Tod von Papst Franziskus

Die Region trauert: Ein Papst der Nähe und Bescheidenheit 

Der Tod von Papst Franziskus hat weltweit Trauer ausgelöst – auch in den katholischen Gemeinden der Region. Gläubige im Odenwald und entlang der Bergstraße haben Franziskus als geistliches Oberhaupt geschätzt, das neue Wege ging, Debatten zuließ und mit seiner Bescheidenheit Menschen berührte.

In Unter-Flockenbach wurde die Fahnen anlässlich des Todes des Papstes auf Halbmast gesetzt. Foto: Privat
In Unter-Flockenbach wurde die Fahnen anlässlich des Todes des Papstes auf Halbmast gesetzt.

Bergstraße/Odenwald. Der Tod von Papst Franziskus hat weltweit Trauer ausgelöst – auch in den katholischen Gemeinden der Region. Viele Gläubige im Odenwald und entlang der Bergstraße haben Franziskus als geistliches Oberhaupt geschätzt, das neue Wege ging, Debatten zuließ und mit seiner Bescheidenheit viele Menschen berührte. Nach der offiziellen Mitteilung des Vatikans am Montagabend, dass der Pontifex an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben ist, richten sich nun viele Gedanken auf sein Lebenswerk – und auf das Vermächtnis, das er hinterlässt.

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Wir haben bei mehreren Pfarreien nachgefragt, wie dort die Nachricht aufgenommen wurde, ob der Tod des Papstes bereits im Gottesdienst thematisiert wurde und wie die katholischen Gemeinden darauf reagierten. Und was den Seelsorgern persönlich durch den Kopf ging, als sie von seinem Tod erfuhren.

„Franziskus ist eingeschlafen“

Der Leiter der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg, Joachim Dauer, hat im Gottesdienst in St. Marien in Weinheim vom plötzlichen Tod erfahren. Zum Ende ließ er die Glocken läuten. Im anschließenden Gottesdienst in Herz-Jesu informierte er die Kirchengemeinde gleich zu Beginn. „Wir haben dann gebetet und am Ende läuteten wieder die Glocken.“ So schlimm und erschütternd die Nachricht auch war, umso erleichterter reagierte Dauer: „Als der Papst den Segen Urbi et Orbi sprach, war seine Stimme schon sehr schwach. Besser hätte es nicht laufen können. Franziskus ist eingeschlafen. Ihm wurde ein Siechtum erspart.“

Pfarrer Dauer spielte damit auf die zu erwartenden Strapazen an, die den Papst im Heiligen Jahr erwartet hätten. Für Dauer war Franziskus ein großer Papst, der die Kirche nachhaltig verändert habe. „Er hat viele Türen geöffnet und Prozesse eingeleitet. Zum Beispiel erhielten Frauen entscheidende Positionen im Vatikan. Auch dass es im Jahr 2028 wieder eine große Kirchenversammlung gibt, ist sein Verdienst.“

„Das nächste Kirchenoberhaupt kann nicht hinter dem zurückbleiben“

Dass Franziskus nicht alles umsetzen konnte, sei für Dauer nur allzu verständlich: „Wir sind eine große Weltkirche, die viele Landeskirchen besitzt. Etwas umzusetzen, braucht Zeit. Dies hat auch Franziskus gelernt. Für mich ist klar, dass das nächste Kirchenoberhaupt nicht hinter dem zurückbleiben kann, was Franziskus bewegt hat.“

„In das Haus des Vaters zurückgekehrt“

Auch Christoph Flößer, Koordinator für den Pastoralen Weg und Pastoralreferent im Pastoralraum Weschnitztal, sowie Barbara Flößer, Koordinatorin für den Pastoralen Weg und Gemeindeassistentin im Pastoralraum Überwald, haben geantwortet. Christoph Flößer zeigte sich beim Bekanntwerden der Nachricht „überrascht und irritiert“, auch wenn der Tod angesichts des gesundheitlichen Zustands des Papstes in den vergangenen Monaten nicht völlig unerwartet kam. Zugleich sei bei ihm aber „ein beruhigendes Gefühl“ aufgekommen, „dass er gerade am Osterfest – dem Fest der Auferstehung – ‚in das Haus des Vaters zurückgekehrt ist‘“, wie es Kardinal Farrel formulierte.

„Moment des Innehaltens“

Barbara Flößer schilderte, wie sich die Nachricht in den Gemeinden bereits am Morgen des Ostermontags leise verbreitete: „Bereits vor Beginn der Gottesdienste um 10:00 Uhr in Aschbach und 10:30 Uhr in Wald-Michelbach war unter einigen Gläubigen bekannt, dass Papst Franziskus verstorben ist.“ Viele hätten gezögert, die Nachricht zu teilen. „Für jene, die erst nach dem Gottesdienst davon erfuhren, war es ein Moment des Innehaltens. Ein leiser Zweifel mischte sich in die Gedanken: Kann das wirklich stimmen?“ Es habe eine Suche nach Gewissheit gegeben – auch bei ihr selbst. Trotz aller Unsicherheit sei jedoch „eine stille Einigkeit im Glauben und im Gebet“ spürbar gewesen. „In diesen Augenblicken rückten Zweifel und Unsicherheit in den Hintergrund, getragen von einer gemeinsamen Hoffnung und der Kraft des Gebets an Ostern.“

Für den einstigen CDU-Abordnete Dr. Karl A. Lamers hat die Welt mit dem Tod einen wichtigen und wunderbaren Menschen verloren. Foto: Marlene Busch
Für den einstigen CDU-Abordnete Dr. Karl A. Lamers hat die Welt mit dem Tod einen wichtigen und wunderbaren Menschen verloren.

Geste des Mitgefühls, die naheging

In ihrer persönlichen Erinnerung an Franziskus heben beide Seelsorgende besondere Momente hervor. Christoph Flößer berichtet von einer Begegnung während einer Romreise im Rahmen seiner pastoralen Ausbildung: „Er kam zu unserer Gruppe, und ich hatte das Glück, beim Gruppenfoto recht weit vorne zu stehen und ihm die Hand zu geben. Es war eine kurze aber eindrückliche Begegnung. Er sagte zu uns auf Deutsch: ‚Betet für mich, ich brauche das.‘“ Barbara Flößer denkt besonders an eine Geste des Mitgefühls zurück, die ihr naheging: „Besonders ergriffen hat es mich, als er die zahlreichen obdachlosen Menschen aus ganz Europa zum Jahr der Barmherzigkeit 2016 zu einer Audienz in den Petersdom eingeladen hat. Es war ihm wichtig, sich zu entschuldigen, dass sich die Menschen von ihnen abgewendet haben.“ Diese Haltung habe sie tief bewegt: „Es war berührend, wie er die Ränder in den Mittelpunkt gerückt hat und heraus aus der Bequemlichkeit gegangen ist.“

Begräbnis „bildet eine Klammer“

Auch auf die Entscheidung des Papstes, eine schlichte Beerdigung zu wünschen, geht Christoph Flößer ein: „Es bildet eine Klammer zum Beginn seines Pontifikats und auch zu seinem gewählten Papstnamen. Nach seiner Wahl erschien er ganz schlicht auf der Loggia des Petersdoms und bat die Menge in einem Moment der Stille um ein Gebet. Die schlichtere Beisetzung folgt nun diesem Ansatz und ‚beendet‘ sein Pontifikat quasi in aller Konsequenz.“

Auch Krisenregionen in den Fokus gerückt

Rückblickend auf sein Wirken als Kirchenoberhaupt ziehen Barbara und Christoph Flößer eine differenzierte Bilanz. „Franziskus hat durch seine Einfachheit und seine Fokussierung auf die Schwachen und Armen das Papsttum anders interpretiert und war hier sicherlich durchaus auch für einige unbequem“, betonen sie. „Er hat dem Papstamt seinen eigenen Anstrich verliehen, das Kardinalskollegium internationaler aufgestellt und den Fokus auf die Katholiken aller Welt gelegt – gerade auch in Krisenregionen.“ Was von seinem Pontifikat bleibe, seien „viele Impulse, Nachdenkliches und viele Gesten“. Die nachhaltige Wirkung werde sich „erst in der Zukunft, auch nach der Wahl seines Nachfolgers“ zeigen.

„Er mobilisierte seine letzten Kräfte, um noch einmal den Gläubigen nahe zu sein“

Pfarrer Alexander Rothermel, Pfarradministrator der katholischen Pfarrgemeinden St. Wendelinus Unter-Flockenbach, St. Bonifatius Abtsteinach und Unbeflecktes Herz Mariens Löhrbach, erinnerte sich an den Moment, als ihn die Nachricht erreichte: „Die Nachricht über den Tod von Papst Franziskus hat mich während der Autofahrt von einer Messfeier am Vormittag hin zu unserem Emmausgang mit Messfeier im Freien am Musenstein erreicht.“

Zunächst sei er völlig verwundert gewesen, „da ich ihn ja noch – wie alle anderen auch – beim Urbi-et-Orbi-Segen gesehen habe. Doch wurde mir bewusst, dass er, wie viele andere Sterbende auch, die letzten Kräfte mobilisiert hatte, um noch einmal den Gläubigen nahe zu sein.“

Die Wahl seiner Begräbnisform habe ihn auch nicht verwundert: „Sie entspricht seinem persönlichen Naturell.“ Ebenso der Beisetzungsort, „da ich auch die Basilika als den ruhigeren Ort im Gegensatz zum Petersdom empfinde.“ Ein Blick voraus wagt Rothermel auch: „Das kommende Konklave wird sicherlich ein langes werden, und der zu wählende Nachfolger übernimmt die Weiterführung des Erbes von Franziskus.“