Hilfe zur Selbsthilfe
Die Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle Weinheim sprechen über ihre Arbeit mit Suchtbetroffenen.
Wenn Konsum zur Gewohnheit wird, fällt es Betroffenen oftmals schwer, einen geregelten Alltag zu leben. Nora Dreikhausen, Katarzyna Wurzbach und Geschäftsführer Paul Jöst arbeiten in der Weinheimer Suchtberatungsstelle. Sie unterstützen süchtige Menschen mit Rat und Tat. Auch wenn es darum geht, sich weitere Hilfe bei Abhängigkeiten aller Art zu suchen. Anfang Juli wird zusätzlich noch eine neue Kollegin das Team verstärken. „Zu viert können wir die Arbeit gut bewältigen“, sagt Dreikhausen.
Der Trägerverein Suchtberatung Weinheim wurde am 20. Juni 1979 gegründet und ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Neben der Beratungsstelle ist er auch als Kooperationspartner in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen präsent. Dazu gehören zum Beispiel das Zentrum für Psychische Gesundheit Weinheim und die Weinheimer Außenstelle des Psychiatrischen Zentrums Nordbadens in Wiesloch. Jöst besucht zudem einmal im Monat das Jobcenter in Weinheim, um dort Mitarbeiter im Rahmen einer Kooperation in Suchtfragen zu schulen.
Etwas über 600 Hilfesuchende werden durchschnittlich im Jahr in der Beratungsstelle betreut. Seit Gründung 1979 waren es rund 5200. Der Weg zur Genesung ist individuell. „Manche besuchen uns nur ein einziges Mal und kommen danach nie wieder. Andere werden seit Jahren von uns begleitet“, erklärt Jöst. Zu den Hilfsangeboten gehören Beratung, Behandlung, Vermittlung von Therapien, Nachsorge sowie Präventionsinitiativen in Schulen und Betrieben. „Teilweise nehmen wir auch Klienten mit in die Klassen, wo sie von ihren Erfahrungen erzählen“, sagt Jöst.
Eigene Ressourcen nutzen
„Wir konzentrieren uns stark auf die Nutzung der eigenen Ressourcen und bieten primär Anleitungen zur Selbsthilfe“, erklärt Wurzbach. „Daher sind Selbsthilfegruppen äußerst wertvoll.“ Dort merken Betroffene, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind. „Das Gespräch über eigene Erfahrungen hilft dabei, das Thema Sucht zu entstigmatisieren“, so Wurzbach weiter. Mehrere Male in der Woche haben Süchtige die Möglichkeit zum Austausch: Die Anonymen Alkoholiker treffen sich fünfmal die Woche, freitags gibt es eine offene Gruppe und jeden Montag haben Drogenabhängige einen Raum für Gespräche.
Unter den Hilfesuchenden sind oftmals auch Jugendliche. Die Suchtberatungsstelle bietet speziell für Heranwachsende das Programm zur Frühintervention bei erstmaligem Drogenkonsum (FreD) an. Dieser Kurs beinhaltet fünf Sitzungen und kann unter anderem auf richterliche Anordnung erfolgen.
Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren haben dort die Möglichkeit, alternative Freizeitaktivitäten kennenzulernen, anstatt Drogen zu konsumieren.
In Zusammenarbeit mit dem AC Weinheim dürfen die Jugendlichen beispielsweise ein Boxtraining absolvieren oder sich im Tonstudio des Mehrgenerationenhauses musikalisch ausleben. „Manchmal wollen die Jugendlichen aber auch lieber nur mit uns reden“, sagt Wurzbach.