Hemsbach

Glasfaser kommt jetzt doch für die ganze Stadt

Bislang gab es in Hemsbach zu wenige Vorverträge. Trotzdem wird die GigaNetz jetzt flächendeckend Glasfaser verlegen. Woher die Kehrtwende kommt.

Arbeiten sich nach und nach durch die ganze Stadt: Das bauausführende Unternehmen CME verlegt aktuell in der Gartenstraße Glasfaser. Foto: Fritz Kopetzky
Arbeiten sich nach und nach durch die ganze Stadt: Das bauausführende Unternehmen CME verlegt aktuell in der Gartenstraße Glasfaser.

Die eigentliche Mitteilung kommt fast ein bisschen versteckt: Die Deutsche GigaNetz wird Hemsbach flächendeckend mit einem Glasfasernetz versorgen. Der entscheidende Satz fällt fast beiläufig bei Martin Herkommer, bei dem Unternehmen Leiter der strategischen Geschäftsentwicklung und für den Netzausbau im Süden verantwortlich. Und er setzt gleich hintendrein, dass die GigaNetz ja nie etwas anderes geplant habe. „Das ist immer unser Ziel gewesen“, sagt er gestern Morgen bei einem Pressegespräch im Hemsbacher Rathaus.

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Das Ziel will niemand in Abrede stellen, bislang lag die Vorvermarktungsquote jedoch deutlich unter der Zielmarke von 35 Prozent der Haushalte. Die GigaNetz wollte sich beim Netzausbau aus diesem Grund erst einmal auf die Stadtbereiche konzentrieren, in denen die Vermarktung gut gelaufen ist, von 60 Prozent der Haushalte war da die Rede.

Auch Bürgermeister Jürgen Kirchner hält kurz die Luft an: Die Aussage, dass die GigaNetz Hemsbach zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgen wird, sei bislang so deutlich nie formuliert gewesen, sagt er. Und das sei eine wichtige Botschaft – auch für jene Haushalte, die sich Glasfaser wünschten, aber bislang nicht in den Ausbauplänen des Unternehmens Berücksichtigung gefunden hätten.

Wie viele Verträge die GigaNetz aktuell abgeschlossen hat, möchte das Unternehmen auf Nachfrage nicht mehr kommunizieren. Herkommer geht ohnehin davon aus, dass die Quote langfristig 100 Prozent sein wird. Wichtig ist Herkommer die Botschaft, dass parallel zum straßenweisen Ausbau des Netzes weiter vermarktet werde. Seine Kernbotschaft: „Solange der Bagger noch nicht am Haus vorbei ist, können noch Verträge abgeschlossen werden.“ Dann entfällt die Anschlussgebühr in Höhe von fast 2000 Euro. Später wird es teuer, und kostet es auch Zeit. Denn wer erst einen Vertrag abschließt, wenn das Glasfaser schon in der Straße liegt, müsse warten, bis wieder ein Bautrupp frei sei, um den Hausanschluss zu legen, sagt Herkommer.

Jede Woche 50 neue Kunden

Die Vermarktung während der laufenden Arbeiten scheint sich zu bewähren. Youssef Saadaoui, der in Vertretung des verhinderten Projektleiters am Pressegespräch teilnimmt, spricht von 50 neuen Verträgen, die aktuell wöchentlich hinzukommen. „Wir sind aktiv dabei“, bekräftigt er, dass die Vermarktung auch künftig fortgesetzt wird. Wer sich eingehender informieren möchte, kann dies auch während der Sprechstunde jeden Donnerstag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr im Besprechungszimmer des Rathauses machen.

Glasfaser wird seit Anfang Juni in Hemsbach verlegt, zuerst im Nordosten der Stadt, aktuell sind die Gruppen der bauausführenden Firma CME in der Mitte des Ortskerns angekommen – und würden wohl auch in der Schloßgasse arbeiten, wenn dort nicht jetzt erst einmal die Kerwe anstünde. Zehn Prozent der Trasse sei gebaut, sagt Herkommer, in Summe etwa 5600 Meter.

Das meiste stehe aber noch aus, denn Glasfaser muss in Hemsbach auf einer Strecke von 51 Kilometern gelegt werden. Die Firma CME, die die „Wanderbaustelle“ aktuell mit drei Bautrupps und einer Asphaltiereinheit bedient, versuche dabei, morgens den Gehweg zu öffnen und abends wieder zu schließen, um den Anwohnern möglichst wenig Unannehmlichkeiten zu bereiten. Bürgermeister Kirchner kann bestätigen, dass dies oftmals auch klappt – zumindest überall dort, wo die Gehwege gepflastert sind. Falls asphaltiert werden muss, kann es dagegen auch einmal einen Tag länger dauern.

Auch die beiden POPs genannten Netzverteiler sind seit Anfang Juli bereits errichtet. Über sie wird das Hemsbacher Glasfasernetz an das Fernverkehrsnetz angeschlossen. Diese sind aber noch nicht in Betrieb, schränkt Herkommer ein. Er nährt aber die Erwartung, dass auf die ersten Hausanschlüsse bereits während oder nach der Sommerpause „Licht“ gegeben werden könne, wie die Fachleute die Aktivierung des Glasfaserkabels nennen.

Abschluss Mitte 2025

Damit das Signal in den Haushalten ankommt, müssen die Hausanschlüsse fertiggestellt werden. Parallel zum Trassenbau finden daher aktuell auch Hausbegehungen statt, um die Lage vor Ort aufzunehmen, sagt Herkommer. In einem Jahr, so hofft er, soll das Projekt in Hemsbach komplett abgeschlossen sein. Im Herbst soll es auf Wunsch der Stadt Hemsbach eine weitere Bauinformationsveranstaltung geben.