Weinheimer mit olympischem Feuer
Dr. Hans-Peter Kempe freut sich als Trainer der Hockey-Nationalmannschaft auf „Gänsehautmomente“ bei den Special Olympics in Berlin.
Special Olympics
Die Special Olympics World Games sind die weltweit größte inklusive Sportveranstaltung.
Die Special Olympics starten am Samstag, 17. Juni, in Berlin und damit erstmals in Deutschland.
Unter dem Motto „#ZusammenUnschlagbar“ gehen rund 7000 Athleten aus 190 Ländern mit geistiger und mehrfacher Behinderung in 26 Sportarten an den Start.
Neun Tage voller Sport und Emotionen stehen auf dem Programm.
Die Sportart Hockey ist zum ersten Mal bei den Special Olympics vertreten.
130 Hockeyspieler treten in Berlin an. Deutschland ist mit zwei Teams von je zehn Spielern dabei.
Gespielt wird 6 gegen 6 auf einem Kleinfeld.
„Die Ziele und Ideale von Special Olympics, eine Gesellschaft geeint in Vielfalt voranzutreiben sowie allen Menschen ein selbstbestimmtes und freies Leben zu ermöglichen, decken sich mit denen unserer Stadt“, so Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin von 2014 bis 2021.
Das olympische Feuer brennt ab Samstag als „Flame of Hope“ im Berliner Olympiastadion. Und es brennt in Dr. Hans-Peter Kempe als Flamme der Leidenschaft für eine Sportart, die in diesem Jahr zum ersten Mal bei den Special Olympics World Games vertreten ist: Feldhockey. Der Weinheimer hat sich für unseren Fototermin bereits das rote Trikot übergestreift. Auf dem Ärmel prangt der deutsche Adler. Kempe tritt die Reise nach Berlin am Mittwoch an, als Trainer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft – bestehend aus Sportlern mit geistiger und mehrfacher Behinderung.
Kempe wird am 17. Juni zusammen mit drei weiteren Betreuern und 20 Spielern in den Farben Schwarz, Rot und Gold ins Olympiastadion einlaufen. Als Gastgeberland darf Deutschland zwei Hockey-Teams ins Rennen schicken. „Das wird bestimmt ein Gänsehautmoment“, ist sich der 59-Jährige sicher. In den Tagen darauf starten dann die Probespiele zur Gruppenbildung. Bei den Special Olympics sind die Modalitäten anders als bei den Olympischen Spielen mit Athleten ohne Behinderung und auch anders als bei den Paralympics für Sportler mit körperlicher Behinderung. Um Frustration zu vermeiden, wird zunächst die Spielstärke ermittelt. Nach der Qualifikation treten in der Hauptrunde die Spielstärkeren gegeneinander an und die Schwächeren in einer eigenen Gruppe.
Das Beste geben
„Wir rechnen uns in beiden Gruppen Medaillenchancen aus“, sagt Kempe. Auch wenn bei den Special Olympics weit mehr als bei anderen Weltspielen der olympische Gedanke zählt: dabei sein und sein Bestes geben. „Es geht um die Freude an der Bewegung und um die soziale Komponente“, erklärt Kempe, „denn das Zusammenspiel im Sport tut jedem gut.“
Seit seiner Jugend ist er begeisterter Hockeyspieler, heute trainiert er die männliche U12-Mannschaft beim AC Weinheim und zusammen mit seiner Tochter Paula (20 Jahre) eine Mannschaft für geistig Behinderte, deren Mitglieder vorwiegend aus der Jugend- und Behindertenhilfe des Pilgerhauses stammen. „Aber wir sind auch offen für weitere Sportler“, sagt der Arzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt für Diabetologie und Sportmedizin. Die Brücke zwischen seinen Fachbereichen Diabetes und Sport schlägt Kempe in Berlin bei einem Fachvortrag in englischer Sprache.
Ziel: eine inklusive Mannschaft
Sein langfristiges Ziel ist eine inklusive Mannschaft aus behinderten und nicht behinderten Menschen. Kempe: „Wir möchten Integration fördern.“ Wie wichtig die ist, weiß er aus der Erfahrung mit seinem behinderten Bruder. „Das hat mich maßgeblich geprägt“, erklärt er. Deshalb engagiert sich Kempe nicht nur als Zweiter Vorsitzender der Hockey-Abteilung, sondern auch im Vorstand der Weinheimer Lebenshilfe, die bereits seit 1963 Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützt.
Aus der Weinheimer AC-Mannschaft wird allerdings kein Sportler in Berlin dabei sein. Das Special-Hockey-Team besteht erst seit rund zweieinhalb Jahren. Die Idee war zwar schon früher geboren worden, wurde aber durch Corona ausgebremst. „Die Sportler aus Weinheim sind noch nicht so weit“, weiß der Trainer. Anders die Spieler aus den Hockey-Hochburgen Mönchengladbach und Duisburg oder aus Berlin und München, aus denen sich die beiden Nationalmannschaften rekrutieren.
Zu seiner Funktion als Trainer kam Kempe durch ein Seminar des Deutschen Hockey-Bundes vor vier Jahren, bei dem Special-Hockey vorgestellt wurde. Die Berufung zum Nationaltrainer erfolgte aufgrund der damals geknüpften Kontakte und seines Engagements in Weinheim. Eine Überraschung? „Ja, aber man hat wohl gemerkt, dass ich gerne mit Behinderten arbeite“, schmunzelt Kempe.
„Die Motivation ist riesig“
Seit einem Dreivierteljahr bringt der Arzt mit Praxis in Ludwigshafen zusammen mit weiteren Betreuern die besten Hockey-Spieler mit geistiger Behinderung aus ganz Deutschland in monatlichen Trainingslagern in Köln in Form. „Die Motivation ist riesig“, freut sich Kempe. Wenn das nicht die besten Voraussetzungen für das Siegertreppchen sind.