Interaktive Kunst in Hirschberg: Plaketten mit QR-Codes bieten tiefe Einblicke
Die Hirschberger Ortsteile sind um eindrucksvolle Bronzeskulpturen reicher geworden. Diese sind Teil einer Schenkung des Kunstprofessors Thomas Duttenhoefer.
Wer mit offenen Augen durch die beiden Ortsteile von Hirschberg fährt oder geht, wird sie schon bemerkt haben: eindrucksvolle Bronzeskulpturen, die als seltsame Mischwesen den Blick im Leutershausener Skulpturengarten, am Rathausvorplatz, bei der Einfahrt zum Friedhof Großsachsen oder an der Grünanlage in der Hohensachsener Straße unweigerlich auf sich ziehen.
Die Plastiken gehören zu einer insgesamt neun Objekte umfassenden Schenkung des Speyrer Kunstprofessors Thomas Duttenhoefer, der jetzt mit seiner Frau Gabriele Jahns-Duttenhoefer zu einem kleinen Rundgang in die Gemeinde kam und dabei nicht nur seine Werke erläuterte, sondern darüber hinaus auch verriet, warum er ausgerechnet Hirschberg seine Werke so großzügig überlassen hat. „Gemeinwesen mit einer derartigen Offenheit für Bildende Kunst gibt es nicht viele und schon gar nicht in dieser Größe“, outete sich der 73-jährige Speyrer nicht nur als „pfälzischer Europäer“, sondern auch als absoluter Fan der Doppelgemeinde. Nicht selten habe er schon in Großstädten und insbesondere Deutschlands Hauptstadt erlebt, wie lieblos mit solchen Schenkungen umgegangen werde.
Aus diesem Grund sieht Duttenhoefer seine Kunst in Hirschberg bestens aufgehoben. Zum Beispiel im Leutershausener Skulpturengarten, wo die kleine Gruppe aus Pressevertretern, Bürgermeister Ralf Gänshirt und Stellvertreter Karlheinz Treiber sowie dem Künstlerehepaar beim Rundgang einen längeren Halt machte.
Pan-Figuren besichtigt
Begeistert zeigte sich Duttenhoefer mit Frau Gabi und seinem Kurator Dr. Oliver Bentz vor allem von dem idealen Ensemble der beiden dort platzierten Pan-Figuren mit den passend dazu gegliederten Hecken: „Eine ideale Kombination. Besser kann man das nicht installieren.“ Nicht zuletzt deshalb werde Hirschberg eine besondere Rolle im gerade entstehenden Werkverzeichnis des Bildhauers spielen, versprach der damit befasste Kunstexperte Dr. Oliver Bentz.
Dieses große Lob wollte Ralf Gänshirt natürlich nicht nur so stehen lassen, sondern gab die Komplimente postwendend zurück. Es sei eine große Ehre, dass Thomas Duttenhoefer seine Kunstwerke ausgerechnet Hirschberg überlassen habe. „Diese Schenkung sorgt für ein weiteres Alleinstellungsmerkmal und trägt den Ruf unserer Gemeinde weit über ihre Grenzen hinaus“, so der Bürgermeister.
Wie von ihm weiter zu erfahren war, sind die restlichen vier Objekte der Schenkung nicht im öffentlichen Raum untergebracht, sondern direkt im Rathaus selbst.
So etwa ein Porträt der 2006 verstorbenen Heidelberger Lyrikerin Hilde Domin oder der Gips-Torso „Mutter Erde“. Dass er zur Bronzeplastik „Sitzende“ eine besondere Beziehung hat, verriet Gänshirt ebenfalls. Diese sei in seinem Dienstzimmer untergebracht. Immer wenn er über schwierigen Entscheidungen brüte und nicht weiterkomme, setze er sich selbst vor die „Sitzende“, um etwas Ruhe zu finden und danach mit neuem Elan an den Schreibtisch zurückzukehren. Wer nicht nur den meditativen Effekt der Kunstfiguren von Duttenhoefer ausprobieren, sondern auch etwas über deren kunsthistorische Einordnung oder über den Künstler und seine Motivation erfahren will, kann demnächst auf ein besonderes Feature zurückgreifen, für das Karlheinz Treiber in seiner Doppelrolle als Bürgermeisterstellvertreter und Vorsitzender des Kulturfördervereins verantwortlich zeichnet.
Plakette wird befestigt
Wie dieser ankündigte, werden demnächst an allen Objekten des Speyrer Künstlers kleine Plaketten angebracht, auf denen nicht nur der Name der Skulptur eingraviert ist, sondern auch ein sogenannter QR-Code.
Hält man sein Smartphone mit einer entsprechenden Lese-App darauf, bekommt man einen längeren Text angezeigt, der alles Wissenswerte über den Meister und sein Werk enthält. So etwa, dass dieser nicht nur an der Werkkunstschule Wiesbaden und der Fachhochschule für Gestaltung in Wiesbaden Bildhauerei bei Erwin Schutzbach sowie Malerei bei Robert Preyer und Alo Altripp studierte, sondern auch mehrere Studienreisen nach Marokko und Ägypten unternahm. Weitere Stationen waren 1975 das Goldsmith-College an der Universität London, wo Duttenhoefer eine Gastdozentur innehatte.
Nach weiteren Lehraufträgen war Thomas Duttenhoefer von 1995 bis 2003 Professor an der Fachhochschule in Trier, von 2003 bis 2015 an der Hochschule Mannheim, Fachbereich Gestaltung.
Seine Schwerpunkte
Seit 1976 ist er Mitglied der Darmstädter Sezession. 1979 übersiedelte er nach Darmstadt und bezog ein Atelierhaus auf der Rosenhöhe. Neben zahlreichen Preisen und Stipendien erhielt er 1988 den Kunstpreis der Stadt Darmstadt, den heutigen Wilhelm-Loth-Preis. Thomas Duttenhoefer gehört zu den wichtigsten figurativen Bildhauern in Deutschland, mit Schwerpunkt auf dem Porträt.
Sein Werk ist thematisch anspruchsvoll und gebunden an das Menschenbild als figuratives Zeichen in Extremsituationen zwischen Leben, Krankheit und Tod, auch mit den Helm- und Schädelformen und den konkreten Porträts. Die überbordend-heitere antike Welt der Zwitterwesen Pan und Minotaurus, Daphne und Harpyie, Orpheus und Nymphe steht im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit.
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