Hemsbach

Höhere Elternbeiträge für Kita „Regenbogenland“

"Wie ein Schlag in die Magengrube" sei es für die betroffenen Eltern. Die Preise steigen immer mehr, dafür wird das Angebot zurückgefahren.

Mutieren die Einrichtungen zur Aufbewahrungsstelle mit geringem pädagogischem Einsatz? Foto: Thomas Rittelmann
Mutieren die Einrichtungen zur Aufbewahrungsstelle mit geringem pädagogischem Einsatz?

Da schluckte der Fachbereichsleiter Tobias Schork. Dass im Gemeinderat Kritik an den ab 2024 höheren Elternbeiträgen für die Tageseinrichtung „Regenbogenland“ geäußert wird, damit konnte die Stadt rechnen. Aber die Worte der PH-Fraktionssprecherin Marlies Drissler wirkten wie ein Schlag in die Magengrube. „Wenn jemand ein Kind in der Krippe und eines im Kindergarten hat, zahlt er 1000 Euro bei einem Bruttoeinkommen von 70 000 Euro. In Darmstadt wären dies 250 Euro.

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Die Preise steigen, dafür wird das Angebot zurückgefahren

"Die Preise steigen immer mehr, dafür wird das Angebot zurückgefahren. Corona und Personalmangel sei Dank“, sagte sie und wetterte gegen die Regelung, wonach in einem Länderfinanzausgleichsgeberland wie Baden-Württemberg hohe Elternbeiträge zu zahlen sind, Bundesländer hingegen, die gar Länderfinanzausgleichsempfänger seien, nichts verlangen. Ihre Worte gipfelten in der Aussage, dass „unsere Einrichtungen zur Aufbewahrungsstelle mit geringem pädagogischem Einsatz“ mutieren würden. Um dies zu ändern, sollten die anwesenden Parteienvertreter mal mit ihren Landtagsabgeordneten reden, damit auch in Baden-Württemberg die Kindereinrichtungen kostenlos würden.

Elternbeiträge nur 20 Prozent der Betreuungskosten

„Ich finde es schade, wenn Sie so etwas behaupten“, versuchte Schork seinen Ärger zu unterdrücken. „Wir fahren das Angebot hoch. Wir haben Plätze mit verlängerten Öffnungszeiten in Ganztagsplätze umgewandelt, haben einen Waldkindergarten eingerichtet. Es kommt eine weitere Waldgruppe hinzu. Zu unseren Betreuungskräften in den fünf Einrichtungen so etwas zu sagen, finde ich bedauerlich“, sagte Schork und erinnerte daran, dass die Elternbeiträge nur 20 Prozent der Betreuungskosten ausmachen würden. Den Rest zahlten die Stadt beziehungsweise die Bürger. Zu Beginn rechtfertigte der Fachbereichsleiter die Erhöhung der Elternbeiträge um 8,5 Prozent. Die letzte Erhöhung war im Jahr 2016. Seither habe es auch Tariferhöhungen für das Personal gegeben.

Schork wies zudem auf neue Komponenten bei der familienbezogenen Sozialstaffelung hin. So gibt es fünf Stufen bei den Bruttojahreseinkommen, beginnend ab 40 000 Euro bis zu 70 000 Euro und mehr.

Sozialstaffelung gelobt

Für SPD-Stadträtin Antje Löffel sei eine Erhöhung generell schwierig für Eltern. Sie lobte allerdings ausdrücklich die Sozialstaffelung; dies sei für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal. Auch CDU-Stadtrat Martin Schild erachtete die Regelung mit den Einkommen für richtig und wichtig. Der Höchstsatz greife erst ab 70 000 und nicht wie vorher ab 50 000 Euro, lobte er.

Fraktionssprecher Ernst Hertinger langweilte sich

FW-Fraktionssprecher Ernst Hertinger langweilte sich, weil es wieder einmal dieselbe Diskussion um die Beiträge in den Bundesländern gäbe. Der Länderfinanzausgleich stehe im Grundgesetz. Die Höhe der Elternbeiträge hänge vom Standort ab, darauf hätte jeder selbst Einfluss bei der Wohnortwahl. Zudem gebe es ja Entlastungen. Der Aussage Drisslers widersprach der FW-Stadtrat ebenfalls: „Wir haben sehr wohl unser Angebot ausgeweitet.“ Auch SPD-Sprecher German Braun wandte sich an Drissler und verwies auf das Programm der Partei zur Landtagswahl: „Wir hatten die kostenfreien Kindergartenplätze drin.“