Einzelhandel

Diese Weinheimer Händler könnten sich Sonntagsöffnung vorstellen

Nicht häufiger, sondern früher: Während bundesweit über neue Ladenzeiten diskutiert wird, bringt Weinheims City-Managerin einen konkreten Vorschlag ins Spiel.

Die Stadt Weinheim hat mit ihren verkaufsoffenen Sonntagen wie Weinheimer Frühling und Weinheimer Herbst gute Erfahrungen gemacht. Die Bundesregierung denkt darüber nach, an Sonntagen den Geschäften mehr Freiraum zu lassen. Die WN haben sich jetzt bei Einzelhändlern und der Stadt umgehört, wie sie dazu stehen. Foto: Kathrin Oeldorf
Die Stadt Weinheim hat mit ihren verkaufsoffenen Sonntagen wie Weinheimer Frühling und Weinheimer Herbst gute Erfahrungen gemacht. Die Bundesregierung denkt darüber nach, an Sonntagen den Geschäften mehr Freiraum zu lassen. Die WN haben sich jetzt bei Einzelhändlern und der Stadt umgehört, wie sie dazu stehen.

Weinheim/Bergstraße. Es ist zwar nur eine Idee der Bundesregierung, mit der sie allerdings eine breite Debatte bei Unternehmen, Gewerkschaften und Verbänden losgetreten hat. Auslöser der Debatte ist ihr Vorstoß, die Sonntagsarbeit in bestimmten Bereichen zu erleichtern. Bäckereien und Konditoreien sollen ihre Beschäftigten sonntags künftig bis zu acht Stunden einsetzen können; öffentliche Bibliotheken sollen ebenfalls öffnen dürfen. Eine generelle Freigabe der Sonntagsöffnung für Supermärkte und andere Einzelhandelsgeschäfte ist damit jedoch nicht verbunden. Handelsverbände nehmen die Pläne dennoch zum Anlass, weitergehende Lockerungen für den gesamten Einzelhandel zu fordern. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) setzt noch einen drauf und fordert, die Sonntagsöffnung im Einzelhandel weitgehend freizugeben. Wie steht der Weinheimer Einzelhandel dazu? Die WN haben nachgefragt.

Was meint Christian Mayer vom Lebendigen Weinheim dazu?

Der Vorsitzende des Vereins Lebendiges Weinheim, Christian Mayer, hat sich noch keine Gedanken dazu gemacht. Persönlich glaubt er aber nicht, dass sich dies rechnet, wenn sonntags geöffnet wird. „Ich kann das Geld schließlich nur einmal ausgeben. Daher sehe ich darin keinen Mehrwert.“

Michelle Rude von Leder Rude in der Bahnhofstraße steht dem Ganzen positiv gegenüber. „52 Sonntage im Jahr zu öffnen, ist zu viel. Generell sollte dies aber flexibler gestaltet werden. Die Händler sollten dies frei entscheiden können.“ Gerade wenn sie Mode aus Italien mitbringe, fände sie es gut, die Freiheit zu haben, sonntags zu öffnen.

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Was sagen die Einzelhändler

zu dieser Idee?

Für Silvia Mayer, Inhaberin der Buchhandlung Schäffner in der Fußgängerzone, kommt es auf die Ausgestaltung an. Flexibilität ist auch bei ihr das zentrale Stichwort. Bislang gelten drei verkaufsoffene Sonntage, eventuell könnte man dies auf fünf bei entsprechenden Festen oder Aktionen erhöhen. Für Mayer stößt der Einzelhandel bei den kleinen inhabergeführten Geschäften mehr und mehr an seine Grenzen. Als Grund nennt sie das Personal. Schon jetzt sei zu sehen, dass es unterschiedliche Öffnungszeiten in der Fußgängerzone der Innenstadt gibt. Ob dies dann sonntags besser umgesetzt werden kann, ist demnach ungewiss.

„Die Debatte um Sonntagsöffnungszeiten berührt unterschiedliche gesellschaftliche, wirtschaftliche und arbeitsrechtliche Interessen. Wir respektieren diese verschiedenen Perspektiven. Für uns steht im Vordergrund, unseren Kunden innerhalb der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen ein attraktives Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig verantwortungsvoll mit den Bedürfnissen unserer Mitarbeitenden umzugehen. Über mögliche Änderungen der gesetzlichen Regelungen entscheidet die Politik“, teilt die Kommunikationsmanagerin im Bereich Marketing des Modeshauses Röther, Linda Becker, auf Nachfrage mit: „Grundsätzlich sind wir für weniger Regulation. Am Ende wird das der Kunde und der Markt entscheiden. An einem Center-Standort, wie Weinheim, stellt sich natürlich immer die Frage, wie sich das im Verbund mit den anderen Mietern und der Stadt darstellen lässt.“

Und wie ist die Position

der Stadt Weinheim?

Und wie steht die Stadt Weinheim dazu? Die Gewerbeabteilung des Ordnungsamtes erinnert als Erstes an die rechtliche Einordnung. Zunächst ist festzuhalten, dass das Ladenöffnungsrecht Ländersache ist. Zwar kann der Bund entsprechende Reformen anstreben; umzusetzen haben dies letztendlich die Länder im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens (Föderalismusprinzip). Wesentlichen Einfluss auf ein Gesetzgebungsverfahren haben die Städte und Gemeinden nicht. In der Vergangenheit hatten der Städte- und Gemeindetag allerdings immer mal wieder das Meinungsbild bei den Städten und Gemeinden abgefragt, wenn Gesetzesänderungen anstanden. Der Input wird dann an das zuständige Ministerium weitergereicht. Inwieweit die Inhalte aus den Stellungnahmen der Städte und Gemeinden dann berücksichtigt werden, kann von vornherein nicht beurteilt werden.

Das Ladenöffnungsgesetz Baden-Württemberg wurde zuletzt zum 10. Februar 2026 novelliert; hierbei ging es darum, verbindliche Vorgaben für voll automatisierte Supermärkte zu treffen. Änderungen oder Erweiterungen zu den verkaufsoffenen Sonntagen gab es nicht.

Die Stadt Weinheim veranstaltet, bis auf bestimmte Jubiläumsjahre, in der Regel zwei verkaufsoffene Sonntage pro Jahr: Weinheimer Frühling (im März) und Weinheimer Herbst (im September). Laut Gesetz wären jährlich maximal drei möglich.

Was sagt die City-Managerin Eva Wohlgemuth?

„Heute gleicht, zumindest in Baden-Württemberg und speziell bei uns in Weinheim, ein erfolgreicher verkaufsoffener Sonntag einem innerstädtischen Event. Die Einzelhändler planen Aktionen, es gibt Stände, Musik, Speis und Trank. Wir in Weinheim planen für den kommenden Weinheimer Herbst (12. bis 13. September) sogar einen Provence-Markt sowie – mit langer Tradition – das Dürreplatzfest mit großer Bühne. Dafür wird viel Werbung gemacht, und bei vielen inhabergeführten Geschäften gibt es eine große Bereitschaft, mitzumachen“, teilt City-Managerin Eva Wohlgemuth (Bild: Nikola Neven Haubner) mit. „Wenn die Sonntagsöffnungszeiten allgemein gelockert werden und die Geschäfte jeden Sonntag geöffnet haben, dann verliert der verkaufsoffene Sonntag seinen Eventcharakter. Plötzlich ist es ein ‚ganz normaler‘ Einkaufstag, der jede Woche personell gestemmt werden muss.“

„Wenn die Sonntagsöffnungszeiten allgemein gelockert werden und die Geschäfte jeden Sonntag geöffnet haben, dann verliert der verkaufsoffene Sonntag seinen Eventcharakter“, warnt die Weinheimer City-Managerin Eva Wohlgemuth. Foto: Nikola Neven Haubner
„Wenn die Sonntagsöffnungszeiten allgemein gelockert werden und die Geschäfte jeden Sonntag geöffnet haben, dann verliert der verkaufsoffene Sonntag seinen Eventcharakter“, warnt die Weinheimer City-Managerin Eva Wohlgemuth.

Eine generelle Sonntagsöffnung käme dem inhabergeführten Einzelhandel in Weinheim laut Wohlgemuth nur begrenzt zugute. Es sei natürlich ein Blick in die Glaskugel, aber vermutlich würde sich der Handel in der Innenstadt noch mehr verdichten, als es heute schon der Fall ist. Der touristisch attraktive und gastronomisch starke Kern der Stadt hätte geöffnete Geschäfte, die anderen wären geschlossen.

Ob es für die Einkäufer einen Mehrwert bringt, hinge vor allem davon ab, ob dann sonntags tatsächlich viele Geschäfte öffnen würden: „Tatsache ist auch, dass die Vereinigung der Einzelhändler, der Verein Lebendiges Weinheim, sich für das Jahr 2026 für zwei verkaufsoffene Sonntage entschieden hat, obwohl drei solcher Tage gesetzlich möglich gewesen wären. Eine gesetzliche Erleichterung, die wir uns wünschen würden, wäre ein früherer Start am verkaufsoffenen Sonntag. Momentan dürfen die Geschäfte nur von 13 bis 18 Uhr öffnen. Ein früherer Start am Morgen wäre für den Handel und das Event insgesamt begrüßenswert.“

Welche Erfahrungen gibt es mit den verkaufsoffenen Sonntagen?

Bislang hat die Stadt mit ihren verkaufsoffenen Sonntagen gute Erfahrungen gemacht. Für den Weinheimer Frühling 2026 zieht die Stadt insgesamt eine positive Bilanz: „Die Stadt war gut besucht, und viele Händler haben ihre Geschäfte geöffnet und von guten Umsätzen berichtet. Die Auswertung des Besuchermonitors, der seit Kurzem vom Stadtmarketing genutzt wird und die wöchentlichen Besucherfrequenzen in Weinheims Handelslagen ausweist, zeigt, dass die Besucherzahlen in der Woche des Weinheimer Frühlings mehr als doppelt so hoch waren wie im Vergleich zur Vorwoche“, so die Weinheimer City-Managerin.

Grundsätzlich begrüßt und unterstützt die Stadt die beiden verkaufsoffenen Sonntage in Weinheim und sieht darin ein wichtiges Marketinginstrument zur Belebung der Innenstadt: „Zusammen mit einer attraktiven Veranstaltung, die insgesamt den Einkaufsstandort stärkt und auch der lokalen Gastronomie zugutekommt, ist ein verkaufsoffener Sonntag an ausgewählten Terminen sinnvoll.“

Und wie sieht es der Lebensmittelhandel im Umland?

Für Jennifer Brand vom gleichnamigen Edeka-Markt in Hemsbach ist der Sonntag tabu: „Wir sind darauf bedacht, dass die Mitarbeiter am Sonntag eine Pause haben.“ Sie habe ihr Geschäft samstags bis 20 Uhr geöffnet, andere sogar bis 22 Uhr. Dies sollte doch reichen. Volker Zeilfelder vom Edeka-Markt in Großsachsen hält die Idee für „absoluten Quatsch“.

Der komplette Handel klage schon heute über Personal. Wie soll man dann diese Sonntage organisieren? „Wenn es Feste oder Aktionen gibt oder in Großstädten, da kann ich mir die Sonntagsöffnung durchaus vorstellen. Sonst aber nicht.“ Der Großsachsener Einzelhändler verweist zudem auf die Sonntagszuschläge. Es stelle sich also die Frage, ob sich der Sonntag dann überhaupt rechnet.