Hirschberg an der Bergstraße

Gemeinde kämpft um Millionen für Ganztagsschulprojekt

Die Großsachsener Schule steht vor einer Herausforderung: Der Ausbau zur Ganztagsschule mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro droht ins Stocken zu geraten.

Die Gemeinde und die Großsachsener Grundschule sind frustriert. Für den Umbau zur Ganztagsschule haben sie die Hausaufgaben gemacht. Die Kommune könnte loslegen, doch jetzt fehlt immer noch die Zusage von Bund und Land über eine Förderung von 1,5 Millionen Euro. Foto: Thomas Rittelmann
Die Gemeinde und die Großsachsener Grundschule sind frustriert. Für den Umbau zur Ganztagsschule haben sie die Hausaufgaben gemacht. Die Kommune könnte loslegen, doch jetzt fehlt immer noch die Zusage von Bund und Land über eine Förderung von 1,5 Millionen Euro.

Die Anwesenheit der Großsachsener Grundschulleiterin Andrea Auer, ihrer Stellvertreterin Myriam Rachid-Dilling und der Schulbegleiterin Claudia Hefermann verdeutlichte die Brisanz des Themas. Sie sitzen beim Ausbau zur Ganztagsschule mit dem Gemeinderat in einem Boot und wollen das 2,5-Millionen-Euro-Projekt umsetzen.

Doch die Gemeinde wird von Bund und Land ausgebremst, was Frust und Unverständnis auslöst. Bis heute steht nicht fest, ob Hirschberg einen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro erhält oder nicht. Die Folge: Der Gemeinderat befürwortete in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig den Bau nach den Plänen des Architekturbüros Kopp & Sättele, die Ausschreibung der Gewerke erfolgt aber erst nach Eingang eines positiven Bewilligungsbescheids. Da zum Schuljahresbeginn 2026/2027 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt wird, warnte die Verwaltung schon jetzt vor einer „möglichen Qualitätseinschränkung“.

Bürgermeister Ralf Gänshirt gab seinem Ärger über Bund und Land freien Lauf: „Wir haben am 23. September 2022 das Baukonzept beschlossen. Das Raumprogramm wurde erarbeitet, und die Baugenehmigung liegt vor. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Doch Berlin war bislang nicht in der Lage, die Bundes- in Landesmittel umzuführen. Wir wollen für unsere Kinder eine ordentliche und qualitativ hochwertige Betreuung und jetzt werden wir so ausgebremst“, schimpfte der Bürgermeister und stellte klar, dass die Kommune dieses Projekt ohne Zuschuss nicht finanzieren könne.

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Fördertopf schnell ausgeschöpft

Problematisch ist, dass im Fördertopf für das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe nur rund 80 Millionen drin sind. Da das „Windverfahren“ angewandt wird, also derjenige Geld erhält, der zuerst seine Unterlagen eingereicht hat, rechnet der Bürgermeister zum Stichtag 15. März mit einem vollen „Briefkasten“ bei der zuständigen Behörde. Ob Hirschberg, welches zu diesem Zeitpunkt natürlich seinen Antrag einreicht, berücksichtigt wird, steht in den Sternen. Der zuständige Architekt Bernd Kopp erläuterte anschließend kurz das Projekt, das Raumprogramm sowie den Zeitplan. Aufgrund von gestiegenen Baukosten und Ergänzungen beim Raumprogramm erhöhten sich die Ausgaben von zunächst geschätzten 1,8 auf nunmehr 2,5 Millionen Euro. Der Anbau kommt auf die rechte Freifläche neben dem Haupteingang.

Bauzeitenplan wankt

Wie wichtig dieser Anbau ist, belegen die Zahlen. Von den derzeit 166 Kindern werden 129 am Nachmittag betreut. Hierfür fehlen Raumkapazitäten, sodass teilweise in die Aula und in ein Klassenzimmer ausgewichen werden muss. Auch Räumlichkeiten für eine Mensa müssen geschaffen werden. Derzeit werden die fertigen Speisen warm angeliefert und ausgegeben. Dies soll so geändert werden, dass künftig die Verpflegung wie an der Martin-Stöhr-Grundschule ablaufen werde (Cook and Freeze).

Laut Architekt Kopp könnte der Zeitplan wanken. Eigentlich war vorgesehen, in den Sommerferien am 29. Juli zu beginnen. Die Fertigstellung ist für den September 2025 geplant. „Dadurch, dass wir jetzt auf den Förderantrag warten müssen und keine Aufträge vergeben können, verschiebt sich die Maßnahme“, sagte Kopp. Kurz ging er auf Änderungen beim Technikraum sowie auf die Baustellenlogistik ein. Letztere führt dazu, dass der uralte Fahrradständer vor dem Eingang hinter den Zaun am Bolzplatz verlegt wird. Bei der Gestaltung des Anbaus orientiere man sich am Original, allerdings werde es wohl ein „anderes Blau“ geben, ergänzte der Architekt.

GLH-Gemeinderätin Dr. Claudia Helmes stellte sich wie alle anderen Redner nach ihr voll und ganz hinter die Position der Verwaltung. „Wir müssen den Rechtsanspruch umsetzen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. An der Schule gibt es für den Ganztagsbetrieb einen großen Bedarf“, betonte sie. Diese Erweiterung sei ein sehr wichtiges Großprojekt, welches im Vergleich zu Neubaugebiet und Hallensanierung nicht vernachlässigt werden dürfe.

Fehlende Effizienz

FW-Gemeinderat Alexander May bemängelte die fehlende Effizienz bei Bund und Land: „Wir stehen in den Startblöcken und könnten loslegen. Doch dies geht jetzt nicht“, sagte er und signalisierte ebenfalls Zustimmung zum Verwaltungsvorschlag. SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz begrüßte den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, gleichzeitig zeigte er sich enttäuscht vom Land: „Ich hoffe aber, dass zeitnah etwas bei der Förderung passiert.“ CDU-Gemeinderat Ferdinand Graf von Wiser äußerte sich ebenfalls enttäuscht über Bund und Land: „Wir wären genial im Zeitplan, wenn wir jetzt nicht ausgebremst würden. Wir müssen jetzt aber mit unserem Beschluss reagieren. Erstens aus finanziellen Gründen. Und zweitens wäre es blöd, wenn wir loslegten, ohne auf die Förderung zu warten.“ FDP-Fraktionssprecher Oliver Reisig sparte ebenso nicht mit Kritik. „Es gibt diesen Rechtsanspruch und wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt müssen andere in die Pötte kommen. Es ist schon traurig, wenn bei Bund und Land die Bildung so einen geringen Stellenwert besitzt.“ Abschließend legte der Verwaltungschef noch einen drauf: „Für mich ist das Ganze ein Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte kommunale Selbstverwaltung. Der Bund beschließt, und die Gemeinden haben zu zahlen. Dagegen müssen wir uns wehren, weil uns permanent die Kosten aufs Auge gedrückt werden. Unser Spielraum wird dadurch immer geringer. So geht es nicht weiter.“