„Wie tickt die Generation Z?“
Wie ist sie denn nun wirklich, die junge Generation? Interview mit Dr. Christoph Schleer über die Ergebnisse einer aktuellen Jugendstudie. Am Freitag, 24. Januar, spricht der Autor ab 15 Uhr im Kino Weinheim über die „GenZ“, der Eintritt ist frei.
Konflikte zwischen den Generationen, unterschiedliche Auffassungen über die Gestaltung des Lebens sind normal und gehören zur gesellschaftlichen Entwicklung. Aber warum scheint der Graben zwischen den „Boomern“ und der „Generation Z“ (geboren zwischen 1995 und 2010) so tief? Warum wird über die jungen Menschen so laut und teilweise polemisch diskutiert? Faul sei diese Generation, sie denke nur an ihre persönliche Work-Life-Balance und sei finanziell anspruchsvoll. Stimmt das?
Die qualitative Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche?“ des SINUS Instituts Heidelberg untersucht alle vier Jahre auf Basis von mehrstündigen Einzelexplorationen die Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen und berichtet über die aktuelle Verfassung der jungen Generation in den unterschiedlichen Lebenswelten. Wir haben darüber mit Christoph Schleer gesprochen.
Alle vier Jahre befragt das Sinus-Institut Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren nach ihren Einstellungen, Ansichten und Erfahrungen. Wie ist denn nun die aktuelle junge Generation? Welche Werte sind dieser Generation wichtig?
Den Jugendlichen sind vor allem soziale Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Treue und Gerechtigkeit wichtig. Darin kommt der wieder stärker gewordene Wunsch nach Sicherheit, Halt und Orientierung zum Ausdruck. Individualistische Bestrebungen wie die Verfolgung eigener Ziele und das Streben nach Selbstverwirklichung sind besonders ausgeprägt. Zu berücksichtigen ist aber, dass sich Jugendliche oft in unterschiedlichem Maße an denselben Werten orientieren. Beispielsweise ist es fast allen Jugendlichen wichtig, im Leben materiell abgesichert zu sein. Aber: Von einigen Jugendlichen wird dieser Wunsch besonders hervorgehoben, während andere ihn nicht in den Vordergrund rücken, weil es für sie außer Frage steht, in keine finanziellen Schwierigkeiten zu geraten.
Verunsicherung hat zugenommen
Stimmt der Eindruck, dass junge Menschen heute weniger politisch interessiert und stattdessen um ihre Zukunft besorgt sind?
In der Tat hat die Verunsicherung der jungen Generation zugenommen. Neben der Angst um den Krieg in Europa ist auch die Sorge um die wirtschaftliche Lage in Deutschland deutlich gestiegen. Das politische Interesse ist allerdings nicht weniger geworden. Im Gegenteil werden es immer mehr Jugendliche, die sich aktiv informieren und ihre Meinungen auf digitalen Plattformen teilen.
Die Stichworte Bildungsungerechtigkeit und Diskriminierung spielen eine große Rolle. Stimmt der Eindruck, dass diese Generation dafür sehr sensibilisiert ist?
Dieser Eindruck stimmt. Die Generation Z zeigt ein erhöhtes Bewusstsein für Themen wie Bildungsungerechtigkeit und Diskriminierung. Die Frage, ob alle Menschen in Deutschland mit gleichen Chancen ins Leben starten, wird von Jugendlichen in aller Regel verneint. Aus ihrer Sicht haben junge Menschen aus schwierigen familiären Verhältnissen, niedriger Bildung oder Migrationshintergrund deutlich weniger Möglichkeiten im Leben.
Leistung ist nach wie vor ein wichtiger Wert
Es wird viel über die „Anspruchshaltung“ der Generation Z gesprochen – Diese sei „verwöhnt“, setze den Schwerpunkt zu stark auf die eigene Work-Life-Balance und habe unrealistische finanzielle Erwartungen. Stimmt das mit ihren Ergebnissen überein?
Dieser Eindruck täuscht oder ist zumindest nur in Teilen richtig. Leistung ist ein Wert, den Jugendliche nach wie vor als wichtig erachten. Viele setzen aber andere Prioritäten als eine steile Karriere. Bei den meisten Jugendlichen dominiert der Wunsch, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Es geht ihnen weniger darum, um jeden Preis Karriere zu machen. Kriterien wie Sicherheit, Zeit für sich selbst und abwechslungsreiche Tätigkeiten, die Spaß machen, sind größtenteils wichtigere Faktoren als Status und Erfolg.
"Wie ticken Jugendliche? SINUS-Jugendstudie 2024Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland" wurde bei der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht.
Wie empfindet die Generation den Übergang ins Berufs- und Erwachsenenleben?
Der Übergang ins Berufsleben ist oft mit Unsicherheiten und Vorbehalten verbunden. Durch die Vielzahl an beruflichen Möglichkeiten fühlen sich viele Jugendliche überfordert. Man fragt sich, was man kann und will und welcher Beruf zu einem passt. Häufig taucht auch die Frage auf, ob der Beruf, für den man sich interessiert, auch noch Jahre später das Richtige sein wird. Darüber hinaus haben viele die Sorge, dass in der Arbeitswelt eine „Jeder-für-sich-Mentalität“ vorherrscht: Man hofft, mit Vorgesetzten und Kollegen klarzukommen und wünscht sich einen fairen und wertschätzenden Umgang miteinander.
Kommunikation auf Augenhöhe
Stimmt der Eindruck, dass die jungen Menschen einen großen Anspruch an die Kommunikation haben?
Die junge Generation legt großen Wert auf eine offene, ehrliche und dialogorientierte Kommunikation, die auf Augenhöhe geführt wird. So wird erwartet, dass Anweisungen nicht nur klar vermittelt, sondern auch in ihrem Sinn und Zweck verständlich gemacht werden. Anweisungen entgegenzunehmen, ohne den Zusammenhang oder Mehrwert zu erkennen, wird als unbefriedigend empfunden.
Im Wettbewerb um Nachwuchskräfte ist es heute deutlich schwieriger geworden, erfolgreich zu sein. Was können Unternehmen tun, um die „richtigen“ Bewerber zu finden?
Je schwieriger der Wettbewerb um Nachwuchskräfte wird, desto wichtiger wird ein zielgruppenorientiertes Vorgehen. Für ein erfolgreiches Recruiting ist es unerlässlich, genau zu analysieren, welche Bewerber zum Unternehmen und den vakanten Stellen passen. Sind es die besonders zuverlässigen, die ausgesprochen leistungsstarken oder die außergewöhnlich kreativen Talente, die man gewinnen und binden will? Hat ein Unternehmen seine Zielgruppen definiert, muss es sich überlegen, wie diese Zielgruppen erreicht werden können – über welche Touchpoints und Kommunikationskanäle, welche Inhalte und welche Vermittlungs- und Stilelemente. Dabei kann die Ansprache je nach Zielgruppe sehr verschieden sein.
„Wie tickt die Generation Z?“ Am Freitag, 24. Januar 2025, stellt Christoph Schleer die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie im Kino Weinheim, Hauptstr. 61 vor. Einlass ist 14.30 Uhr, der Vortrag beginnt um 15 Uhr. Die Veranstaltung wird organisiert und finanziert von der Weinheimer Bildungskette/Stadt Weinheim zusammen mit dem Weinheimer Bündnis Ausbildung e.V. Eine Anmeldung ist nicht nötig.