Hirschberg: Hans-Nagel-Plastik enthüllt – Neues Wahrzeichen am HLZ
Kunst und Geschichte vereinen sich in Hirschberg: Ein abstraktes Kunstwerk sorgt für Gesprächsstoff – und ist nun das neue Wahrzeichen des Hilfeleistungszentrums.
Hirschberg. Am Freitagabend startete in Hirschberg eine Ausstellung, die gleich aus mehreren Gründen als außergewöhnlich bezeichnet werden darf. Der erste ist ebenso banal wie selten: Die Eröffnung fand an zwei unterschiedlichen Orten statt, denn die Organisatoren vom Kunstförderverein wollten mit der Einweihung einer gestifteten Plastik des deutschen Bildhauers Hans Nagel am Hilfeleistungszentrum (HLZ) eine inhaltliche Klammer zur Werkschau schaffen, die zahlreiche Objekte von acht seiner Schüler aus der sogenannten „Hans-Nagel-Klasse“ an der Freien Werkkunstschule Mannheim zeigt.
Die Idee trug Früchte und führte zu einer zweiten Besonderheit, die Initiator Karlheinz Treiber und seinen Mitstreitern ein Dauergrinsen ins Gesicht zauberte: So einen Andrang hat man sicher lange nicht mehr bei einer Ausstellungseröffnung erlebt: Mehr als 100 kunstinteressierte Hirschberger waren gekommen und drängten sich nun im Dachgeschoss des Rathauses, wo dann der von Anke Helfrich gebotene „Jazz in Reinkultur“ der Veranstaltung die Krone aufsetzte.
Doch von vorne: Am HLZ an der Galgenstraße hatte man eine Stunde zuvor schon voller Spannung darauf gewartet, dass Bürgermeisterstellvertreter Werner Volk zusammen mit Karlheinz Treiber und dem Restaurator Alfred Wolf endlich die Plane von dem Objekt zieht, das nun nach langer Wanderschaft und einer gründlichen Aufarbeitung das Wahrzeichen für den Gebäudekomplex am südlichen Ortsende von Leutershausen werden soll. „Weil es mit seiner abstrakten Form so gut zu den modernen Gebäuden passt“, begründete Fördervereinsvorsitzender Karlheinz Treiber unter zustimmendem Nicken der Gemeinderäte mit Werner Volk für den erkrankten Bürgermeister an der Spitze. Ein Dankeschön ging an den Schwetzinger Kunstsammler und Mäzen Klaus Schäfer, der diese wichtige Steinskulptur des charismatischen Lehrers an der Werkkunstschule der Gemeinde vermacht hat und damit das bereits bestehende reiche Konvolut an Arbeiten seiner Schüler weiter bereichert.
Das aus seltenem grünen Marmor bestehende abstrakte Objekt ist in der Tat ein echter Hingucker, der zu den unterschiedlichsten Assoziationen verführt. Während manche ein Boot unter vollen Segeln erkennen wollen, war es für andere wiederum eine Art Brunnen – nur ohne Wasser. Und Manfred Forschner als einer seiner anwesenden Schüler sah in der ovalen Öffnung des Rätsels nicht ganz ernst gemeinte Lösung: „Egal, was jeder sieht: Er wollte, dass wir alle den Durchblick behalten.“
So kann sich jetzt nach langer Zeit wieder jeder Passant oder Besucher des HLZ darüber den Kopf zerbrechen, was die Nagel-Plastik ausdrücken will. Endlich, denn sie war lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. 1966 ent- und lange Zeit in unmittelbarer Nähe der Heidelberger Sparkasse gestanden, wurde die Skulptur 1983 demontiert und landete im „Schuppe“ von Klaus Schäfer, wie Treiber berichtete. Dort habe man das gute Stück dann wieder aus seiner Bedeutungslosigkeit herausgeholt und in den jetzigen Zustand gebracht.
Nach der Enthüllung zog die Gruppe dann zügig Richtung Großsachsener Straße, wo schon zahlreiche Besucher auf Einlass zum zweiten Teil der Vernissage warteten. Als sich die Türen öffneten, strömte die Menge flugs in die Ausstellungsräume, um noch vor der Begrüßung einen Eindruck von der bunten und vielfältigen Schau zu bekommen. Nach einer hochklassigen musikalischen Einleitung durch Anke Helfrich – sie ist Tochter des ausstellenden Künstlers Alfred Wolf – am Piano und der Begrüßung von Karlheinz Treiber war es dann Professor Hans Gercke, der als ehemaliger Leiter des Heidelberger Kunstvereins und „Entdecker“ von Hans Nagel dessen Lebenswerk beleuchtete und noch einige Kurzbeschreibungen der Kunst seiner Schüler gab.