Weinheim

Der AK Asyl in Weinheim sucht noch Helfer

Jetzt, wo die Belegung der Anschlussunterbringung in den ehemaligen Schulen in Weinheim kurz bevorsteht, ist jede Hilfe gefragt. Der Arbeitskreis Asyl hofft auf Ehrenamtliche. Wie die Integration gelingen kann und was zu tun ist.

Die Betten stehen in der ehemaligen Johann-Sebastian-Bach-Schule in Weinheim schon bereit. Mit der Ankunft der Flüchtlinge wird im Mai gerechnet. Foto: Iris Kleefoot
Die Betten stehen in der ehemaligen Johann-Sebastian-Bach-Schule in Weinheim schon bereit. Mit der Ankunft der Flüchtlinge wird im Mai gerechnet.

Der Arbeitskreis Asyl sucht händeringend nach ehrenamtlichen Helfern. „Uns brennt die bevorstehende Ankunft der Menschen unter den Nägeln“, sagte Elfi Rentrop. Sie setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, dass geflüchtete Menschen in Weinheim nicht nur ein sicheres Dach über dem Kopf haben, sondern auch Hilfe bei der Integration bekommen. „Das ist eine Sache der Menschlichkeit“, weiß sie.

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Die Zeit drängt. In diesem Jahr sollen nach Zuweisungsquote des Rhein-Neckar-Kreises noch über 200 Menschen in Weinheim aufgenommen werden. Und die Stadt ist ohnehin schon im Hintertreffen. 131 Menschen, die laut der Quote unterzubringen sind, konnten 2023 gar nicht aufgenommen werden. Dass jetzt die beiden ehemaligen Schulen, Johann-Sebastian-Bach-Schule (45 Flüchtlinge) und Albert-Schweitzer-Schule (90 Flüchtlinge), zu Anschlussunterbringungen umgebaut werden, ist für den AK Asyl ein notwendiges Übel.

Besondere Herausforderung

Die Ehrenamtlichen schauen mit Bauchschmerzen auf die anstehende Belegung. Von einer unglücklichen Notlösung spricht Dr. Torsten Fetzner und runzelt beim Pressegespräch die Stirn. Die Unterbringung von Flüchtlingen war früher im Dezernat des ehemaligen Weinheimer Bürgermeisters angesiedelt. Mit seinen Einblicken in die Abläufe ist er eine wertvolle Kraft im Arbeitskreis. Und wie seine Mitstreiter hofft er auf eine menschenwürdige Unterbringung – trotz schlechter Voraussetzungen. „Es wird schwierig, die Privatsphäre zu wahren“, glaubt Gert Kautt. Klassenzimmer seien eben keine Wohnungen. Und wenn Menschen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, nur durch einen dünnen Sichtschutz getrennt sind, birgt das Konfliktpotenzial. Rentrop: „Der eine arbeitet Schicht und will tagsüber schlafen, der andere muss für die Deutschprüfung lernen – das ist auf engstem Raum schwer unter einen Hut zu bekommen.“

Bauchschmerzen bei den beiden ehemaligen Schulen: Gert Kautt, Elfi Rentrop und Dr. Torsten Fetzner (von links). Foto: Iris Kleefoot
Bauchschmerzen bei den beiden ehemaligen Schulen: Gert Kautt, Elfi Rentrop und Dr. Torsten Fetzner (von links).

Die gemischte Belegung mit verschiedenen Nationalitäten und unterschiedlichen Familienzusammensetzungen sei eine weitere Herausforderung. „Das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Elfi Rentrop. Mit „allen“ sind neben den Mitarbeitern von Kreis und Stadt auch die Ehrenamtlichen gemeint. „Und diese Aufgabe ist anspruchsvoll“, macht sie keinen Hehl daraus, dass die Hilfe zur Selbsthilfe kein Zuckerschlecken wird. Dennoch will der AK Asyl keinesfalls jemanden abschrecken, der sich engagieren will.

Stundenweise Hilfestellung

Es geht nicht um eine 24-Stunden-Betreuung, sondern um stundenweise Hilfestellung. Gebraucht werden Menschen , die ihre feste Bezugsperson ganz unterschiedlich unterstützen. Das kann mal die Begleitung zum Arzt sein, die Betreuung von Kindern, die Hilfe bei Hausaufgaben oder der Gang zu Ämtern. „Wir suchen Menschen, die mit den Geflüchteten ein Stück gemeinsamen Weges gehen“, erklärt Elfi Rentrop. „Menschen, die offen sind für andere Lebensentwürfe.“ Ihr ist wichtig zu betonen, dass es sich um eine Partnerschaft auf Augenhöhe handeln soll und nicht um eine Beziehung, die auf Abhängigkeit basiert. Rentrop: „Denn wir lernen voneinander, wie unterschiedlich Leben sein kann.“

Ziel sei zwar Integration in der hiesigen Gesellschaft, das heiße aber nicht, dass die geflüchteten Menschen „deutsch funktionieren“ müssen. Umgekehrt sei es auch durchaus geraten, als Ehrenamtlicher Grenzen zu setzen und genau zu definieren, wie, wann und wo Hilfe geleistet werden kann.

Für Dr. Friedrich-Karl Schmidt muss es gar im gesellschaftlichen Interesse liegen, den Menschen auf die Füße zu helfen. Als Arzt weiß er um die psychischen und physischen Krankheiten der Flüchtlinge und um die Engpässe in den Praxen. Er hat eine Liste mit Ärzten zusammengestellt, die einer „Willkommentasche“ des Arbeitskreises Asyl beiliegt. Zusammen mit Keksen und Tee gibt es darin auch einen Stadtplan und Flyer von Hilfsangeboten.

Stadtführungen zur Orientierung werden ebenfalls angeboten. Dabei geht es nicht um die Historie und Sehenswürdigkeiten, sondern um ganz praktische Dinge. Wo ist die nächste Kleiderstube? Wie funktioniert ein Fahrkartenautomat? Wo finde ich einen Supermarkt? Solche Fragen werden bei den Rundgängen beantwortet.

„Niemand wird alleingelassen“

Wer sich engagieren will, wird dabei nicht allein gelassen. Die Mitglieder des Arbeitskreises bieten vorbereitende Gespräche an, und es gibt Termine zum gemeinsamen Austausch mit anderen Ehrenamtlichen. Rentrop: „Es wird niemand alleingelassen.“