Vom japanischen Mönch zum Pfarrer in Hirschberg: Dr. Kenneth Fleming
Vom buddhistischen Mönch in Japan zum evangelischen Gemeindepfarrer an der Bergstraße – Dr. Kenneth Fleming hat einen bemerkenswerten Lebensweg eingeschlagen.
Vom buddhistischen Mönch in Japan zum neuen evangelischen Gemeindepfarrer im Hirschberger Ortsteil Großsachen – Dr. Kenneth Fleming hat einen außergewöhnlichen Lebensweg hinter sich. „Buddha bleibt immer ein guter Freund, aber mein Herz gehört Jesus“, erklärt Fleming. Seit dem 1. Juli ist er in Großsachsen Seelsorger. Im September wurde er bei einem feierlichen Einführungsgottesdienst in der willkommen geheißen. Mit vollem Programm: Der Kindergarten sang aufgeregt ein paar Lieder und die Landwirte trugen ihre Fürbitten vor.
„Ich bin dankbar, in einer so gastfreundlichen und lebendigen Gemeinde arbeiten zu können“, beschreibt der 61-Jährige sein neues Umfeld. Auf die Stelle hat er sich ganz normal beworben. Allerdings betont der Geistliche: „Für mich ist das mehr Berufung als Beruf.“
Schon als Teenager beschäftigte sich der gebürtige Schotte mit religiösen Fragen über Frieden, Gerechtigkeit und der Sehnsucht nach Gemeinschaft. „Pfarrer-Sein ist für mich nur ein Teil des Christ-Seins“, sagt Fleming. Auch sein Alltag sei eng mit seinem Glauben verstrickt. „Da gehören zum Beispiel auch meine Rollen als Ehemann, Vater, Hundebesitzer“, fügt der neue evangelische Pfarrer hinzu.
Mit Herz und Seele dabei
Mit Herz und Seele ist er bei der Sache. „Ich sehe mich als der Begleiter für die Menschen in meiner Gemeinde“, erzählt Fleming. Er sei dabei, wenn sie Hochzeiten oder Taufen feiern, aber auch, wenn sie um geliebte Verstorbene trauern, mit Krankheit und Verlusten kämpfen. „Dabei spüre ich immer wieder, wie kostbar das Leben ist“, betont der neue Großsachsener Pfarrer.
In seinen Gottesdiensten versucht er stets, die Balance zwischen Tradition und Moderne zu finden. Ihm ist es wichtig, den Glauben stets im Kontext des aktuellen Weltgeschehens zu vermitteln: „Ein Pfarrer muss in der einen Hand die Bibel und in der anderen die Zeitung haben.“
Doch noch eine weitere Herausforderung wartet auf ihn: Im Jahr 2023 traten in Baden-Württemberg Tausende Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Bereits im Vorjahr kehrten rund 55 000 Mitglieder der Landeskirche den Rücken zu – ein Trend, der sich leider fortsetzen wird. „Uns stehen viele Veränderungen bevor. Dabei ist es unsere Hauptaufgabe, die Kirche neu zu gestalten“, erklärt der 61-Jährige.
Kirche vor großem Umbruch
Der Kirche steht ohnehin ein großer Umbruch bevor, da zunehmend größere Seelsorgeeinheiten gebildet werden. Diese strukturellen Veränderungen wirken sich auch auf die Nutzung und den Erhalt von Kirchenimmobilien aus, wie es bereits in mehreren Gemeinden entlang der Bergstraße zu beobachten ist.
Oftmals werden weniger genutzte Gebäude aufgegeben oder umfunktioniert. Bisher ist Großsachsen von diesen Maßnahmen verschont geblieben, doch auch hier könnte sich in Zukunft der Umgang mit kirchlichen Liegenschaften ändern
Dennoch blickt er positiv in die Zukunft. „Die Menschen werden sich immer mit der Bedeutung des Lebens und den Fragen nach Glücklichsein und inneren Frieden beschäftigen – darauf kann die Kirche eine Antwort geben“, meint Fleming.
Gemeinsames Feiern
Von Baden-Baden zog er mit seiner Frau, der Dekanin vom Kirchenbezirk Neckar-Bergstraße, nach Großsachsen. Davor war er in Edinburgh tätig. Ein paar schottische Traditionen werde es vielleicht auch in das evangelische Gemeindeprogramm schaffen. „In Baden-Baden habe ich mal einen Ceilidh-Tanzabend organisiert. Das würde ich hier auch gerne machen“, überlegt der 61-Jährige.
Dabei ginge es weniger darum, seine Tanzfähigkeiten unter Beweis zu stellen, sondern gemeinsam zu feiern. Was er aus seiner Heimat Schottland besonders vermisst? „Fish & Chips und die salzige Meeresluft“, antwortet Fleming mit einem Lächeln.