Weinheim

Digitale Schnitzeljagd im Exotenwald

Das neue Angebot in Weinheim verbindet Nachhaltigkeit und Technologie. Aber was steckt wirklich hinter „Actionbound“?

„Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht?“, heißt es auf dem Schild, das zur digitalen Schnitzeljagd über die App „Actionbound“ einlädt. Wer mitmacht, kann den Exotenwald mit allen Sinnen genießen. Foto: Katrin Oeldorf
„Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht?“, heißt es auf dem Schild, das zur digitalen Schnitzeljagd über die App „Actionbound“ einlädt. Wer mitmacht, kann den Exotenwald mit allen Sinnen genießen.

„Das Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich technologischer Fortschritt gewinnbringend für praktische Ziele einsetzen lässt“, stellte Manuel Just, Oberbürgermeister der Stadt Weinheim, bei der Einweihung der neuen „Actionbounds“ im Weinheimer Exotenwald fest. Dabei handelt es sich um digitale Schnitzeljagden per App, die ForstBW, die Stadt Weinheim und die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg in den zurückliegenden zwölf Monaten gemeinsam realisiert haben. Finanzielle Unterstützung kam von der Bürgerstiftung Weinheim.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Von Studenten entwickelt

Dietmar Hellmann, Leiter des Forstbezirks Odenwald bei ForstBW, sagte: „Wir stehen nur deshalb heute hier, weil die Studierenden um Dr. Monika Bachinger so tatkräftig mitgewirkt haben. Ihnen gebührt großer Dank.“ In Kleingruppen hatten Studenten aus dem dritten Semester die Inhalte für die beiden Actionbounds „Wald der Sinne“ und „Wald im Wandel“ erarbeitet und zusammengeführt.

Acht beziehungsweise zehn Stationen laden dazu ein, den 60 Hektar umfassenden Exotenwald mit seinen über 140 Baumarten auf eine neue Art und Weise zu entdecken. Die Studenten erarbeiteten Schätz- und Rätselfragen, sprachen selbst Texte ein und investierten viel Zeit, um am Ende ein Produkt zu präsentieren, das pädagogische und wissenschaftliche Ansprüche erfüllt und gleichzeitig Spaß macht.

Den Startschuss für die digitale Schnitzeljagd gaben am Eingang zum Exotenwald Vertreter der Stadt Weinheim, der Forstbehörde Baden-Württemberg und der Hochschule für Forstwirtschaft. Foto: Katrin Oeldorf
Den Startschuss für die digitale Schnitzeljagd gaben am Eingang zum Exotenwald Vertreter der Stadt Weinheim, der Forstbehörde Baden-Württemberg und der Hochschule für Forstwirtschaft.

Um das Marketing-Konzept für die Actionbounds kümmerten sich die Studenten des sechsten Semesters. Professorin Bachinger betonte: „Wir gestalten unseren Studiengang ,Nachhaltiges Regionalmanagement‘ sehr praxisbezogen. Dennoch ist es selten, dass Studierende die Möglichkeit haben, ein konkretes waldpädagogisches Angebot von der Idee bis zur Umsetzung so intensiv zu begleiten.“

Den Wald zum Freund machen

Worauf es ankommt, erklärte Myriam Maldacker, Projektleiterin und Försterin bei ForstBW, so: „Waldboden riechen, Rinde fühlen, kühlen Wind durch die Bäume rascheln hören: Im besten Fall erleben wir Natur mit Kopf, Herz und Hand. Dann nämlich fangen wir an, ökologische Zusammenhänge zu begreifen.“ Die Actionbounds sind dabei ein modernes und spielerisches Instrument, das sich vor allem an Familien richtet.

Keine Frage, der Exotenwald, der 2022 sein 150-jähriges Jubiläum gefeiert hat, ist ein besonderes Ausflugsziel. Bis zu 55 Meter hohe Mammutbäume, serbische Fichten und Atlaszedern präsentieren ein gänzlich anderes Waldbild als der Buchenmischwald, der die Region sonst prägt. „Von unserer grünen Lunge können wir viel lernen“, so beschrieb es Just. Viele Weinheimer identifizierten sich mit dem Exotenwald, aus touristischer Sicht besitze er viel Strahlkraft.

Entsprechend erfreut äußerte sich auch Maria Zimmermann, Leiterin des Amts für Touristik, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit: „Ich bin sehr im Glück. Die Actionbounds ergänzen unser Angebot für Kinder und Familien perfekt.“

Ist das Projekt jetzt fertig? „Nein“, sagt Maldacker. „Die Bounds leben. Wir können nachträglich Dinge verändern, auch Fehler beseitigen, die wir vielleicht übersehen haben.“

Darüber hinaus lässt sich evaluieren, wie viele Menschen die digitalen Schnitzeljagden nutzen. So gelangt das Projektteam an wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Angebote.