Altersarmut

Hemsbach: Rekord bei Förderanträgen beim Seniorenfonds

Gestiegene Lebenshaltungskosten sind der Grund, weshalb immer mehr Senioren in prekäre finanzielle Lagen kommen. Der Seniorenfonds verzeichnet ein Rekordhoch an Anträgen.

Peter van Nunen, Yolinda Küstermann, Jürgen Kirchner, Hansjörg Rapp, Doris Falter und Susanne Krüger (von links) stellten den Jahresbericht vor. Foto: Christina Schäfer
Peter van Nunen, Yolinda Küstermann, Jürgen Kirchner, Hansjörg Rapp, Doris Falter und Susanne Krüger (von links) stellten den Jahresbericht vor.

Hemsbach. 332 Anträge auf Förderungen gingen 2024 beim Seniorenfonds Neckar-Bergstraße, einer Initiative des Caritasverbands für den Rhein-Neckar-Kreis und des Diakonischen Werks Weinheim, ein. Das ist ein Rekord. Gleiches gilt für die Auszahlung in Höhe von 70.685 Euro. Beide Zahlen liegen weit über jenen von 2023. Damals wurden 208 Anträge gestellt und 53.743 Euro als Fördersumme ausgegeben.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Die Zahlen gab Yolinda Küstermann von der Caritas im Rahmen des Schirmherrengesprächs kürzlich bekannt. Jürgen Kirchner, der gemeinsam mit Weinheims ehemaliger Gemeinderätin Doris Falter und Dekanatsrat Peter van Nunen den Schirmherrenkreis vertrat, sprach von einer beeindruckenden Summe. „Das zeigt, wie wichtig der Seniorenfonds ist und auch weiterhin sein wird“, war Hemsbachs Bürgermeister dankbar für die geleisteten Hilfen. Zugleich machte er sich Sorgen um die Menschen, die hinter den Zahlen stehen und deren finanzielles Auskommen in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten augenscheinlich immer knapper wird: „Es muss unser Ziel sein, ihnen weiterhin die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.“ Das sahen auch Küstermann und ihr Kollege vom Diakonischen Werk, Hansjörg Rapp, so. Teilhabe, so machte sie deutlich, koste nur leider Geld. „Wer arm ist, ist allein“, verdeutlichte sie eine der vielen Folgen von Armut.

Dass die Finanzen der Senioren immer prekärer werden, leitete Küstermann auch aus der Statistik ab. „Immer mehr arbeiten trotz Rentenbezugs“, verwies sie auf die vorliegenden Zahlen. Besonders schwierig stelle sich die Situation für Frauen jenseits der 65 dar. Von ihnen seien, so sagte Küstermann, 50 Prozent armutsgefährdet. „Es ist wichtig, dass wir einen sicheren Boden geben“, war sie vor diesem Hintergrund überzeugt.

Seniorenkino ist beliebt

Der Seniorenfonds hat diesen Boden im vergangenen Jahr für insgesamt 198 Menschen bereitet, 110 von ihnen waren Frauen, 88 Männer. Sie kamen aus allen Kommunen entlang der Bergstraße, von Laudenbach bis Dossenheim. 150 lebten alleine. Zu den meistgeförderten Maßnahmen zählten die Bereiche Mobilität, Gesundheit und Lebensqualität. Bei der Mobilität stand das Deutschlandticket im Fokus. Hier mussten Antragsteller die Erhöhung von neun Euro als Eigenanteil tragen. Besonders beliebt bei den Menschen waren auch die Kinogutscheine für das Seniorenkino in Hemsbach oder Weinheim. „Ich habe Klienten, die möchten das immer haben“, lachte Rapp. Es sei eine Möglichkeit für die Älteren, miteinander in Kontakt zu kommen.

Durch die hohe Ausschüttungssumme mussten die Verantwortlichen an die Rücklagen des Fonds gehen. Sie schmolzen in einem Jahr von 37.000 Euro (Stand Ende 2023) auf 24.000 Euro (Stand Ende 2024) ab. Und das trotz eines erhöhten Spendenaufkommens, das im Vergleich zu 2023 von 54.000 Euro auf 58.668 Euro im vergangenen Jahr angestiegen war.

„Daran müssen wir arbeiten“, sah Rapp eine Aufgabe, die vor den Verantwortlichen lag. Gute Nachrichten gab es in diesem Zusammenhang vom Zonta-Club, auf dessen Betreiben der Seniorenfonds einst aufgelegt wurde. Präsidentin Susanne Krüger kündigte eine erhöhte Spende an. Diese werde aus den Einnahmen des Deutschen Filmfestivals in Ludwigshafen generiert. „Dessen Erlös fließt dieses Mal an uns“, sagte sie stellvertretend für die Weinheimer Frauen des Serviceclubs. Das Geld werde weitergeleitet an den Seniorenfonds: „Wir werden das noch aufstocken.“ (tak)