Hemsbach

Dutzende Keller überflutet

Die Meldungen wollten einfach nicht mehr aufhören, auf die Feuerwache in Hemsbach einzuprasseln. Mit gebündelten Kräften kämpfte die Feuerwehr gegen die Folgen des Unwetters.

Die Feuerwehr war gestern im Dauereinsatz, um das Wasser aus überfluteten Kellern abzupumpen. Foto: Feuerwehr Hemsbach
Die Feuerwehr war gestern im Dauereinsatz, um das Wasser aus überfluteten Kellern abzupumpen.

Plötzlich war es duster: Ein kurzes, aber schweres Unwetter suchte am Montagnachmittag Hemsbach heim. Hagel und Regen stürzten herunter. Und das in so großen Massen, dass die Kanalisation an vielen Stellen kapitulierte. Viele Dutzend Keller wurden überflutet: In mancher Wohnung mussten Menschen mit ansehen, wie ihr Hab und Gut im Wasser trieb.

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Das Telefon klingelt ununterbrochen

Es ist 17.41 Uhr, als der erste Alarm im Funkzentrum der Feuerwache eingeht. Sobald das Telefon einmal klingelt, hört es nicht mehr auf. Meldungen der integrierten Leitstelle (112) prasseln ein, während Bürger sich direkt auf dem Apparat der Feuerwache melden. In der Hochphase sind es vier Anrufe in der Minute. Rechts sitzt ein Feuerwehrmann am Funk. Links erfasst ein weiterer die Einsätze in einer Excel-Tabelle. Dazwischen sitzt Zugführer Carsten Schuster als Koordinator. Schnell wird ihm klar: „Wir müssen Prioritäten setzen.“ Nicht jedes Gesuch ist an diesem Tag ein Fall für die Feuerwehr. Um einschätzen zu können, wo die Not am größten ist, muss sie die gemeldeten Stellen nichtsdestoweniger abfahren und begehen. „Wenn das Wasser einen Zentimeter hoch steht, müssen Putzlumpen und Eimer zum Einsatz kommen. Aber nicht wir“, erklärt Kommandant Joachim Steilen. Denn gleichzeitig warten Bürger, die in größerem Schlamassel stecken, auf Hilfe. In der Arztpraxis im Westen der Stadt beispielsweise, wo das Wasser gerade droht, IT-Anlagen und Stromverteilung zu überfluten. „Das wäre ein riesiger Schaden gewesen“, sagt Steilen.

Elektrische Todesfalle

In andern Fällen ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. „Wir haben Keller, da steht das Wasser 30 Zentimeter hoch“, berichtet der Kommandant. Dreifachsteckdosen und kaputte Stromleitungen machen den Einsatzort zur Todesfalle. An mancher Immobilie müssen die Feuerwehrleute den Strom kappen, um nicht Gefahr zu laufen, sich in das elektrisierte Wasser zu begeben. Ist diese Gefahr gebannt, machen die Einsatzkräfte sich daran, die durchfluteten Keller auszupumpen. Dabei kommt schwere Ausrüstung zum Einsatz. Die Tragkraftspritze beispielsweise, die bis zu 1000 Liter Wasser in der Minute saugen kann. Oder die Tauchpumpe, die immerhin auf 400 Liter in der Minute kommt. „Für den Rest nehmen wir den klassischen Wassersauger“, erklärt der Feuerwehrkommandant. Mit diesem kann die Flüssigkeit direkt in die Kanalisation gefördert werden. Dort wo die Einsatzkräfte die Elektrizität ausgestellt haben, kommen benzinbetriebene Stromaggregate zur Verwendung, die die Geräte mit 230 Volt Wechselstrom versorgen.

Hilfe erreicht Wache

Zwischenzeitlich trifft Hilfe in der Wache ein. Die Feuerwehren Laudenbach und Weinheim (Abteilung Stadt und Sulzbach) kommen zur Unterstützung. Die beiden Kommunen sind kaum betroffen. Die Zahl der Einsatzkräfte erhöht sich auf 80, die der Fahrzeuge um acht. Auch ist nun ein weiteres Löschfahrzeug vorhanden. Doch jetzt ereilt das Funkzentrum eine Meldung, bei der die Alarmglocken der Feuerwehrleute bimmeln: Brand im Abwasser-Pumpwerk. „Wir wissen im ersten Moment nicht, was die Sachlage ist“, so Kommandant Steilen. „Ein Totalausfall? Wenn das der Fall ist, haben wir ein Problem.“ Als die Einsatzkräfte vor Ort eintreffen, folgt die Erleichterung. Die große Katastrophe bleibt glücklicherweise aus: Das Feuer ist nur auf die Schaltung begrenzt, das Pumpwerk ist funktionstüchtig. Schnell wird die Situation mit Kohlenstoffdioxid-Löschern unter Kontrolle gebracht. Der nächste Einsatz wartet schon.

Schicksale der Betroffenen

So zieht sich das Geschehen bis in den Abend hinein. Um 21.16 Uhr macht Zugführer Carsten Schuster Meldung beim Kommandanten: „Die Unwetterlage ist beendet.“ Die letzten beiden Einsätze: dito. Nach und nach fahren die Einsatzwagen wieder ab. Joachim Steilen verabschiedet sich von der Besetzung, bedankt sich für die Hilfe. „So viel Anstand muss sein“, sagt er und lächelt.

Der anstrengende Tag ist vorüber. Was bleibt, ist ein bittersüßer Geschmack: „Die Schicksale, die man sieht“, reflektiert Steilen. „Wir kamen in Kellerwohnungen, in denen alles unter Wasser stand. Das Hab und Gut der Betroffenen, das ist ja oft alles kaputt.“ Das Leid dieser Leute, es bleibe am Ende des Tages nicht einfach in den Kleidern hängen.