Hirschberg

Großsachsener Bauern wehren sich gegen die Umgehung

Am 8. Oktober fällt die Entscheidung zur Ortsrandentlastungsstraße für den Hirschberger Ortsteil Großsachsen. Die Landwirte wollen die Straße nicht.

Die Großsachsener Bauern sind entsetzt über die Pläne zum Bau der Ortsrandentlastungsstraße. Dies würde ihre Existenz gefährden und den Ort zerschneiden. Von links: Karl-Jürgen Bitzel, stellvertretender Bauernverbandsvorsitzender Sven Stein, Isabell Bachhuber sowie Bauernverbandsvorsitzender Hans Mayer. Foto: Fritz Kopetzky
Die Großsachsener Bauern sind entsetzt über die Pläne zum Bau der Ortsrandentlastungsstraße. Dies würde ihre Existenz gefährden und den Ort zerschneiden. Von links: Karl-Jürgen Bitzel, stellvertretender Bauernverbandsvorsitzender Sven Stein, Isabell Bachhuber sowie Bauernverbandsvorsitzender Hans Mayer.

Bei vielen offiziellen Anlässen wird auf die Landwirtschaft und deren Bedeutung für Hirschberg hingewiesen. Bauern prägen mit ihrem Anbau und ihren Produkten seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft, heißt es da. Hirschberg ist folglich sehr stolz auf seine Landwirte.

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Ausgerechnet zu einem Großprojekt, welches in dem Bürgerentscheid vom 8. Oktober endlich geklärt werden soll, wurden sie bislang nicht gehört und auch nicht direkt angesprochen. „Jeder redet über die Straße, ohne mit uns zu reden. Für uns geht es bei der Ortsrandentlastungsstraße nicht nur um den Verkehr, sondern um die Existenz“, bringt es der Großsachsener Bauernverbandsvorsitzende Hans Mayer auf den Punkt.

Angespannte Stimmung

Die Stimmung im Reiterstübchen auf dem Maybachhof ist sichtlich angespannt. Sein Stellvertreter Sven Stein, seine Tochter, die neue Betriebsleiterin Isabell Bachhuber, sowie Karl-Jürgen Bitzel wirken ziemlich geladen. „Wir werden durch dieses Wahnsinns-Straßenbauprojekt vom Ort abgeschnitten. Unser Naherholungsgebiet wird davon voll getroffen“, wettern sie.

Obstbauer Bitzel ist extrem enttäuscht und deutet auf die Broschüre. Bei den Befürwortern der neuen Straße, dazu zählen CDU und SPD, liest er, dass entlang der Entlastungsstraße Blühstreifen die Diversität verbessern und bisherige Monokulturen ersetzen könnten. „Gerade von der CDU, die der Landwirtschaft eher nahesteht, hätte ich das nicht erwartet“, schimpft er. Auch die anderen Bauern wehren sich gegen das Wort „Monokultur“. Dies sei eine Frechheit: „Die Landwirtschaft ist im Wandel. Wir haben verschiedene Anbauflächen für Obst, Getreide oder Wein, betreiben Reiterhof und Cafés. Wir brauchen unsere Flächen für den Anbau. Mit der neuen Straße würden weitere Flächen für immer verschwinden“, warnt Verbandsvorsitzender Mayer.

Seine Tochter Isabell unterstellt so manchem Ahnungslosigkeit. „Einfach mal vorbeischauen und sich ein Bild von unserer Landwirtschaft verschaffen, dann würde dieses Urteil anders ausfallen.“ Bitzel stellt klar, dass die Bauern nicht grundsätzlich gegen den Straßenbau sind: „Die Ortsdurchfahrt braucht eine Entlastung. Mit dieser Straße wird dies nicht gelingen. Die Erschließung ist doch wahnsinnig“, betont er und nennt nur das Brückenbauprojekt über den Apfelbach.

„Der Plan mit den vier Anbindungen ist doch schon 20 Jahre alt. Schon damals hat man sich gefragt, wie dies gehen soll“, wundert er sich, dass dieser Straßenbau abermals aus dem Hut gezaubert werde. Die Straße ist für die Bauern einfach nur Irrsinn. Sie trennt die Bauern vom Ortskern, vernichtet landwirtschaftliche Fläche und stört das Kleinklima mit der Freiluftschneise erheblich. Zudem rechnen die Bauern mit mehr Lärm.

Entsprechende Lärmschutzwände sind laut Stein notwendig, was die Planung nicht besser mache. „Ich verstehe nicht, warum der Autobahnanschluss Weinheim-Süd nicht weiterverfolgt wird. Ja, dies ist ein dickes Brett“, meint Bitzel. Bauernverbandsvorsitzender Mayer nickt und nennt die Stellen, die sich hier an den Tisch setzen müssten: Weinheim, Hirschberg, Pflege Schönau, Heddesheim sowie das Verkehrsministerium. Beim Bundesverkehrsministerium heißt es immer, sie würden ablehnen. Die Bauern geben sich damit nicht zufrieden.

Die Kostenfrage

Für Isabell Bachhuber löst die neue Straße das Problem des Verkehrs in Großsachsen ohnehin nicht. Auf der B 3 sind rund 17 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs, aus dem Odenwald kommen etwa 8000 Autos. „Der Verkehr auf der Breitgasse bleibt also“, betont Bachhuber. Unklar sind für sie auch die Kosten. Im Gespräch waren einmal neun Millionen Euro, bis das Ganze realisiert wird, würden sich die Ausgaben bestimmt verdoppeln. „Für Kanal, Hallensanierung oder Bürgerhaus wird dann kein Geld mehr da sein“, ergänzt Mayer. Zugleich warnt er nochmals eindringlich vor dem weiteren Flächenverbrauch durch die neue Straße: „Es heißt doch immer so vollmundig, dass Hirschberg hinter der Landwirtschaft steht. Und jetzt das. Der Boden ist unsere Lebensgrundlage.“

Bauern rücken keinen Boden raus

Eine Umfrage der Verwaltung bei den betreffenden Grundstückseigentümern hat vor Jahren das Ergebnis gebracht, dass die große Mehrheit nichts hergeben will. Bauernverbandsvorsitzender Mayer wird deutlicher. Er wie alle anderen am Tisch haben in der Planungsfläche Grundstücke. „Freiwillig rücken wir nix raus“, betont Mayer. Es läuft auf eine mögliche Enteignung hinaus und die zieht sich bestimmt über Jahre hin.

Die Großsachsener Bauern sind übrigens in ihrer ablehnenden Haltung zu dieser Straßenplanung nicht alleine.

Auch die Leutershausener mit ihrem Vorsitzenden Werner Fath sowie FW-Gemeinderat und Obstbauer Werner Volk sitzen mit ihnen in einem Boot. Die Straße dürfe nicht gebaut werden. „Straßenbau muss sinnvoll und umweltverträglich sein. Und dies gilt für die Ortsrandentlastungsstraße nicht“, sind sich alle einig.