Fachwerk-Rathaus: Experten begeistert von historischem Fund
Ein unerwarteter Fund wirft ein neues Licht auf die Geschichte der Gemeinde. Ein Fachwerkhaus wurde als eines der ältesten Gebäude der Region identifiziert.
Da besitzt die Gemeinde ein wahres Juwel an der Breitgasse: Im Rahmen einer dendrochronologischen Untersuchung (Jahresringmessung bei Holz) wurde das Baujahr des alten Großsachsener Fachwerk-Rathauses auf dem Anwesen Am Mühlgraben 1 auf das Jahr 1488 datiert. In der Region gibt es kaum ältere Gebäude; eines steht in Walldürn (1446), ein anderes in Michelstadt (1484).
Bürgermeister Ralf Gänshirt, Architekt Marc Sattel und der Bauforscher Achim Wendt erläuterten im heutigen Rathaus diesen sensationellen Befund. Und er kam eigentlich eher zufällig heraus, denn im Zuge der Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde kam es zu dieser Untersuchung zur Altersbestimmung.
Kulturzentrum denkbar
Ursprünglich sollte dieses Baujuwel verkauft werden. Doch die Kaufinteressentin zog zurück. Welch ein Glück, möchte man im Nachhinein nur sagen. Der Gemeinderat sprach sich Ende Februar in einer nicht öffentlichen Sitzung dafür aus, das Gebäude nicht zu veräußern, sondern zu sanieren. 1,4 Millionen Euro lautet die erste Schätzung für das 170 Quadratmeter große Gebäude. Als zukünftige Verwendungen schwebt Hirschbergs Bürgermeister eine öffentliche Nutzung vor: Gänshirt umriss dies mit den Worten: „Kunst, Kultur, gute Stube.“
Da sich die Gemeinde die Sanierung angesichts der vielen Großprojekte nicht leisten kann, hofft sie auf einen Zuschuss aus dem Programm „Denkmalschutz-Sonderprogramm XIII“. Zwischen 30 und 50 Prozent könnte der Zuschuss liegen, rechnete der Architekt vor. Spendenaktionen könnten ebenfalls dazu beitragen, die Sanierung dieses ehrwürdigen Hauses zu ermöglichen. „Wow, interessanter, als man dachte“, mit diesen Worten umschrieb der Architekt Sattel die vorgefundene Bausubstanz. Das Gebäude diente als Rathaus, später wurden dort Feuerlöschgeräte aufbewahrt. Und zuletzt wurde es für eine Sozialwohnung genutzt. „Die Bausubstanz ist außerordentlich gut“, schwärmten Architekt und Bauforscher. „Die Schäden entstanden eher durch unsachgemäße Reparaturen“, erläuterte Wendt. Schäden weist vor allem das Fachwerk auf der Westseite auf. Allerdings lassen sich diese mit traditionellen Zimmermannstechniken beheben. Die übrigen Fachwerkfassaden weisen nur geringe Schäden auf.
Sattel präsentierte bereits erste Nutzungskonzepte. So könnte im Obergeschoss ein 45 Quadratmeter großer Ratssaal und ein weiterer kleinerer Raum entstehen. Im Erdgeschoss wiederum könnte es auch einen Saal geben; Sanitär und Technik könnten dort ebenfalls untergebracht werden. „Auch ich könnte mir ein kleines Kulturzentrum vorstellen“, ergänzte der Architekt.
Bauforscher schwärmt
Bauforscher Wendt geriet ins Schwärmen. Ursprünglich sollte das Gebäude viel jünger sein. Ein Zehntbuch Großsachsens datierte die Erbauung auf das Jahr 1690, tatsächlich wurde es 1488 errichtet: „Ein Schmuckstück an Fachwerk-Rathaus hat die Gemeinde da.“ Wendt hob zudem das komplett erhaltene Dachwerk aus den Anfangsjahren hervor. Angesichts dieses sensationellen Fundes sprach Wendt von einem lohnenden Projekt, welches nur noch finanziert werden müsste. „Irgendwie passt es zwar nicht in unser Finanzkonzept, aber im Gemeinderat stehen alle dahinter“, brachte es der Bürgermeister auf den Punkt. Zu einem Zeitplan für die Umsetzung konnte er nichts sagen.