Große Hitze beim Klimastadtfest in Hemsbach
An mehr als einem Dutzend Ständen auf dem Alla-hopp-Gelände wird für mehr Nachhaltigkeit geworben. Doch die Stadt hätte sich besser einen anderen Tag ausgewählt für das Klimastadtfest. Wegen der sengenden Hitze kommen nur wenige Bürger vorbei.
Wenn es eines Beweises für die Notwendigkeit von Klimaschutz bedurft hätte, dann kam der gestern vom Himmel: Schon mehr als 33 Grad Celsius zeigte das Thermometer an, als Bürgermeister Jürgen Kirchner gegen 12 Uhr auf der Bühne des Alla-hopp-Geländes zum Auftakt des Klimastadtfestes die erfolgreichen Hemsbacher Teilnehmer des Stadtradelns ehrte – zusammen mit Franziska Brantner, Grünen-Bundestagsabgeordnete im hiesigen Wahlkreis und Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Hitzetage wie gestern zeigen, dass der Klimawandel längst da ist und Maßnahmen zum Gegensteuern immer wichtiger werden. Das gute Dutzend an Ausstellern sollte dazu Anreize geben.
Die Teilnehmer beim Stadtradeln haben dazu ganz praktisch beigetragen: Immerhin zwei Tonnen CO2 seien durch den Beitrag der Hemsbacher Teilnehmer beim Stadtradeln eingespart worden, rechnete Kirchner vor. Zwischen 7. und 27. Mai radelten sie knapp 11 700 Kilometer mit dem Rad. Für Franziska Brantner zeigt die Aktion, „was wir alles mit dem Rad erreichen können“. Sie setzt darauf, dass sich künftig immer mehr Menschen in einem klimafreundlichen Mobilitätsmix aus Bus, Bahn, E-Auto und Fahrrad fortbewegen.
Klimaschutzgutachten
Der Verkehr spielt auch im Klimaschutzgutachten von Felicitas Hasper eine Rolle, das nach der Sommerpause vom Gemeinderat verabschiedet werden soll. Darin sollen sich 20 Maßnahmen wiederfinden, die die städtische Klimaschutzmanagerin zusammen mit Alexander Fucker von der MVV Regioplan auf großformatige Tafeln gepinnt hat: vom Radverkehr und Carsharing über Grünkonzept, Solarstrategie und Waldkonzept bis hin zu Vermeidung von Versiegelung, Starkregen-, Hitze- und Dürreschutz. Alle Maßnahmen wurden dahingehend bewertet, was sie bringen und was sie kosten. Nebendran ist viel Platz für Kommentare von Besuchern, die aufgrund der Hitze aber nur vereinzelt vorbeischauen. Kirchner wüsste etwas, was viel bringt und wenig kostet: wenn das Landratsamt endlich über den im November eingereichten Antrag der Stadt entscheiden würde, auf der innerstädtischen L 3110 und Teilen der Landstraße Tempo 30 auszuweisen.
Einen Stand weiter wirbt Jürgen Jordan von der KliBA für den Besuch der Energieberatung, die er alle 14 Tage im Rathaus abhält. In der Phase, als das Heizungsgesetz heiß diskutiert wurde, war die Sprechstunde voll. Jetzt ist die Verabschiedung auf den September vertagt, das Interesse an der Sprechstunde abrupt abgebrochen. „Das ist schade“, sagt Jordan und nutzt Brantners Anwesenheit, um Sorgen weiterzugeben. Gerade Ältere wüssten nicht, wie sie die geplanten Vorgaben stemmen sollten. Die Staatssekretärin im Habeck-Ministerium kontert: Es winkten bis zu 70 Prozent Zuschüsse und Kredite für diese Altersgruppe, die ansonsten oftmals keine Darlehen mehr erhalte.
Beim Stand von Installateur Luigi LaForesta muss sie sich dann anhören, dass zu wenige Produktionskapazitäten für Wärmepumpen bestünden. Aufträge habe er genug, allein ihm fehle das Material, sagt der Handwerker. Brantner räumt ein, „dass wir das nicht in einem Jahr hinkriegen“, und fügt selbstkritisch hinzu: „Wir hätten früher damit anfangen müssen.“
700 Bäume in 70 Sorten
Entspannung pur dann beim Besuch des Quittenprojekts Bergstraße, wo sich die Grünen-Mandatsträgerin, die mittlerweile mit Landtagsabgeordneter Fadime Tuncer unterwegs ist, dann erst einmal ein erfrischendes „Quittenschörlsche“ gönnt. Die seit 2009 bestehende Initiative will die Sortenvielfalt der Quitte erhalten und hat mittlerweile 700 Quittenbäume in 70 Sorten gepflanzt, wie Rainer Stadler sagt. Um die schwer zu bearbeitende Frucht wieder in mehr Haushalte zu bringen, verkauft das Quittenprojekt alljährlich Saft, aus dem dann vergleichsweise leicht Gelee hergestellt werden kann.
Mit dabei beim Klimastadtfest sind unter anderem auch die Bürger-Drehscheibe, die Hemsbacher Grünen und das Umwelt-Zertifizierungsmodell „Grüne Gockel“, nach dem das Bonhoeffer-Gemeindezentrum zertifiziert ist. Beim BUND stellt sich die neue Waldgruppe vor. Auch sammelt die Gruppe Unterschriften für einen landesweiten Volksantrag, um das Land zu zwingen, gesetzlich verbindliche Obergrenzen für den Flächenverbrauch festzulegen – mit dem Ziel, bis 2035 die Netto-Null zu erreichen. Aktuell gehen täglich sechs Hektar Natur für Siedlungs- und Verkehrsfläche im grün-regierten Ländle verloren. Von den 39 000 Unterschriften, die die Initiative braucht, ist etwa die Hälfte zusammen, sagt BUND-Co-Vorsitzender Gerhard Röhner, der sein Anliegen auch gegenüber der Grünen-Prominenz vertritt. Mitvorsitzender Felix Kokocinski zeigt derweil mit einem schlichten Thermometer, was eine Bepflanzung gegenüber Schotterflächen fürs Mikroklima bringt: Der mit Steinen gefüllte Blumenkasten erreicht Werte von 56 Grad Celsius, der mit Sukkulenten bepflanzte Kasten bleibt bei 41/42 Grad (in der Sonne).
Heiße Rhythmen erst am Abend
Auch in der Luft hat das Thermometer gegen 14 Uhr die 35-Grad-Grenze geknackt. Glücklicherweise gibt es Stände mit Getränkeausschank, glücklichweise helfen Standbetreiber auch mal mit einem kühlen Getränk aus, wenn ein offensichtlich „überhitzter“ Besucher vorbeikommt. Und glücklicherweise sind die heißen Rhythmen erst am frühen Abend zu hören. Zum Abschluss des Klimastadtfestes legt die T-Band aus Schriesheim nämlich einen dreistündigen Auftritt auf dem Alla-hopp-Gelände hin.