Foto: Gabriel Schwab

Die ersten mussten bereits gefällt werden: Mammutbäume im Exotenwald in Gefahr

Den Mammutbäumen im Exotenwald geht es nicht gut. Fünf der rund 100 Exemplare mussten bereits gefällt werden. Zeichen von Schäden weisen alle der 150 Jahre alten Bäume auf.

Sterben dem Exotenwald seine Aushängeschilder weg? Fünf der 150 Jahre alten Mammutbäume hat es bereits dahingerafft. Andere sind kurz davor, ihr Schicksal zu teilen. Von Schäden betroffen sind sie alle: „Wenn man in die Kronen der Bäume schaut, findet man in jeder braune Nadeln“, sagt Förster Konrad Leicht und zeigt auf den Wipfel. Es gibt eine heilende Lösung. Aber die ist nicht unumstritten.

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Die WN begeben sich mit dem stellvertretenden Leiter des Forstbezirks Odenwald auf Visite im Exotenwald. Die ausländischen Pflanzen befinden sich in den unterschiedlichsten Krankheitsstadien. Die Diagnostik läuft aber immer gleich: Wie es den robusten Kolossen geht, verrät ein Blick auf die Nadelkronen. Und hier lautet der grundsätzliche Befund: Dehydrierung.

„Risiko für Besucher“

Wie Forst Baden-Württemberg auf Anfrage angibt, befinden sich rund 100 Exemplare im Exotenwald. Über die vergangenen drei bis vier trockenen Jahre habe die Einrichtung fünf der Mammutbäume fällen müssen. „Weil sie aufgrund der Trockenheit abgestorben sind und deswegen ein erhebliches Risiko für Besucher darstellten“, fügt Förster Leicht hinzu. Denn abgestorbene Bäume drohen, starke Äste oder ganze Teile der Baumkrone und den Halt zu verlieren. „Ein weiteres Exemplar hat durch die Kombination aus Nassschnee und Sturm seine Krone verloren, davon steht lediglich nur noch der Stamm“, so der Waldschutz-Experte. Die Nadeln mancher Wipfel strahlen in bedenklichem Rot. Andere welken in einem alarmierenden Braun. Erfreulicherweise dominiert in den meisten Baumkronen noch das Grün. Aber selbst in diesen sind die Stresssymptome, also verwelkte Nadeln, zu erkennen.

Durch die Öffnung lassen sich die verschiedenen Bodenarten erkennen. Foto: Gabriel Schwab
Durch die Öffnung lassen sich die verschiedenen Bodenarten erkennen.

Dabei wachsen die Pflanzen im Exotenwald auf fruchtbarem Fundament. Um zu demonstrieren, wie der Boden beschaffen ist, und zu prüfen, wie es um ihn derzeit bestellt ist, begibt sich Konrad Leicht ins Erdreich: „Mein Bruder, der Mediziner, sagt immer: ,Keine Diagnose durch die Hose’“, lacht der Förster. Dafür hämmert Leicht einen sogenannten Bodenprobennehmer in unmittelbarer Nähe eines Mammutbaums in die Erde – und zwar einen Meter tief. In dem t-förmigen Gerät aus Edelstahl werden die verschiedenen Bodenarten aufgrund von Farbe und Beschaffenheit gut sichtbar (siehe Bild). „Oben haben wir eine gute Humusschicht. Da ist ein riesiges Leben drin“, befindet der Experte.

Wie ein Schwamm saugt die eher lose Decke aus Blätter, Nadeln und Zweigen das Wasser auf und gibt es nach und nach in die Erde ab. Das gilt auch für Nährmittel wie Kohlenstoff. Die Zeitverzögerung ist wichtig: Denn die Wurzeln des Mammutbaums können keine großen Mengen Wasser auf einmal aufsaugen. In seinem Heimatgebiet, dem Hochgebirge Sierra Nevada (West-USA) sorgen viele Bäche und Quellen für den kontinuierlichen Zufluss. In Deutschland müssen die Boden- und Niederschlagsverhältnisse (am besten Schnee) passen.

Gute Voraussetzungen

Auch darunter, also im eigentlichen Waldboden, sieht es gut aus. Die Braunerde verfügt über Schluff (ebenfalls ein guter Wasserspeicher). Und sie enthält Sand, durch den die Feuchtigkeit langsam sickern kann. Nach unten hin wird der Boden trockener, die Tonschicht beginnt.

Die gute Nachricht: Zwei Drittel des Bodens sind durchfeuchtet. „Hier hat der Regen der vergangenen Wochen wirklich Besserung gebracht“, sagt Konrad Leicht. Ein Blick auf die etwa sechs Kilometer entferne Messstation in Birkenau verrät, dass es in diesem Monat (neuster Stand ist der 13. August) rund 43 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gab. Besonders zehrt die Natur vom Juli mit seinen 122,6 Litern pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Juli 2022 war es mit 20,9 Litern pro Quadratmeter fast fünfmal weniger Niederschlag.

Foto: Gabriel Schwab

Die Mammutbäume leiden unter diesen trockenen Sommern: „Was wir in den vergangenen Jahren beobachtet haben, war, dass die Bodenprobe bis ganz oben trocken gewesen ist“, berichtet Leicht. Dass es in den vergangenen Winter kaum geschneit hat, kommt sehr erschwerend hinzu. Der schmelzende Schnee liefert dem alten Koloss die so wichtige, kontinuierliche Wasserzufuhr. Selbst an Hängen, wo der Niederschlag oftmals schneller nach unten fließt, als dass er im Boden versickern könnte. Das lässt sich im Exotenwald gut beobachten: Eine Mammutbaumreihe am oberen Schwarzkiefernrundweg, der sich an abschüssigem Gelände befindet, ist besonders verdurstet.

Aus der Trockenmisere gibt es laut Konrad Leicht nur einen Ausweg: Wenn das Wetter nicht das Wasser liefert, muss es der Mensch tun. In Zeiten drohender Wasserknappheit jedoch ein nicht unumstrittene Lösung. Eine Entscheidung seitens Forst Baden-Württemberg ist hier noch nicht gefallen, wie Konrad Leicht erklärt. Aber selbst, wenn es zu einer Bewässerung kommt, sei das kein leichtes Unterfangen. Zunächst müssten die Wassermengen ja durch den Exotenwald und an die Mammutbäume geleitet werden. Dann gelte es, für eine kontinuierliche Bewässerung in einem größeren Areal um das jeweilige Exemplar zu sorgen. „Ein paar hundert Liter auf den Stammfuß zu schütten, ist nicht zielführend“, so Leicht.

Sache für die Forschung

Er will das Problem zu der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mitnehmen. Die Einrichtung ist dem Ressortforschungsinstitut der Landesforstverwaltung zugeordnet. Und Lösungen aufzeigen: Exakt das ist die gesetzliche Aufgabe der Anstalt. Das Überleben der Mammutbäume hängt womöglich davon ab.