Generation Z

"Eine Generation, die uns fordert" 

Klima, Corona, Kriege: Die 14- bis 17-Jährigen wachsen in einer Welt multipler Krisen auf. Was macht das mit ihrem Blick in die Zukunft? Christoph Schleer stellte im Kino Weinheim die Lebenswelten der Generation Z vor.

Weinheim. Was haben Bill Kaulitz und Thomas Müller gemeinsam? Mit dieser launigen Frage startet Dr. Christoph Schleer vom Sinus-Institut Heidelberg seinen Vortrag zur Generation Z, zu den Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen im Neuen Theater Weinheim. Das Kino ist bis auf den letzten Platz besetzt, selbst im Gang haben es sich einige Besucher gemütlich gemacht. Das Thema interessiert offensichtlich.

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Gekommen sind viele Eltern, aber auch Großeltern, Gemeinderäte, die Stadt Weinheim, vertreten durch Dr. Susanne Felger vom Koordinierungsbüro Übergang Schule-Beruf und Dorothea Hartmann vom Weinheimer Bündnis Ausbildung. Und natürlich sind zahlreiche Vertreter örtlicher Unternehmen im Publikum, die wissen wollen, wie man in Zeiten von Fachkräftemangel diese angeblich so anspruchsvolle und schwer greifbare Generation für ihre Unternehmen gewinnen und natürlich auch halten kann. "Es ist eine Generation, die uns fordert", betont Susanne Felger zum Auftakt der Veranstaltung. Und stellt fest: "Die Werte dieser jungen Menschen, die jetzt in die Betriebe und Unternehmen kommen, unterscheiden sich stark von den Werten älterer Mitarbeiter. Und wenn diese Werte aufeinandertreffen, dann knallt es."

Dr. Susanne Felger, Stadt Weinheim, Koordinierungsbüro Übergang Schule-Beruf, Dr. Christoph Schleer, Sinus-Institut Heidelberg und Dorothea Hartmann. 1. Vorsitzende Weinheimer Bündnis Ausbildung (von links). Foto: Katrin Oeldorf
Dr. Susanne Felger, Stadt Weinheim, Koordinierungsbüro Übergang Schule-Beruf, Dr. Christoph Schleer, Sinus-Institut Heidelberg und Dorothea Hartmann. 1. Vorsitzende Weinheimer Bündnis Ausbildung (von links).

Aber was haben denn nun Bill Kaulitz und Thomas Müller gemeinsam? "Sie sind soziodemografische Zwillinge", erklärt der Speaker, was zur Erheiterung im Publikum führt. Es reiche eben nicht aus, das Geburtsjahr und die finanzielle Lage der Menschen zu betrachten, man müsse schon weiter ausholen und tiefer forschen, um Menschen in nachvollziehbare Lebenswelten einteilen zu können. Um die Jugendlichen, die Generation Z, die jüngste Generation auf dem Arbeitsmarkt, für die Wirtschaft erklärbar zu machen, hat das Sinus-Institut für eine aktuelle Studie Jugendliche aus unterschiedlichen Schulformen und Bevölkerungsgruppen in ganz Deutschland intensiv befragt – nach ihrem Alltag, ihren Wünschen, Werten und Zukunftsentwürfen, sie zu Hause besucht, und anschließend in sieben Lebenswelten eingeteilt.

"Einfach ein Durchschnittsdeutscher werden"

Da gibt es als Erstes die Gruppe der Konservativ-Bürgerlichen. Diese Jugendlichen sind, laut Studie, familien- und heimatorientiert, haben ein starkes Traditions- und Pflichtbewusstsein, stellen die Erwachsenenwelt kaum infrage und wünschen sich eine tradierte "Normalbiografie" mit finanzieller Sicherheit und eine eigene Familie. "Ich möchte einfach ein Durchschnittsdeutscher werden", wird ein Jugendlicher zitiert.

Die zweite große Gruppe der "GenZ" ist die Gruppe der Experimentalisten, mit einer Abkehr von bürgerlichen Werten und geringer Autoritätsorientierung. Selbstverwirklichung ist ihnen besonders wichtig, sie interessieren sich für kreative Berufe. Die Gruppe der Neo-Ökologischen mit einem hohen Bildungsstand und einer starken sozialkritischen Grundhaltung ist auf der Suche nach Sinn. Diesen Jugendlichen sind Fragen der Gleichberechtigung wichtig, aber auch Gemeinschaft und Familie. Ihr zukünftiger Beruf sollte immer auch eine Berufung sein.

Erfahrungen von Diskriminierung und Mobbing

Dagegen hat die vierte Gruppe der Generation Z, die Prekären, bereits Erfahrungen von Diskriminierung und Mobbing hinter sich. Die sozial schwache Lebenswelt der Eltern vermittele ihnen die Wahrnehmung nur sehr geringer Aufstiegschancen für sich selbst. Viele zögen sich zurück und wünschten sich für die Zukunft vor allem ein "Dach über dem Kopf" und "Geld für Schuhe". Die Konsum-Materialisten, die fünfte Lebenswelt, gibt sich freizeitorientiert. Shoppen, Partys und ein gechilltes Leben sind diesen Jugendlichen wichtig.

Platz in der Mitte der Gesellschaft

Die als leistungsorientiert charakterisierten Adaptiven wollen etwas erreichen, einen Platz in der Mitte der Gesellschaft bekommen, sie streben nach Sicherheit und orientieren sich aber am Machbaren. In ihrem zukünftigen Arbeitsumfeld wollen sie Aufstiegschancen gezeigt bekommen und trotzdem viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. Hier passt also die viel zitierte Wunsch nach einer guten "Work-Life-Balance". Und dann die siebte Lebenswelt, die Expeditiven. Sie werden als erfolgs- und lifestyleorientiert beschrieben, auf der Suche nach Herausforderungen und einem spannenden Arbeitsalltag, sie vertrauen stark auf die eigenen Fähigkeiten und blicken deshalb optimistisch-entspannt in die Zukunft.

Die als leistungsorientiert charakterisierten Adaptiven wollen etwas erreichen, sie versuchen, einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu finden, streben nach Sicherheit und orientieren sich dabei am Machbaren. In ihrem zukünftigen Arbeitsumfeld wollen sie Aufstiegschancen gezeigt bekommen und trotzdem viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. Hier passt also der viel zitierte Wunsch nach einer guten "Work-Life-Balance". Und dann die siebte Lebenswelt, die Expeditiven. Sie werden als erfolgs- und lifestyleorientiert beschrieben, auf der Suche nach Herausforderungen und einem spannenden Arbeitsalltag, sie vertrauen stark auf die eigenen Fähigkeiten und blicken deshalb optimistisch-entspannt in die Zukunft.

Wer passt in welches Unternehmen?

Nach diesem spannenden Einblick in die heterogenen Lebenswelten der heutigen Jugendlichen hat das Publikum viele Fragen an Christoph Schleer. "Welche Jugendlichen passen denn nun in welches Unternehmen?" Und wie findet ein Unternehmen denn jetzt die Gruppe der Jugendlichen, die zu ihm passt?", möchte Gudrun Antoni vom BUND Weinheim wissen. Die Unternehmen, so der Speaker, müssen sich dazu drei Fragen stellen: Erstens, welche Jugendlichen passen zu den Werten des Unternehmens und in das Teamgefüge? Zweitens, welche Jugendlichen passen auf die vakanten Stellen? Und drittens, welche Jugendlichen sind für das Unternehmen und die vakanten Stellen erreichbar?

Dabei spiele auch die richtige Ansprache durch Werbung eine wichtige Rolle. Diese müsste stark auf die unterschiedlichen Lebenswelten ausgerichtet werden, um zu funktionieren, also die milieutypischen Ankerwerte in der Kommunikation in den Vordergrund stellen. "Eine Anzeige, die sich an die Expeditiven richtet, müsse andere Inhalte und eine ganz andere Bildsprache zeigen, als Werbung für die Neo-Ökologischen", erläutert Wirtschaftswissenschaftler Schleer. Die Gruppe der Prekären bräuchte beispielsweise starke visuelle Reize und die Botschaft: 'Ihr könnt auch ohne Abitur erfolgreich werden!'

Generation multipler Krisen

Viele Eindrücke, viele Fragen aus dem Publikum und ein differenzierter Blick auf diese junge Generation. Und auch viele Erkenntnisse, die das Publikum nachdenklich machen. Denn, es sei eben nicht nur eine vielschichtige und auch fordernde Generation, sondern, so Christoph Schleer, vor allem eine Generation, die multiple Krisen erlebt habe: "Ein prägendes Erlebnis dieser Generation ist, dass eine Krise auf die andere folgt. Klimakrise, Corona, Krieg, Inflation und Teuerungen." Auch deshalb seien die jungen Menschen noch viel stärker als die vorherigen Generationen auf emotionale Unterstützung angewiesen. Unterstützung von Eltern, Schulen und auch von ihren Ausbildungsbetrieben.