Handball

Fan-Club Rote Teufel der SG Leutershausen sieht schwarz

Der Fan-Club der SGL fühlt sich nicht gehört und sieht durch die geplante Spielgemeinschaft die Tradition des Vereins gefährdet

Der Fan-Club Rote Teufel der SG Leutershausen ist mit dem vorgestellten Konzept der Handball-Spielgemeinschaft nicht einverstanden. Von links Vorsitzender Rüdiger Kanzler, Uwe Brand (stehend), Max Mayr, Petra Ditrich und Claudia Haas. Foto: Anja Treiber
Der Fan-Club Rote Teufel der SG Leutershausen ist mit dem vorgestellten Konzept der Handball-Spielgemeinschaft nicht einverstanden. Von links Vorsitzender Rüdiger Kanzler, Uwe Brand (stehend), Max Mayr, Petra Ditrich und Claudia Haas.

Es wurde laut. Es wurde emotional. Zwischen den Regalen des kleinen Fan-Club-Raums im Alten Rathaus in Leutershausen hatte sich der Vorstand des Fan-Clubs Rote Teufel SG Leutershausen eingefunden, um seine Meinung zum „Projekt Zukunft Handball“ zu äußern. Vor einer Woche hatten Vertreter von SGL, TVG Großsachsen, SG Hohensachsen und TSG Lützelsachsen ihr Konzept einer Handball-Spielgemeinschaft an der Bergstraße präsentiert (wir haben berichtet). Der Namensvorschlag, der in den Ring geworfen wurde: Handball-Team Saase3Leutershausen. Die Idee einer Marke: die Hirsche. Die Trikotfarbe: schwarz mit bunt.

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Wenig überraschend: Der Vorstand des Fan-Clubs Rote Teufel hat eine gewisse Hirschintoleranz. Bunt statt rot oder zumindest rot-gelb möchte man auch nicht sein. Und künftig S3L statt SGL zu rufen, sei auch ein No-Go. „Wir sind regelrecht geschockt. Seit Mittwoch kann ich nicht mehr schlafen. Das Logo, die Trikotfarbe, das ist eine katastrophale Farbzusammenstellung. Damit tritt man die Tradition der Vereine mit Füßen. Das kann doch nicht die Zukunft einer Spielgemeinschaft sein“, wetterte der sichtlich erregte Club-Vorsitzende Rüdiger Kanzler.

„Und dann der Name: Die Hirsche, wenn ich das schon höre – damit machen wir uns ja lächerlich! Nicht nur hier, in ganz Handball-Deutschland. In der Spielgemeinschaft sollen sich ja alle auf Augenhöhe begegnen. Dass die Frauen bei der Namensfindung ‚Hirsche‘ offenbar vergessen wurden, sagt ja alles.“

Ein weiterer Kritikpunkt sei das aufgeblasene Organigramm: Fast 40 Positionen seien zu besetzen. Und noch schlimmer: „Die scheinen ja alle schon vergeben zu sein. Und wir wurden gar nicht miteinbezogen, mit uns hat keiner gesprochen. Dabei sind wir doch die Einzigen, die Handball wirklich leben. Wir machen die Stimmung, hängen die Plakate“, sagte Kanzler, der aufgrund einer parallel von ihm einberufenen SPD-Vorstandssitzung nicht bei der Konzept-Präsentation in der Sachsenhalle gewesen war.

„Beerdigung des Handballdorfs“

Dafür acht Mitglieder des Fan-Clubs, die ihm von der Präsentation berichtet hatten. Kanzler: „Dass die Marke Leutershausen im neuen Namen nur noch ein Anhängsel bildet, damit beerdigt man auch das Handballdorf. Das existiert dann nicht mehr.“ Die WhatsApp-Gruppe des Fan-Clubs platze seit Mittwoch aus allen Nähten.

Ist der Fan-Club also generell gegen eine Spielgemeinschaft? Darüber war sich der Vorstand im Pressegespräch nicht so recht einig. Die Mitglieder müsse man erst noch befragen. Kanzlers Meinung, dass die „SGL das alleine geschafft hätte“, steht der Istzustand der Abteilung gegenüber. Mit dem seit Jahren drohenden und jetzt vollzogenen Wegbrechen der zweiten Mannschaft und damit des kompletten Unterbaus für das Bundesligateam ist das „Alleine-Schaffen“ in den kommenden Jahren zumindest fragwürdig.

Fan-Club-Vorstand unentschlossen

Die übrigen Vorstandsmitglieder reagierten im Pressegespräch zur generellen Frage nach der Notwendigkeit einer Spielgemeinschaft etwas zurückhaltender. „Es verursacht uns zumindest Bauchweh, dass das total in die Hose geht. Es gab schon in der Vergangenheit immer wieder Ideen mit anfänglicher Euphorie und am Ende stand das Vergraulen vieler ehrenamtlicher Helfer“, sagte Petra Ditrich. „Auch eine Zielvorgabe mit 50 Prozent eigener Jugendlicher ist gewagt. Wir haben es ja nicht mal geschafft, einen pro Jahr rauszubringen. Im Gegenteil, viele sind ja gegangen und fehlen dem Verein auch als Helfer.“

Und Claudia Haas bringt das eigentliche Anliegen des Fan-Clubs auf den Punkt: „Wir sind nicht gehört worden, wurden nicht eingebunden und werden jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich glaube, viele werden das nicht mittragen.“ Dass es sich bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch eben noch um ein Konzept und um keine feststehende Tatsache handelt, geht in den Emotionen unter. „Einige Heisemer trifft das schwer ins Herz. Für manche gibt es nichts anderes, als samstagabends ihre SGL zu unterstützen“, sagt Kanzler. Und Uwe Brand ergänzt: „Ich werde mir schon überlegen, noch eine Dauerkarte zu kaufen. Wozu? Um die SGL noch einmal zu unterstützen, die es dann die Saison darauf nicht mehr gibt? Und wenn es tatsächlich mit dem Aufstieg klappen sollte, dann wird vielleicht auch der TVG merken, dass es nicht ohne Schulden geht.“ Übrigens ein Szenario, das das „Projekt Zukunft Handball“ bei der Erarbeitung seines Finanzierungskonzepts mit GmbH und Förderverein ausschließt.

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