Digitale Schnitzeljagd im Exotenwald
Das neue Angebot in Weinheim verbindet Nachhaltigkeit und Technologie. Aber was steckt wirklich hinter „Actionbound“?
Und so funktioniert es
Zugänglich sind die digitalen Schnitzeljagden über QR-Codes auf Tafeln an den Eingängen des Exotenwalds.
Die verwendete App „Actionbound“ muss zuvor im App-Store heruntergeladen werden. Sie ist kostenlos.
In Weinheim sind zwei Bounds spielbar.
Eher wissenschaftlich geht es bei „Wald im Wandel“ zu. Zehn Stationen behandeln mit Quizfragen und Minigames exotische Baumarten, den Wald als Lebensraum und das Thema Klimawandel. Empfohlen ist die Rallye ab zwölf Jahren.
Bei „Wald der Sinne“ geht es in acht Stationen um das Rundum-Erleben des Exotenwalds. Er richtet sich vor allem an Familien und ist ab acht Jahren geeignet.
Beide Bounds dauern rund 90 Minuten, 2,3 Kilometer sind zurückzulegen.
„Das Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich technologischer Fortschritt gewinnbringend für praktische Ziele einsetzen lässt“, stellte Manuel Just, Oberbürgermeister der Stadt Weinheim, bei der Einweihung der neuen „Actionbounds“ im Weinheimer Exotenwald fest. Dabei handelt es sich um digitale Schnitzeljagden per App, die ForstBW, die Stadt Weinheim und die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg in den zurückliegenden zwölf Monaten gemeinsam realisiert haben. Finanzielle Unterstützung kam von der Bürgerstiftung Weinheim.
Von Studenten entwickelt
Dietmar Hellmann, Leiter des Forstbezirks Odenwald bei ForstBW, sagte: „Wir stehen nur deshalb heute hier, weil die Studierenden um Dr. Monika Bachinger so tatkräftig mitgewirkt haben. Ihnen gebührt großer Dank.“ In Kleingruppen hatten Studenten aus dem dritten Semester die Inhalte für die beiden Actionbounds „Wald der Sinne“ und „Wald im Wandel“ erarbeitet und zusammengeführt.
Acht beziehungsweise zehn Stationen laden dazu ein, den 60 Hektar umfassenden Exotenwald mit seinen über 140 Baumarten auf eine neue Art und Weise zu entdecken. Die Studenten erarbeiteten Schätz- und Rätselfragen, sprachen selbst Texte ein und investierten viel Zeit, um am Ende ein Produkt zu präsentieren, das pädagogische und wissenschaftliche Ansprüche erfüllt und gleichzeitig Spaß macht.
Um das Marketing-Konzept für die Actionbounds kümmerten sich die Studenten des sechsten Semesters. Professorin Bachinger betonte: „Wir gestalten unseren Studiengang ,Nachhaltiges Regionalmanagement‘ sehr praxisbezogen. Dennoch ist es selten, dass Studierende die Möglichkeit haben, ein konkretes waldpädagogisches Angebot von der Idee bis zur Umsetzung so intensiv zu begleiten.“
Den Wald zum Freund machen
Worauf es ankommt, erklärte Myriam Maldacker, Projektleiterin und Försterin bei ForstBW, so: „Waldboden riechen, Rinde fühlen, kühlen Wind durch die Bäume rascheln hören: Im besten Fall erleben wir Natur mit Kopf, Herz und Hand. Dann nämlich fangen wir an, ökologische Zusammenhänge zu begreifen.“ Die Actionbounds sind dabei ein modernes und spielerisches Instrument, das sich vor allem an Familien richtet.
Keine Frage, der Exotenwald, der 2022 sein 150-jähriges Jubiläum gefeiert hat, ist ein besonderes Ausflugsziel. Bis zu 55 Meter hohe Mammutbäume, serbische Fichten und Atlaszedern präsentieren ein gänzlich anderes Waldbild als der Buchenmischwald, der die Region sonst prägt. „Von unserer grünen Lunge können wir viel lernen“, so beschrieb es Just. Viele Weinheimer identifizierten sich mit dem Exotenwald, aus touristischer Sicht besitze er viel Strahlkraft.
Entsprechend erfreut äußerte sich auch Maria Zimmermann, Leiterin des Amts für Touristik, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit: „Ich bin sehr im Glück. Die Actionbounds ergänzen unser Angebot für Kinder und Familien perfekt.“
Ist das Projekt jetzt fertig? „Nein“, sagt Maldacker. „Die Bounds leben. Wir können nachträglich Dinge verändern, auch Fehler beseitigen, die wir vielleicht übersehen haben.“
Darüber hinaus lässt sich evaluieren, wie viele Menschen die digitalen Schnitzeljagden nutzen. So gelangt das Projektteam an wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Angebote.