Baugenossenschaft Weinheim blickt sorgenvoll in die Zukunft
Die Bilanz der Baugenossenschaft Weinheim für 2022 kann sich sehen lassen. Trotzdem sind die Aussichten für die gesamte Wohnungswirtschaft eher düster.
Es sind überwiegend düstere Aussichten, die Vorstand und Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Weinheim (BGW) am Dienstag, 14. November, um 19 Uhr bei der Vertreterversammlung im Rolf-Engelbrecht-Haus präsentieren werden. Dabei kann sich die Bilanz für das Jahr 2022 durchaus sehen lassen; deshalb wird auch eine dreiprozentige Dividende vorgeschlagen.
Jahresüberschuss 1,1 Millionen Euro
Die Bilanzsumme hat sich um rund 1,5 Millionen Euro auf 66,5 Millionen Euro erhöht, was mit der Neubautätigkeit der BGW zu tun hat, die überwiegend mit Eigenmitteln finanziert werden konnten. Der Jahresüberschuss stieg 2022 im Vergleich zum Vorjahr um rund 260 000 Euro auf 1,1 Millionen Euro. Davon sollen knapp 960 000 Euro in die Rücklagen fließen, der Rest ist für die Dividendenausschüttung vorgesehen. Im Geschäftsjahr 2022 bewirtschaftete die BGW 1828 Mietwohnungen und verwaltete darüber hinaus für 37 Eigentümergemeinschaften 578 Wohnungen. Die Zahl der Mitglieder lag Ende 2022 bei 3986 (plus 115).
Neubau unter 18 Euro Kaltmiete nicht mehr realisierbar
Ungeachtet dieser positiven Zahlen beobachten Vorstand und Aufsichtsrat mit Sorge die aktuelle Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt. Die Bundesregierung werde ihr Ziel, dass in Deutschland pro Jahr 400 000 neue Wohnungen gebaut werden, krachend verfehlen. Von Januar bis Mai 2023 sei die Zahl der Baugenehmigungen sogar um 27 Prozent gesunken. Die Baukosten seien allein im ersten Quartal 2023 um 15,3 Prozent gestiegen, nennt Aufsichtsratsvorsitzender Jörg Soballa in seinem Bericht Zahlen. Vor diesem Hintergrund sei es nicht mehr möglich, kostendeckend neuen – und möglichst auch noch bezahlbaren – Wohnraum zu schaffen. Bei den Wohnungsbauunternehmen in der Region herrsche Einigkeit darüber, dass unter 18 bis 20 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete keine Neubauten mehr realisierbar seien. Als Kostentreiber wirke zudem die Vielzahl energetischer Anforderungen. Deshalb rechnet man bei der BGW damit, dass die Zahl der Wohnungsneubauten weiter zurückgehen werde, was „sozialen Sprengstoff“ mit sich bringe.
Diese Auffassung teilt auch der Vorstandsvorsitzende der BGW, Lorenz Freudenberg. Am Beispiel des vierten Bauabschnitts beim Neubauprojekt Händelstraße zeigte er, was die Kostensteigerungen konkret bedeuten. Im Vergleich zum dritten Bauabschnitt habe man bereits 15 Prozent höhere Baukosten einkalkuliert. Doch mittlerweile gehe man davon aus, dass man eine Kostenüberschreitung von einer halben Million Euro verkraften müsse. Der vierte Bauabschnitt, bei dem zurzeit der Innenausbau läuft, werde am Ende rund zwölf Millionen Euro kosten. Bis zum Sommer 2024 sollen die 44 Wohnungen samt Tiefgarage bezugsfertig sein.
Angesichts der anstehenden Herausforderungen sind Vorstand und Aufsichtsrat froh, dass mittlerweile auch ein Nachfolger für den langjährigen Geschäftsführer Axel Langel gefunden werden konnte, der seit dem 1. September dem Vorstand angehört.
Nachfolger für Axel Langel
Wie berichtet, wollte Langel eigentlich schon Ende April in den Ruhestand gehen. Doch dann hatte sein designierter Nachfolger, der seit Oktober 2022 zur Einarbeitung bereits in Weinheim war, die Gremien darüber informiert, dass er die Stelle doch nicht antreten werde. Langel verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr; und die Suche begann von vorn. Mit dem 33-jährigen Carsten Steinle wurde ein Fachmann gefunden, der mit der Region eng verbunden ist. Nach seiner Ausbildung zum Vermessungstechniker im Jahr 2010 und dem Fachabitur machte er eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann bei der Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg, wo er die Branche von der Pike auf kennenlernte. Parallel dazu absolvierte er erfolgreich ein Real-Estate-Studium (BA) in Bochum.
2018 wechselte er DIC Onsite GmbH in Mannheim, einem Tochterunternehmen der heutigen Branicks Group AG, die zu den führenden gewerblichen Immobilienverwaltungsunternehmen in Deutschland gehört. Dort war er zuletzt als Asset Manager für ein umfangreiches Immobilienportfolio in den Regionen Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart verantwortlich. Ehrenamtlich ist der zweifache Familienvater als Gutachter für die Stadt Schönau im Gutachterausschuss „Nördlicher Rhein-Neckar-Kreis“ tätig. pro