Flutkatastrophe in Nepal: Hirschberger starten Hilfe für Menschen vor Ort
Orte, Freunde und Projekte, die sie seit Jahren kennen, geraten plötzlich in den Fokus. Für Jonas Melcher und Richard May aus Hirschberg wird die Katastrophe sehr persönlich.
Hirschberg/Kathmandu. Die Bilder von der Flutkatastrophe mit den vermutlich Tausenden von Toten im Himalaja-Staat Nepal lassen Jonas Melcher und Richard May nicht mehr los. Sie sind schockiert, traurig und zugleich tief besorgt. Erneut wird das Land nach dem Erdbeben von 2015 erschüttert.
Die beiden Hirschberger reisen seit Jahren in das Land im Himalaja und unterstützen dort unter anderem Kinderhäuser in der Hauptstadt Kathmandu. Als sie im Fernsehen und im Internet die Bilder von den dramatischen Auswirkungen des Gletscherbruchs sahen, waren sie geschockt. Spontan richtete Melcher auf PayPal eine Spendenaktion ein.
Kinderhäuser bleiben verschont
Der Großsachsener Fotograf, der zuletzt im Februar mit seinem Freund Nicolas Dallinger in dem Himalaja-Gebiet gewesen war, wirkt am Telefon ein wenig erleichtert, weil er eine sehr gute Nachricht erhalten hatte: „In den mittlerweile neun Kinderhäusern, für die wir die Spenden sammeln, ist nichts passiert. Sie wurden alle von dem Unglück verschont.“ Melcher hatte dies von Subani Ranamagar erfahren, die von ihrer Mutter Indira die Leitung der Kinderhäuser übernommen hatte. Indira hatte im Jahr 2000 die Gefangenenhilfe „Prisoner’s Assistance (PA) Nepal“ gegründet. Sie kommt aus einer ländlichen Familie, die sehr arm war. Als Frau wurde sie in der nepalesischen Gesellschaft nicht akzeptiert und durfte im Vergleich zu ihrem Bruder nicht studieren. Ranamagar schloss sich daraufhin Menschenrechtsaktivisten an und arbeitete bis 1993 mit ihnen zusammen, um sich für die Rechte von Gefangenen einzusetzen.
Um zu überleben, verüben so manche Nepalesen aus Verzweiflung Straftaten. Kommen sie ins Gefängnis, haben die Kinder mitunter niemanden, der sich um sie kümmert. Der Staat übernimmt keine rechtliche Verantwortung für die Kinder. PA Nepal nimmt sich dieser Kinder an. Sie bekommen eine Unterkunft, tägliche Mahlzeiten, Schulunterricht und soziale, humanitäre Hilfe.
Hotel ist völlig zerstört
Melcher hat wie auch May nicht nur deshalb eine besondere Bindung zu diesem Land. Es ist die Natur, die sie fasziniert. „Zunächst war nicht klar, welche Orte von der Flutkatastrophe betroffen waren. Dann erfuhr ich vom Ort Syaprubesi, den ich von meiner Trekking-Tour in den Langtang-Nationalpark kannte. Das Hotel, in dem ich mit meinen Handballkumpels Boris Kruck, Nicolas und Jonas Dallinger übernachtet hatte, existiert nicht mehr. Es wurde von der Sturzflut einfach weggerissen. Voll krass.“ Das hätte auch die Hirschberger treffen können, getreu dem Motto: zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Gleichwohl schließt Melcher, der die Trekking-Tour im Bildband „Langtang“ festgehalten hat, diese Wahrscheinlichkeit aus: „Zur jetzigen Monsunzeit würde ich nicht in das Nepal-Gebiet reisen.“
Ein einschneidendes Erlebnis
Die Trekking-Tour im vergangenen Jahr beschreibt Melcher bis heute als ein einschneidendes Erlebnis für ihn und seine Freunde. Dass die Geschichte, die mit einem offenbar nicht auskurierten Infekt begann, dann doch ein Happy End hatte, zeigt der Bildband „Langtang“. Nach der Gipfelbesteigung des 4.985 Meter hohen Tserko Ri brach der damals 26-Jährige auf der Hütte zusammen. „Ich erinnere mich an nichts mehr, erst wieder, als ich in Kathmandu im Krankenhaus aufgewacht bin“, sagt der Fotograf. Die 144 Seiten beinhalten nicht nur die Fotos und die Geschichte zur Trekking-Tour in Nepal, sondern vor allem den Hintergrund der Projekte, die durch den Erlös des Bildbands und durch Spenden mit Leben erfüllt werden und das Leben vieler Menschen retten. Es ist der dritte Bildband von Melcher, der sein Herz „an das schönste Land der Welt“ verloren hat.
So lieb er die Menschen dort auch hat und so wunderschön die Natur dort ist: Aufgrund der Geografie ist eine Reise dorthin immer eine gefährliche Aktion. „Wir sehen, was der Klimawandel verursachen kann. Die Gletscher schmelzen. Zudem haben wir dort Erdbeben. Zuletzt gab es 2015 ein schweres Erdbeben.“
Mit dem jetzt durch die über paypal Spenden eingenommenen Geld will Melcher den Menschen vor Ort helfen. Mit einem nepalesischen Freund ist er bereits in Kontakt. Kontakt hatte Melcher übrigens auch zum Guide Kumar, den Richard May ebenfalls von seinen Touren ins Bergdorf Bung kennt, wo der Hirschberger seit Jahren eine Grundschule und ein Krankenhaus unterstützt. „Auch von Kumar gab es gute Nachrichten“, atmet Melcher tief durch.
Der „weißhaarige Heisemer“
Richard May wird in Nepal gerne als der „weißhaarige Heisemer“ bezeichnet. Im vergangenen Jahr reiste er zum mittlerweile 18. Mal in das Himalaja-Land. Zwei Monate blieb er dort, um sich ein Bild von den Kinderhäusern zu verschaffen. Aus Gesundheitsgründen konnte der damals 82-Jährige das Bergdorf Bung nicht mehr bereisen.
Auch ihn treffen die schlimmen Nachrichten von der Katastrophe natürlich hart. „Dass mein Engagement in Nepal sichtbare Früchte trägt, ist vielen Menschen an der Bergstraße und in Viernheim zu verdanken, die über viele Jahre mit ihren Geldspenden Lebensmittel und notwendige Anschaffungen ermöglicht haben“, ist der bescheidene Leutershausener allen dankbar, die ihn bei seiner Lebensaufgabe seit Jahren unterstützen.
Die jüngsten Naturereignisse zeigen ihm, dass die Hilfe für dieses bettelarme Land unbedingt weitergehen muss.