Erst Pfeifen, dann Plastikbarrieren

„Das ist doch unbegreiflich“: Ex-OB Kleefoot kritisiert Weinheimer OEG-Übergang

Am OEG-Übergang Birnenstraße folgt eine Zwischenlösung auf die nächste und sorgt damit für Diskussionen. Nun kritisiert Weinheims ehemaliger OB Kleefoot die Situation deutlich.

Geduld ist gefragt, denn das Provisorium mit den Plastikbarrieren verschwindet so schnell nicht. Erst Ende 2027 sollen laut rnv die Barrieren durch Halbschranken ersetzt werden. Foto: Thomas Rittelmann / Archivbild Philipp Reimer (WNOZ-Collage)
Geduld ist gefragt, denn das Provisorium mit den Plastikbarrieren verschwindet so schnell nicht. Erst Ende 2027 sollen laut rnv die Barrieren durch Halbschranken ersetzt werden.

Weinheim. Schildbürgerstreich, Provinzposse oder einfach nur Unfähigkeit – wer am OEG-Bahnübergang in der Birnenstraße steht, kommt ins Grübeln oder gleich ins Lachen (wir berichteten mehrfach). Eine Frau, die jeden Tag hier mit ihrem Hund spazieren geht, nimmt es mittlerweile gelassen: „Für mich ist das okay, jetzt komme ich gut drüber“, sagt sie und lacht über die mit Sand gefüllten Plastikbarrieren.

Ex-OB Kleefoot ist ratlos

Weinheims ehemaliger OB Uwe Kleefoot, der in der Nähe wohnt und den Übergang bestens kennt, wird da schon deutlicher: „Das ist doch unbegreiflich und sieht verboten aus. Jeder, der nach Weinheim kommt, schüttelt nur noch den Kopf. Früher war es nicht so schwer, etwas zu erledigen. Da hat der OB den Chef der rnv angerufen und in vier Wochen war das alles erledigt.“ Der Ärger und die Ungeduld sind verständlich: Denn das Provisorium dauert schon über ein Jahr an und wird wohl noch gut ein Jahr andauern.

Die Vorgeschichte reicht noch wesentlich weiter zurück: Seit fast zwei Jahren sorgt dieser OEG-Bahnübergang in der Weinheimer Weststadt nämlich für Diskussionen. Was ursprünglich als kurzfristige Lösung gedacht war, ist bis heute geblieben: Mit Sand gefüllte Plastikbarrieren lenken den Radverkehr über die Gleise und sollen verhindern, dass Radfahrer die vorhandenen Halbschranken umfahren. Inzwischen gibt es jedoch konkrete Planungen für einen Umbau. Nach Angaben der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) sollen die provisorischen Absperrungen durch weitere Halbschranken ersetzt werden. Die Umsetzung wird bis Ende 2027 angestrebt. Dies haben die WN auf Nachfrage erfahren.

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Ex-OB Uwe Kleefoot kann über das Provisorium nur lachen: „Früher hätte ein Anruf beider rnv genügt und in vier Wochen wäre es erledigt gewesen.“ (Archivbild) Foto: Philipp Reimer
Ex-OB Uwe Kleefoot kann über das Provisorium nur lachen: „Früher hätte ein Anruf beider rnv genügt und in vier Wochen wäre es erledigt gewesen.“ (Archivbild)

Der Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der Entwicklung waren Beschwerden über gefährliche Situationen am Bahnübergang. Die Stadt Weinheim entschied sich damals, den Übergang für den motorisierten Verkehr zu sperren und im Bereich der Birnenstraße eine Fahrradstraße einzurichten. Vor allem die Sicherheit von Schülerinnen und Schülern spielte dabei eine wichtige Rolle. Die neue Verkehrsführung brachte jedoch ein weiteres Problem mit sich. Am Bahnübergang waren lediglich halbseitige Schranken vorhanden. Radfahrer konnten deshalb trotz geschlossener Schranken weiterhin die Gleise passieren. Nach Berichten kam es vor, dass Radfahrer mit hohem Tempo über den Übergang fuhren. Schließlich schaltete sich die Landesbahnaufsicht ein.

Unmut über das Pfeifen

Als erste Sofortmaßnahme wurde das Fahrpersonal angewiesen, vor dem Passieren des Bahnübergangs ein akustisches Warnsignal abzugeben. Das regelmäßige Pfeifen der Straßenbahnen führte allerdings zu erheblichem Unmut bei den Anwohnern. Die rnv bestätigt diese Entwicklung in einer aktuellen Stellungnahme: „Als Sofortmaßnahme war zunächst angeordnet worden, dass das Fahrpersonal vor dem Passieren des Bahnübergangs zur Warnung ein Pfeifsignal abgeben muss. Da das regelmäßige Pfeifen Unmut in der Nachbarschaft auslöste, wurde das derzeitige Provisorium aufgebaut.“ Daraufhin wurde die Verkehrsführung erneut verändert. Der Radverkehr wurde diagonal über die Gleise geführt. Vorhandene weiße Markierungen wurden teilweise mit gelben Markierungen überarbeitet, zudem kamen rote und weiße Kunststoffelemente als Absperrungen hinzu. Bereits im Oktober 2024 bezeichnete das Weinheimer Rathaus diese Gestaltung als Provisorium. Dass diese Lösung erheblich länger bestehen bleiben würde als zunächst erwartet, zeichnete sich bereits im Juni 2025 ab. Damals erklärten Stadt und rnv, dass bauliche Veränderungen an einem Bahnübergang aufgrund eisenbahnrechtlicher Vorgaben aufwendig seien und gutachterlich begleitet werden müssten. Als bevorzugte Lösung galt bereits zu diesem Zeitpunkt eine weitergehende Beschrankung des Übergangs. Inzwischen sind die Planungen konkreter geworden. Nach aktueller Auskunft der rnv soll die bestehende Sicherungsanlage ergänzt werden. „Derzeit laufen die Planungen zum Umbau des Bahnübergangs. Dabei ist vorgesehen, die mit Sand gefüllten Plastikbarrieren durch Halbschranken zu ersetzen und damit die bestehenden Schranken zu ergänzen“, teilt das Verkehrsunternehmen mit. Damit würde das bisherige Provisorium aus Kunststoffelementen verschwinden. Gleichzeitig sollen zusätzliche Schranken verhindern, dass Radfahrer bei geschlossener Anlage auf die Gleise gelangen.

Geduld ist gefragt, denn das Provisorium mit den Plastikbarrieren verschwindet so schnell nicht. Erst Ende 2027 sollen laut rnv die Barrieren durch Halbschranken ersetzt werden. Foto: Thomas Rittelmann
Geduld ist gefragt, denn das Provisorium mit den Plastikbarrieren verschwindet so schnell nicht. Erst Ende 2027 sollen laut rnv die Barrieren durch Halbschranken ersetzt werden.

Gute Erfahrungen der rnv

Mit der derzeitigen Übergangslösung hat die rnv nach eigenen Angaben grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht. „Die derzeitige Sicherung des Bahnübergangs Birnenstraße durch ein Provisorium erfüllt ihren Zweck dahingehend, dass sie den Radverkehr lenkt und Radfahrende daran hindert, die geschlossenen Halbschranken zu umfahren“, erklärt das Unternehmen. Auch die Stadt Weinheim hält die damalige Entscheidung weiterhin für notwendig. Sie betont insbesondere den Sicherheitsaspekt im Umfeld der Schulen. „Die Einrichtung der Fahrradstraße am Bahnübergang war aus Gründen der Verkehrssicherheit im Schulumfeld zwingend erforderlich. Das Provisorium wurde gemeinschaftlich von Stadt und rnv kurzfristig eingerichtet, nachdem es Hinweise auf Sicherheitsrisiken gab.“

Die lange Dauer bis zu einer endgültigen Lösung begründet die rnv mit den umfangreichen Anforderungen an einen solchen Umbau. Dabei müssten nicht nur technische und rechtliche Vorgaben berücksichtigt werden. Die Planung müsse auch mit verschiedenen Behörden und weiteren Beteiligten abgestimmt werden. „Um einen Bahnübergang umzubauen, sind viele Details sowie technische und rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. Außerdem muss die Planung mit vielen administrativen Stellen abgestimmt werden, unter anderem mit dem Straßenbaulastträger oder dem Land Baden-Württemberg. Diese Planungen und Abstimmungen nehmen Zeit in Anspruch“, erklärt die rnv. Die Stadt Weinheim unterstreicht allerdings, dass die Abstimmungen auf ihrer Seite zügig erfolgt seien. „Da die Stadt Weinheim ein hohes Interesse an der Beseitigung des Provisoriums hat, erfolgten die Planung und die Abstimmungen mit der Stadt Weinheim als Straßenbaulastträger immer zügig. Dennoch lassen sich zeitliche Verzögerungen aufgrund der Klärung von Detailfragen leider nicht verhindern.“

Die Kosten

Damit steht inzwischen zwar fest, wie der Übergang künftig gesichert werden soll, bis zur Umsetzung wird das bekannte Provisorium jedoch noch bestehen bleiben. Die rnv strebt den Umbau bis Ende 2027 an. Die Kosten für die Maßnahme werden nach Angaben der Stadt gemäß dem Eisenbahnkreuzungsgesetz von der rnv und dem Land getragen. Eine abschließende Kostensumme steht derzeit noch nicht fest. Die rnv geht von Kosten von rund 100.000 Euro aus. Damit nähert sich eine Entwicklung einer dauerhaften Lösung, die ursprünglich mit der Sperrung des Übergangs für Autos und der Einrichtung der Fahrradstraße begann.