 18 Jahren eine vergleichbare Ausgangslage, da er vor Amtsantritt ebenfalls außerhalb einer Stadtverwaltung gearbeitet hat, von daher werde ich mir seine Empfehlungen zu Herzen nehmen. Ich bin dankbar für seine offenen Worte und finde mich da wieder, weil die Kombination aus dem Dienst am Menschen, gelingendem Miteinander und pragmatischen Problemlösen eines Ingenieurs meinem Naturell entspricht. Und Humor hilft immer, idealerweise bringt mich meine Familie schon morgens zum Lachen, damit ich bestens gelaunt den Arbeitstag starten kann.