Eisbaden

Eisbaden: Kardiologe Daniel Herzenstiel spricht über Risiken und Vorteile

Eisbaden liegt voll im Trend – Kardiologe Daniel Herzenstiel erklärt, welche Risiken und Vorteile das eiskalte Hobby wirklich hat und warum die richtige Vorbereitung so wichtig ist.

Kardiologe Daniel Herzenstiel ist nicht nur Ärztlicher Leiter der Kardiologie und Angiologie der GRN Klinik Eberbach, sondern auch begeisterter Sportler. Eisbaden hat er schon ausprobiert. Foto: GRN-Klinik Eberbach
Kardiologe Daniel Herzenstiel ist nicht nur Ärztlicher Leiter der Kardiologie und Angiologie der GRN Klinik Eberbach, sondern auch begeisterter Sportler. Eisbaden hat er schon ausprobiert.

Während für manche die Badesaison längst vorbei ist, fängt sie für andere gerade erst richtig an: Eisbaden ist der neueste Trend auf Social Media. Das Internet ist voll von Videos junger Menschen, die bei Minusgraden und Schnee ins eiskalte Wasser steigen – sei es in einem nahegelegenen See oder auf dem Balkon in einer Regentonne. Der Ort spielt für die meisten Eisbader kaum eine Rolle, solange das Wasser eiskalt ist. Die mutigen Schwimmer tragen oft nur eine Mütze, dicke Socken und ein Badeoutfit. Manche halten es nur wenige Sekunden aus, andere verharren minutenlang im eisigen Wasser – konzentriert und kontrolliert atmend.

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Eisbaden ist allerdings keine Erfindung der jungen Generation. Schon seit Jahren wird es in der Medizin als Kältetherapie oder in Kneippkuren eingesetzt. Um das kalte Bad ranken sich zahlreiche Mythen: Es soll Körper und Geist vitalisieren und Krankheiten vorbeugen. Doch immer wieder gibt es Berichte über tragische Unfälle während des Eisbades. Was steckt hinter den angeblichen positiven Effekten, und wie gefährlich kann dieses Hobby bei unzureichender Vorbereitung wirklich werden? Wir haben Daniel Herzenstiel, Sportmediziner und leitenden Arzt für Kardiologie und Angiologie an der GRN-Klinik in Eberbach, dazu befragt.

Wie gefährlich ist Eisbaden?

Laut Daniel Herzenstiel birgt Eisbaden nur bei mangelhafter Vorbereitung ernsthafte Gefahren. „Man sollte niemals mit dem Kopf untertauchen“, warnt der Experte, „denn das kann im schlimmsten Fall eine so starke Stressreaktion auslösen, dass der Betroffene ertrinkt.“ Die häufigste Reaktion des Körpers auf einen solchen Stressmoment ist das „nach Luft schnappen“. Im schlimmsten Fall schluckt der Betroffene kaltes Wasser und es kann zu einem Krampfen der Bronchien kommen. „Kommt Panik hinzu, besteht die Gefahr zu ertrinken.“ Besonders unerfahrene Personen sind gefährdet, da der Puls durch den plötzlichen Kälteschock stark ansteigt. Menschen mit Herzproblemen riskieren dadurch einen Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Herzenstiel betont: „Eine gute Vorbereitung ist bei diesem Hobby das A und O.“

Welche Vorbereitungen sind wichtig?

Um unkontrolliertes Luftschnappen und damit mögliches Verschlucken zu vermeiden, empfiehlt der Experte gezieltes Atemtraining. „Beim Eisbaden müssen wir unsere Schutzreflexe unter Kontrolle bringen. Das gelingt am besten durch die richtige Atmung und eine kurze Meditation.“ Auch der Körper sollte schrittweise an die Kälte gewöhnt werden: Regelmäßiges kaltes Duschen von 30 Sekunden Dauer sind laut Herzenstiel ausreichend, um den Einstieg zu erleichtern. Die wichtigste Regel lautet jedoch: Niemals alleine ins Eiswasser gehen.

Welche positiven Effekte hat Eisbaden?

Kälte treibt den Puls in die Höhe, was nicht nur negative, sondern auch positive Effekte haben kann. „Menschen mit niedrigem Blutdruck profitieren von kaltem Duschen oder Eisbaden“, erklärt der Kardiologe. „Das Zusammenziehen der Gefäße ist ein zusätzlicher Vorteil, besonders für Menschen mit Krampfadern.“ Außerdem setzt das kalte Wasser Glückshormone und Endorphine frei. „Das kann regelrecht zu einem Glückshormon-Flash führen“, so Herzenstiel. Mit jedem Bad wird zudem der Kreislauf trainiert, was das Immunsystem stärkt.

Wer sollte aufs Eisbaden verzichten?

Für Kinder hat Eisbaden keinen gesundheitlichen Nutzen und sollte laut Herzenstiel unbedingt vermieden werden. „Kinder kühlen viel schneller aus als Erwachsene“, warnt er. Auch Menschen mit Herzerkrankungen oder Gefäßproblemen sollten auf das Hobby verzichten, da die Kälte den Kreislauf stark belastet. Wer sich gesund fühlt und unbedingt Eisbaden möchte, sollte maximal ein bis zwei Minuten im Wasser bleiben.

Welche Rolle spielt Eisbaden in der Medizin?

In der Sportmedizin ist die Kältetherapie längst etabliert. Kältekammern helfen Sportlern, sich nach intensiven Trainingseinheiten schneller zu regenerieren. Herzenstiel sieht zudem Potenzial für die Rehabilitationstherapie: „Die Verengung der Blutgefäße bei Kälte wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd.“ Auch psychisch kann das Eisbaden unterstützend wirken: „Die Konzentration und ruhige Atmung, die für das Eisbaden notwendig sind, können entspannend wirken. Die dabei ausgeschütteten Hormone wie Adrenalin und Endorphine sind ein zusätzlicher Bonus.“