Angriff auf Bensheimer Band: Mitglieder von Opium fürs Volk schwer verletzt
Die Band "Opium fürs Volk" muss ihr geplantes Konzert im Bensheimer Rex absagen. Sänger Andi hat es besonders schwer erwischt. Wie es ihm aktuell geht.
Die Täter kamen mitten in der Nacht von hinten und schlugen voller Brutalität zu: Noch immer stehen die Mitglieder der weit über die Region hinaus bekannten Bensheimer Tote-Hosen-Coverband „Opium fürs Volk“ unter Schock. Mehrere Mitglieder seien bei einem tätlichen Angriff in Köln verletzt worden, Sänger Andi habe es ganz besonders schwer erwischt, berichten die Musiker. Seine Lippe spaltete sich, sie musste mit mehreren Stichen genäht werden. An Singen ist vorerst nicht zu denken. Das eigentlich für den kommenden Samstag im Bensheimer Rex geplante Konzert musste deswegen abgesagt werden. Doch es gibt schon einen Ersatztermin: den 3. Mai.
Attacke auf Opium fürs Volk "wie aus dem Nichts"
Was „Opium fürs Volk“, im Jahr 2012 unter dem Namen „Kauf mich“ gegründet - nach ihrem Konzert in Köln erlebt haben, schildert ein Mitglied der Band im Gespräch mit dieser Zeitung. Aufgrund laufender Ermittlungen der Polizei möchte der Musiker vorerst anonym bleiben. Der Redaktion ist der Name bekannt. Auch mehrere nordrhein-westfälische Zeitungen haben über den Vorfall berichtet.
Das Konzert in dem Kölner Club sei schon lange vorüber gewesen, die Bandmitglieder hätten die Instrumente in die Autos verladen und seien dann vom Hinterausgang der Konzert-Location zu fünft zum nahe gelegenen Hotel gelaufen. „Ganz friedlich“, wie der Musiker sagt.
Musiker muss sich vor Tritten schützen
Wie aus dem Nichts sei die Gruppe dann „von hinten“ attackiert worden. „So einen Gewaltausbruch habe ich noch nie erlebt“, sagt der Augenzeuge. Der Sänger der Band sei ganz hinten gelaufen, als der Angriff der drei Täter startete: „Er hat sofort am Boden gelegen, war ausgeknockt.“ Er selbst, so der Musiker, sei dann zum niedergeschlagenen Sänger gelaufen, um nach ihm zu sehen und sei sofort auch zusammengeschlagen worden. „Ich habe mich zusammengerollt, um mich vor den Tritten zu schützen“, erinnert er sich.
Der Schock ist ihm auch beim Telefonat am Mittwoch noch anzumerken. Auch ein Bandmitglied, das die Angreifer von ihm wegziehen wollte, sei geschlagen worden. Der Drummer habe dann laut gerufen, dass er die Polizei verständigt habe. Darauf hätten die drei nicht maskierten Täter von ihren Opfern abgelassen und seien davon gelaufen. Die Polizei habe den Vorfall dann aufgenommen, die verletzten Mitglieder seien ins Krankenhaus gefahren. „Kaum war die Polizei wieder weg, kamen die Angreifer hervor und liefen auf der Straße herum.“ Die dann noch einmal verständigte Polizei habe ihrer dennoch nicht habhaft werden können.
War es reine Lust an der Gewalt?
Wieso der Angriff? Der Musiker kann an dieser Stelle nur mutmaßen, dass es die reine Lust an der Gewalt gewesen sei. „Wir waren wohl zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Ein anderes Motiv sieht er nicht, das sei kein Angriff gegen Punkrocker gewesen. Und eigentlich sei es auch egal: „Arschloch bleibt Arschloch“, findet das Bandenmitglied drastische Worte.
Große Welle der Solidarität
„Wir machen das als Hobby, aber hinter jedem Auftritt stecken Jobs dahinter, gerade bei den Clubs. Deswegen wollen wir den Vorfall auch öffentlich machen, damit die Leute wissen, warum wir so kurz vorher auf einmal Konzerte absagen müssen“, sagt der Musiker. „Wir wollen sensibilisieren, wie unvermittelt so etwas passieren kann. Die Solidaritätswelle ist riesig. Auch das Management der Clubs hat uns maximales Verständnis entgegengebracht.“ Die Musiker sind froh, dass sowohl das für Freitag geplante Konzert in Oberhausen als auch das im Bensheimer Rex am Samstag noch im Mai nachgeholt werden kann. Das Rex sei bei Konzerten von "Opium fürs Volk" stets "bis zum Anschlag voll". „Jeder von uns will so schnell wie möglich wieder spielen. Das ist die beste Möglichkeit, das zu verarbeiten.“
Gern gesehene Gäste bei Kerwen
Die Hobbymusiker spielen regelmäßig vor hunderten von begeisterten Zuschauern, etwa in der ausverkauften Zeche Bochum vor rund 1000 Fans. Gern gesehene Gäste sind sie auch bei Kerwe-Veranstaltungen, wie etwa beim Kerwe-Rock im Heppenheimer Stadtteil Hambach im vergangenen Jahr.
Wie es dem Frontmann von Opium fürs Volk geht
Ob die beiden im Februar angesetzten Konzerte stattfinden könne, ist noch nicht sicher. Noch hindert eine geschwollene Lippe den Frontmann am Singen. In zehn Tagen kommen die Fäden raus. Die Schwellung gehe langsam zurück, eine hässliche Narbe werde bleiben. Auch der Gesprächspartner dieser Zeitung spürt bis heute die Tritte am ganzen Körper.
Die körperlichen Verletzungen werden vergehen. Doch was hat der brutale Überfall mit der Seele der Musiker gemacht? „Die Geschichte im Kopf bleibt. Mich erschüttert so schnell eigentlich nichts. Aber in den letzten Tagen kam ich immer wieder spontan ins Zittern, stand kurz vor Heulkrämpfen“, so der Betroffene. „Du kannst dir einfach nicht vorstellen, dass dir sowas passiert.“ Man wolle versuchen, das gemeinsam als Band zu bewältigen, viel miteinander zu reden.