Außen hui, innen pfui? Alte Schule in Großsachsen wird saniert
Das denkmalgeschützte Gebäude soll energetisch saniert werden. Technischer Ausschuss: Architektin Ulrike Schmitt stellt den Fahrplan vor.
Jugendliche, Vereine wie der Schachclub oder die VHS nutzen die Alte Schule im Hirschberger Ortsteil Großsachsen für ihre Veranstaltungen. Das denkmalgeschützte Gebäude ist gut frequentiert. Damit dort auch in Zukunft ein Kommen und Gehen beobachtet werden kann, soll es energetisch saniert werden. Schritt für Schritt soll dies erfolgen. Dies sieht der Sanierungsplan vor, den die Architektin Ulrike Schmitt dem Ausschuss für Technik und Umwelt in der jüngsten Sitzung vorstellte. Aufgrund der permanenten Nutzung gebe es keine Alternative, so Bürgermeister Ralf Gänshirt zu Beginn der Sitzung: „Wir müssen unsere Gebäude in die Hand nehmen. Gerade die Alte Schule taucht immer wieder im Energiebericht der KliBA über unsere kommunalen Liegenschaften auf“, stellte er klar.
Alte Schule
1889/90: Errichtung eines großen neuen Schulgebäudes in der Breitgasse für Kinder aller Konfessionen. Baden hatte 1876 die Konfessionsschulen aufgelöst. Die katholische Schule, welche 1732 erstmals erwähnt wurde und sich im heutigen Schulgässchen befand, musste schließen. So entstanden überall die sogenannten „Badischen Schulpaläste“.
1973: Neubau einer Grundschule in der Pestalozzistraße und Schließung der alten Schule. Die Hauptschüler besuchten von da an die Martin-Stöhr-Schule in Leutershausen.
Quelle: Historischer Ortsrundgang
Als Erstes den Speicher dämmen
Rund 450 000 Euro könnte die Sanierung des im Jahr 1890 errichteten Gebäudes mit den fünf Schulräumen laut ersten Schätzungen kosten. Davon waren die Fraktionen sehr überrascht, hatten sie doch mit wesentlich höheren Ausgaben gerechnet. „Außen hui, innen pfui“, fasste die Architektin den Zustand der Alten Schule an der Breitgasse 21 zusammen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen die Außenhülle sowie die Gebäudetechnik.
Mit der Dämmung des 300 Quadratmeter großen Speicherbodens für 30 000 Euro soll im nächsten Jahr begonnen werden. Ein Jahr später folgt der Austausch der Fensterscheiben: „Die Fenster aus Tropenholz sehen noch super aus, allerdings müssen die Glasfenster raus.“ Kostenpunkt: 80 000 Euro. Im Jahr 2027 käme die innenseitige Dämmung der Außenwände für 140 000 Euro an die Reihe. Der Keller, der unter anderem von Jugendlichen als Proberaum genutzt wird, muss nicht gedämmt werden.
Die Gebäudetechnik
Die Verbesserung der Gebäudetechnik soll ab dem Jahr 2028 in Angriff genommen werden. Die Architektin schätzt die Ausgaben auf rund 150 000 Euro. Eine erste Maßnahme wird der Heizkessel aus dem Jahr 1989 sein. „Der Kessel hat zwar seine Lebenszeit erreicht. Der Austausch ist aber nicht verpflichtend“, sagte Schmitt. Ferner sollten die Sanitäranlagen und die Abwasserleitungen erneuert werden: Kostenschätzung: 25 000 Euro. Einen barrierefreien Zugang könnte man für 8000 Euro auf der Rückseite des öffentlich genutzten Hauses umsetzen. 20 000 Euro sind für die Planung sowie den Energieberater vorgesehen. Durch den Denkmalschutz sind Förderungen bis zu 33 Prozent der Sanierungskosten denkbar. Ob weitere Förderungen in Anspruch genommen werden können, ist noch zu prüfen. Genauere Zahlen zu den Maßnahmen und Förderungen will die Architektin im April/Mai nächsten Jahres vorlegen.
PV-Anlage prüfen
Im April wurde dem Ausschuss eine Konzeptstudie für die kommunalen Gebäude vorgestellt. Das Ergebnis war unter anderem, dass auf dem Dach der Alten Schule eine Photovoltaikanlage (PV) nicht wirtschaftlich betrieben werden könnte. Dennoch sollte untersucht werden, ob eine PV-Anlage zumindest für den Eigenbedarf installiert werden kann.
Die Grüne Liste Hirschberg (GLH) sowie die Freien Wähler (FW), CDU, SPD und FDP begrüßten die schrittweise energetische Sanierung der Alten Schule. GLH-Sprecherin Monika Maul-Vogt sah jedoch eine höhere Dringlichkeit bei den einzelnen Maßnahmen als die anderen: „Wir heizen mit der Schule die Breitgasse. Daher sollte die Dämmung der Außenwände nicht erst 2027, sondern bereits früher erfolgen.“ Auch die PV-Anlage auf dem Dach sollte bereits 2025 installiert werden, so ihre Forderung. FDP-Sprecher Oliver Reisig plädierte hingegen für das schrittweise Vorgehen, schließlich habe man noch andere Projekte vor der Brust. CDU-Gemeinderat Matthias Dallinger wollte ebenfalls am Fahrplan festhalten: „Wir hatten die Maßnahmen als dringender erwartet“, meinte er. Auch der SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz befürwortete das schrittweise Vorgehen bei der Sanierung. „Sehr erfreulich ist doch, dass die Bausubstanz sehr gut ist.“
FW-Gemeinderat Bernd Kopp schloss sich seinen Vorrednern an und begrüßte die schrittweise Sanierung. Blieb am Ende noch das Problem mit Wasserschäden in den dortigen Wohnungen, auf die FW-Gemeinderat Jörg Mayer hinwies. Die sind laut Bürgermeister Gänshirt etwas anderes; hier gehe es um eine private Nutzung, da müsse die Kommune reagieren.