Hemsbach: Maria Salinger über ihren preisgekrönten Erstlingsfilm „Bubbles“
Die junge Filmemacherin führt nicht nur Regie, sondern spielt auch die Hauptrolle in dem Film, der die Liebesgeschichte ihrer Eltern erzählt.
Hemsbach. Maria Salinger hatte von Kindesbeinen an einen Traum. Und den verlor sie so schnell nicht aus den Augen. Schon im Kindergartenalter, so erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung, habe sie sich gewundert, dass Figuren in Filmen nie dazulernen. Als ihr Vater ihr dann erklärte, dass das Schauspieler sind, die die Handlung nur spielen, stand für sie fest: Das will ich auch einmal machen. Nach dem Schulabschluss jettete sie erst einmal als Flugbegleiterin durch die ganze Welt, absolvierte zwei Schauspielkurse in Los Angeles und in Berlin. Dort und bei ersten Set-Erfahrungen entstand der Wunsch, hinter der Kamera zu stehen. Aus dem Traum wurde Realität. 2023 schloss Salinger ihr Filmproduktionsstudium am Los Angeles City Collage (LACC) in Hollywood erfolgreich ab. Keine schlechte Adresse. Hier starteten unter anderem die Karriere von Clint Eastwood und Morgan Freeman. Am Mittwochabend präsentierte sie im Hemsbacher Brennessel-Kino ihr Erstlingswerk „Bubbles“, den 2024 entstandenen „No Budget“-Spielfilm, der zahlreiche Preise bei Filmfestivals gewann.
Mit dem ganzen Herzen dabei
Die 26-jährige Ladenburgerin strahlt den ganzen Abend über, sprudelt über vor Mitteilungsfreude, ist mit dem ganzen Herzen dabei und freut sich über jede Kritik. Salinger führt in „Bubbles“ nicht nur Regie, sondern sie spielt auch die Hauptrolle, beziehungsweise gleich zwei Hauptrollen, denn sie spielt Zwillinge. Der Film erzählt die Liebesgeschichte ihrer Eltern. „Ein eineiiger Zwilling zu sein, ist wie Teil eines Puzzles zu sein: Ohne den anderen fühlt man sich irgendwie unvollständig“ – mit diesen Worten beginnt der Streifen mit einem Schwenk über das nächtliche Heidelberg, der Hoffnung macht darauf, dass bald ein großer neuer Stern am deutschen Regie-Himmel aufgehen wird.
Gedreht wurde in Ladenburg
Der Film erzählt die Geschichte einer Selbstfindung, einer magischen Verbundenheit von Zwillingen und einer ganz großen Liebe. Leicht und amüsant, aber zu keiner Zeit platt oder seicht. Gedreht wurde das 42-minütige Debüt der Regisseurin in der Region, in der sie aufgewachsen ist. In Ladenburg, im Mannheimer Elternhaus ihrer Mutter, im Odenwald auf der Ursenbacher Höhe und in Heidelberg. „Manchmal habe ich die Ladenburger Altstadt auch als Heidelberg verkauft – da war es einfacher mit der Drehgenehmigung“, verrät sie augenzwinkernd.
Vor allem in ihrer Heimatstadt Ladenburg sei sie großartig unterstützt worden. Die Lokale, in denen sie zu Schulzeiten gekellnert habe, hätten sie ebenso mit offenen Armen empfangen wie die Kirche und die Stadt als solche. Nur acht Drehtage hat der Film im Juni 2023 in Anspruch genommen. Von Montag bis Freitag sei mit der gesamten Crew in der Region gedreht worden, darüber hinaus gab es einen Drehtag in Los Angeles und einen in Berlin. Finanziert hat die junge Frau alles aus eigener Tasche. Förderungen hat sie keine in Anspruch genommen. „Ich dachte, ich muss erst einmal etwas abliefern, bevor ich nach Förderungen frage.“
Auf Gage verzichtet
Von einem Low-Budget-Film spricht man bei Kosten von rund einer Million Euro. „Bubbles“ hat gerade einmal 9500 Euro gekostet. Das Teuerste, so erzählt Salinger später auf eine Frage aus dem Publikum, seien die Musikrechte gewesen. Das schmale Portemonnaie tut dem Film keinen Abbruch. Alle Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen verzichteten auf Gage, nutzen den Film vielmehr für ihr eigenes Portfolio, um vorzuweisen, was sie bereits gemacht haben. Und dann gab es noch die beste Freundin, die einsprang, als die Kostümbildnerin plötzlich erkrankte.
Dass der Film zahlreiche Preise (für Regie, Schauspiel, Kamerabild sowie als Bester Debütfilm) gewonnen hat, findet die Jung-Regisseurin unglaublich. Dabei sei sie eher pessimistisch an die Sache herangegangen, weil man ihr gesagt habe, es sei schwierig, sich zu etablieren. Bis heute ist sie bei jeder Aufführung, bei der sie dabei ist, aufgeregt, ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums. „Im Bearbeitungsprozess ist man eher isoliert und abgekapselt. Aber der Film ist ja für die Zuschauer.“ Zu sehen, wie er auf diese wirke, sei spannend. „Ich will leicht erzählen“, erklärt sie. Und das ist ihr mit ihrer Zeitreise ins Jahr 1987 auch gelungen.
Nach der Filmvorführung liegen Karten und Kugelschreiber auf dem Tisch im Foyer. Maria Salinger will wissen, was gut war, und auch, was nicht so gut war. Das erklärt sie dem Publikum im Gespräch mit Frank Krause. Sie will schließlich lernen. Spontan meldet sich eine Frau: „Die Koffer waren zu leicht“, moniert sie. Und tatsächlich ist das einigen aufgefallen, als die Protagonistin mit Gepäck nach einem Streit auszieht.
Filmfirma gegründet
Das Drehbuch für den nächsten Film ist übrigens bereits geschrieben. „Anruf aus den Achtzigern“ wird er heißen und die Geschichte ihrer Eltern weitererzählen – samt Mauerfall in Berlin. Diesmal soll es ein Langfilm werden. Mit Filmförderung. Darüber hinaus hat sie mit einem Kommilitonen eine Filmfirma gegründet. „Noch ist nichts spruchreif. Man muss geduldig sein in der Filmwelt“, erklärt sie. Sie plaudert über die Dreharbeiten, erzählt, dass ihre Tante dem Darsteller des Christian Sprachnachrichten seines Textes im Dialekt aufgenommen habe, damit dieser auch alles richtig mache; berichtet vom Drehen der Szenen, in der beide Zwillingsschwestern auf einmal zu sehen waren – beide verkörpert von ihr. Und sie räumt ein, dass das Cabrio des Bauingenieurstudenten, der einmal ihr Vater werden würde, etwas überdimensioniert sei. Eine Notlösung – der geplante Käfer sei an jenem Drehtag einfach nicht angesprungen. Einen Teil der Filmmusik hat ein Freund aus LA komponiert, der Musikkomposition studiert habe, ein Streichquartett habe diese eingespielt.
„Wenn ich das so höre, möchte ich den Film eigentlich gleich noch mal sehen“, sagt eine Zuschauerin. Nichts leichter als das, denn er ist bereits auf Youtube zu sehen. Was sie mit „Bubbles“ meint? Den Begriff habe sie von ihrer Mutter übernommen, die immer gerne von ihrer Bubble rede, in der sie sich befinde.