Der Campus in Schriesheim wächst weiter
Erster Spatenstich für den neuen Kindergarten in der Conradstraße. Kostenplanung: sieben Millionen Euro
Nein, diesen historischen Moment überlassen die Kleinen nicht alleine den Großen. Natürlich finden sich zum traditionellen ersten Spatenstich alle wichtigen Erwachsenen ein, die es in Schriesheim gibt. Aber auch die Kinder sind an diesem Tag mit kleinen, bunten Schaufeln zugange. Immerhin ist der Bau ja für sie: der fünfgruppige Kindergarten an der Conradstraße, Kostenschätzung sieben Millionen Euro - bisher. Richtfest, so hieß es jetzt, soll schon Ende des Jahres gefeiert werden
Das Projekt hat wie viele in Schriesheim eine lange Diskussion hinter sich. Diskussion gab es schon über den Standort. Zu deren Beginn hatte die Grüne Liste dafür geworben, einen Kindergarten-Neubau auch einmal östlich der B 3 zu erstellen. Der Rest des Gremiums sah das wie die Verwaltung anders und plädierte für den jetzigen Standort, weil das Gelände bereits der Stadt gehört und zudem vollständig erschlossen ist.
So befindet sich der Neubau nun entlang der Conradstraße, nahe dem Kurpfalz-Bildungszentrums mit seinen beiden Schulen, der Sporthalle und dem Hort. Durch den Kindergarten entsteht eine „Campusanlage“, wie Architekt Markus Teske bei der Feier sagt. Auch Christoph Oeldorf steht voll dahinter: „Es ist der richtige Standort“, betont der Bürgermeister: „Entsprechend dem Grundsatz: kleine Füße, kleine Wege.“
Um ein „nachhaltiges und architektonisch wertvolles Gebäude“ zu gewährleisten, schrieb die Stadt 2021, also noch in der Verantwortung des damaligen Bürgermeisters Hansjörg Höfer, einen Architektenwettbewerb aus: „Das ist durchaus etwas Besonderes“, betont Teske aus dem Heilbronner Büro Krummlauf/Teske/Happold, das den Wettbewerb gewonnen hat. Dessen Planung war der ambitionierteste, in vielen Punkten aber auch der teuerste der 14 eingereichten Entwürfe. Oeldorf würdigte jetzt „den Mut des Gemeinderates“, für diese Variante zu stimmen.
So wird in den Gelände- und Baumbestand kaum eingegriffen, beides vielmehr genutzt – der Erdwall als Schutz für die Spielplätze, die Bäume zu ihrer Beschattung. Der Topografie und dem Baumbestand ordnet sich das Gebäude komplett unter, wodurch die sehr lang gezogene, rechteckige Form entsteht.
Das alles soll zur Nachhaltigkeit beitragen. „Wir sind alle in der Pflicht, Co2 zu reduzieren“, sagt Architekt Teske. Der zentrale Baustoff ist daher Holz, als solcher auch an der Fassade sichtbar. Dazu gibt es ein – so der Fachbegriff – „Retensions-Biodiversitätsanstaudach“. Es bietet also Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Was nicht bepflanzt ist, wird für Photovoltaik genutzt, hinzu kommen ein Geothermiespeicher und eine Wärmepumpe. Die optimale Isolierung führt dazu, dass das Bauwerk dem hohen KfW-40-Standard entspricht und sich das Siegel für nachhaltige Gestaltung verdient.
Das Gebäude umfasst zwei Stockwerke und bietet Platz für fünf Gruppen. Daneben gibt es einen Multifunktionsraum, eine Küche, das „Kinderrestaurant“ sowie die Bereiche für Personal und Einrichtungsleitung. Eine solch ambitionierte Planung hat natürlich ihren Preis: Die Kosten werden derzeit mit sieben Millionen Euro beziffert; als der Wettbewerb auf die Schiene gesetzt wurde, war noch von 3,5 Millionen die Rede. Und angesichts der Explosion der Baupreise kann Bürgermeister Oeldorf nur hoffen, dass die Kosten „im Rahmen bleiben werden“.