Weinheim

Gold für Weinheims Erfolgstrainer

Hans Peter Kempe ist als Coach der deutschen Feldhockey-Mannschaft beseelt vom Sieg bei den Special Olympics und von einem Fest der Harmonie.

Der Jubel war groß nach dem Sieg über die Niederlande. Damit war den deutschen Hockey-Nationalspielern die Goldmedaille bei den Special Olympics in Berlin sicher. Trainer Hans Peter Kempe (links) ist begeistert vom Teamgeist. Foto: Privat
Der Jubel war groß nach dem Sieg über die Niederlande. Damit war den deutschen Hockey-Nationalspielern die Goldmedaille bei den Special Olympics in Berlin sicher. Trainer Hans Peter Kempe (links) ist begeistert vom Teamgeist.

Gold für Deutschland! Hans Peter Kempe, Trainer der deutschen Feldhockey-Mannschaft, kann es selbst eine Woche nach dem spektakulären Sieg bei den Special Olympics kaum fassen. „Die Mannschaft hat gespielt wie im Rausch“, berichtet er nach seiner Rückkehr aus Berlin – völlig beseelt nicht nur von dem sportlichen Erfolg, sondern auch von der Harmonie und dem respektvollen Miteinander, das die Olympischen Spiele prägte.

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„Eine Überraschung“

Am vorletzten Tag der Olympiade für geistig behinderte Menschen gewann die deutsche Mannschaft durch einen klaren 7:1-Finalsieg gegen die Niederlande die Goldmedaille. „Eine Überraschung“, wie Kempe erklärt. Schließlich waren die Holländer als Favoriten auf den Rasen des Berliner Hockeystadions gegangen. „Besonders in der zweiten Halbzeit ist uns alles gelungen“, freut sich der 59-Jährige. Die zweite Hockey-Mannschaft, mit der die Deutschen antreten durften, landete auf dem vierten Platz und verfehlte das Treppchen nur knapp.

Basketballspieler Dirk Nowitzki mischte sich zur Eröffnung der Olympiade unter das Team Germany. Foto: Hans Peter Kempe
Basketballspieler Dirk Nowitzki mischte sich zur Eröffnung der Olympiade unter das Team Germany.

Kempe trainiert beim AC Weinheim zusammen mit seiner Tochter Paula die männliche U12-Mannschaft und eine Mannschaft für geistig Behinderte. Deren Mitglieder stammen vorwiegend aus der Jugend- und Behindertenhilfe des Pilgerhauses. Zu seiner Funktion als Trainer der deutschen Nationalmannschaft kam Kempe durch ein Seminar des Deutschen Hockey-Bundes vor vier Jahren, bei dem Special-Hockey vorgestellt wurde. Die Berufung zum Nationaltrainer erfolgte aufgrund der damals geknüpften Kontakte und seines Engagements in Weinheim. Zwar waren jetzt in Berlin keine Spieler aus Weinheim mit am Start – die Mannschaft ist noch zu unerfahren –, aber die Motivation ist auch vor Ort groß.

Hallo von Scholz und Nowitzki

Kempe schwärmt von dem Erlebnis in Berlin. „Allein der Einlauf bei der Eröffnungszeremonie ins Olympiastadion war atemberaubend“, verrät er. Die Deutschen marschierten als Gastgeber als letzte der rund 7000 Athleten ein – unter dem Jubel von 50 000 Zuschauern. Die zweistündige Wartezeit wurde versüßt von hochkarätigem Besuch: Basketballspieler Dunking-Dirk Nowitzki schaute vorbei, ebenso Bundeskanzler Olaf Scholz. Wer erlebt das schon?!

Dass die Mannschaft nach zehn Spielen tatsächlich auf dem obersten Treppchen stehen würde, ahnten die Hockeyspieler da noch nicht. Zwar hatte Kempe bereits im Vorfeld der Spiele im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, man rechne sich durchaus Medaillenchancen aus, als der Traum jedoch wahr wurde, kullerten dennoch die Freudentränen. Gold-glänzende Medaillen gab’s nur für die Spieler. „Ich habe keine“, schmunzelt Kempe ohne Neid. Sein Lohn sind die tollen Momente, die er bei diesem Fest der Nationen erleben durfte. „Die Freundschaften, die geknüpft wurden, das sportliche und faire Miteinander, die Freude, die man geteilt hat, und natürlich auch der Trost, der gespendet wurde, wenn es mal nicht so gut geklappt hat“, erzählt der in Ludwigshafen niedergelassene Arzt für Innere Medizin.

Auch abseits des Hockeyfeldes war die Harmonie zu spüren, die den Olympischen Spielen für geistig behinderte Menschen innewohnt. Kempe erinnert sich an den Gänsehautmoment, als die Hockeyspieler am Abend des Finales mit Goldmedaillen um den Hals in einen Berliner Biergarten kamen. Kempe: „Alle Gäste sind aufgestanden, haben gejubelt und uns abgeklatscht. Das war der Wahnsinn.“ Da brannte das olympische Feuer nicht nur im Stadion, sondern auch in den Herzen der Menschen – egal ob mit oder ohne Behinderung.