Weinheim

Holzwurm-Ensemble unternimmt rasante Reise in die Welt des Films

Immer wenn man glaubte, das absolute Highlight des Abends erlebt zu haben, folgte eine weitere, noch atemberaubendere Darbietung, bei der stimmgewaltiger Gesang und quirlige Tanzeinlagen Begeisterungsbekundungen in stadionartigem Sound hervorriefen. Die Rede ist von „Showtime“, der neuen glamourösen Revue des Theatervereins Holzwurm, die in achtmonatiger Vorbereitung in Kooperation mit der Musikschule Badische Bergstraße und dem Kulturbüro der Stadt Weinheim entstanden ist. Drei Abende hintereinander kamen in der Stadthalle insgesamt mehr als 1500 Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Das Ensemble des Theatervereins Holzwurm brachte am Wochenende drei Abende hintereinander die Stadthalle zum Beben mit ihrer Revue „Showtime“. Foto: Katrin Oeldorf
Das Ensemble des Theatervereins Holzwurm brachte am Wochenende drei Abende hintereinander die Stadthalle zum Beben mit ihrer Revue „Showtime“.

Unter der Regie des Produzenten Joachim Goedelmann und der musikalischen Leitung des Pianisten Hariolf Maier fand am Freitagabend die umjubelte Premiere statt. Nach der aufwendigen My-Fair-Lady-Inszenierung vor fünf Jahren und der Show „Holzwurm meets Musical“ im vergangenen Jahr zeigte sich wieder einmal: Die Holzwürmer können nicht nur professionell Theater spielen, sie haben in ihren Reihen auch beeindruckende Stimmen- und Tanztalente. Hinzu kommen die Bühnenpräsenz und das perfekte Entertainment, sodass der Begriff „Amateure“ in weite Ferne rückt. Doch gerade die Tatsache, dass sämtliche Mitglieder des Ensembles nur in ihrer Freizeit auf der Bühne stehen, lässt ihr Auftreten zu einem Phänomen werden.

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Natürlich liegt hinter all dem perfekten Können eine Menge Arbeit. Dazu gehören auch die einfallsreichen Bühnenbilder, die verschiedenen Outfits und das Catering. Alles Aufgaben, die von ehrenamtlichen Holzwurm-Mitgliedern übernommen werden. Bei dem Gemeinschaftsprojekt „Showtime“ kommt noch das große Engagement von Lehrern der Musikschule hinzu. Sie bilden das großartige Klangpalastorchester mit brillanten Soli von Saxofonist Karl-Heinz-Schäfer und Gitarrist Jürgen Osuchowski.

Songs und Soundtracks

„Showtime“ ist eine mitreißende Revue, die die Zuschauer geradewegs in die Glanzzeiten des klassischen Varietés führt. Thema der Show waren Songs und Soundtracks aus preisgekrönten Kultfilmen. Von dem Moment an, in dem sich der Vorhang öffnete und vor der stimmungsvollen Kulissenprojektion (Sabine Wunder) der Soundtrack von „Mission Impossible II“ ertönte, lag das Publikum dem sechsköpfigen Klangpalastorchester zu Füßen. Die Stimmung stieg, als Moderator Holger Mattenklott im weißen Smoking wort- und stimmgewaltig die Bühne betrat. Und spätestens, als der schlagfertige Spaßvogel den Stetson aufs mächtige Haupt setzte, um als „Lonesome Cowboy“ zu zeigen, dass er mehr draufhat als „Labern“, flippte das Publikum aus. Wie geschaffen für seinen tiefen Bass erklang der Kultklassiker „I Was Born Under a Wandering Star“, Lee Marvin hat ihn garantiert nicht besser gesungen. Tosenden Applaus gab es auch für den Komödianten, als er beim „Time Warp“ der Rocky Horror Picture Show – vom Ensemble überragend getanzt und gesungen – die Tanzkommandos wie „Put Your Hands On Your Hips“ gab. Es waren unzählige Highlights, die das Publikum in Entzücken versetzten, eines davon war zweifellos Katja Hoger, die Sängerin, Stepptänzerin und Schauspielerin aus Leidenschaft. Was sie mit ihrer Stimme an Genres bedienen kann, ist bewundernswert. Sei es der Jazz mit der wehmütigen Etta-James-Ballade „At Last“, dem Keyboarderin Maren Schmitt mit dem Synthesizer den nostalgischen Violinen-Touch verlieh, oder die absolute stimmliche Herausforderung „My Heart Will Go On“ aus dem Film Titanic. Hoger schaffte es bis in die höchsten Oktaven.

Auch Altistin Silke Hartmann glänzte mit ihrer kraftvollen Stimme, sei es mit dem Bond-Song „Golden Eye“ in Erinnerung an Tina Turner oder dem Gloria-Gaynor-Song „I Will Survive“. Ebenso wusste Sabine Wunder als Solistin zu begeistern, zum Beispiel mit dem Glenn-Miller-Stück „Moon River“ zur Gitarre von Jürgen Osuchowski. Und dann waren da noch spektakuläre Momente wie Michael Jacksons „Thriller“ mit mehrstimmigem Gesang, die faszinierenden Schattenszenen des Balletts hinter der Leinwand (Choreografie Claudia Griethe) oder das im Bee-Gees-Falsett gesungene „Staying Alive“, begleitet vom Palastorchester mit dem authentischen Philly-Sound der 70er-Jahre.

Tief bewegend war der Gospelsong „Stand Up“ aus dem Film „Harriet, der Weg in die Freiheit“, in den auch der Chor, unter der Leitung von Maren Schmitt, mit eingebunden war. Die ohnehin aufgekratzte Stimmung eines Publikums, das sich am Ende unter rhythmischem Klatschen erhob, steigere sich noch einmal bei dem wunderbar mehrstimmig gesungenen „Dancing Queen“, in das der Zuschauerchor mit einstimmte.