Bloß nicht vergessen, die Hand zu heben

Katharina Goss-Mau: zweite Frau für Freie Wähler im Hirschberger Gemeinderat

Am Donnerstag wird Katharina Goss-Mau als neue Gemeinderätin der Freien Wähler in Hirschberg vereidigt. Mit ihr sitzt erst die zweite Frau für die FW im Gremium. WNOZ erzählt sie von ihrem Weg in die Kommunalpolitik und welche Projekte und Themen ihr besonders am Herzen liegen

Katharina Goss-Mau sitzt zukünftig für die Freien Wähler im Hirschberger Gemeinderat. Sie ist erst die zweite weibliche Gemeinderätin der Freien Wähler. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Katharina Goss-Mau sitzt zukünftig für die Freien Wähler im Hirschberger Gemeinderat. Sie ist erst die zweite weibliche Gemeinderätin der Freien Wähler.

Sie kennt den Weg. Ihre Kollegen sind ihr ebenfalls bestens bekannt – und in die kommunalpolitischen Projekte ist sie eingearbeitet. Dennoch wird der Donnerstag für Katharina Goss-Mau ein besonderer Tag. Sie geht als beratendes Mitglied in die Gemeinderatssitzung und wird dort zur neuen Gemeinderätin für die Freien Wähler (FW) verpflichtet. „Das wird ein nahtloser Übergang. Ich muss jetzt nur aufpassen, dass ich mit abstimme“, erzählt die Leutershausenerin und lacht.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Die 50-Jährige nimmt in ihrer Fraktion eine Sonderstellung ein: Sie ist die einzige Frau. Übrigens nach Irmgard Ehret erst die zweite Frau überhaupt in den Reihen der Freien Wähler. Goss-Maus genereller Wunsch nach mehr Frauen im Gemeinderat ist daher nachvollziehbar. Dass sie sich in der Männerwelt durchsetzen kann, hat sie bereits als Vorsitzende der Freien Wähler bewiesen. Diesen Posten hat sie vor zwei Jahren übernommen. Zwei ihrer Mitstreiter im Gemeinderat, Alexander May und Fraktionschef Werner Volk, kennt sie übrigens schon „ewig“: „Der Alex war mein Handballjugendtrainer bei der SGL. Als Kapitänin hatte ich den ein oder anderen Diskurs mit ihm“, sagte sie und lässt durchblicken, dass sie weiß, wie man sich durchsetzt. „Direkt“ und eine „sehr zielführende Art, zu kommunizieren“, hatte mal ein Chef über sie gesagt. Die neue Gemeinderätin kann dies voll unterschreiben: „Ich rede nicht um den heißen Brei.“

Erfolg kommt nicht von ungefähr

Ihr Erfolg und ihr Einzug in den Hirschberger Gemeinderat kommen nicht von ungefähr. Vor fünf Jahren bekam sie knapp 1000 Stimmen, jetzt waren es 1638. Die Leutershausenerin stammt aus einem Elternhaus, welches politisch interessiert ist und ein besonderes Augenmerk auf das Ehrenamt legt. Ihr Vater engagierte sie für die Erste Herrenmannschaft der SGL; ihre Mutter war Elternbeirätin. „Verantwortung zu übernehmen, wurde mir quasi in die Wiege gelegt und hat Familientradition“, betont Goss-Mau. „Alex und Werner“ hätten sie damals vor der Gemeinderatswahl 2019 in die „Zange genommen“ und „überredet“ zu kandidieren. „Ich habe mir dies gut überlegt, was passiert, wenn ich gewählt werde. Meine klare Zielsetzung war es, in den Gemeinderat zu kommen“, freut sie sich, dass dies nun 2024 geklappt hat. Erste „kommunalpolitische Luft“ schnupperte sie, als sie im baubegleitenden Ausschuss für den Neubau des evangelischen Kindergartens „Storchennest“ mitarbeitete.

Der Reiz der Kommunalpolitik

Auf der „großen politischen Ebene“ in Stuttgart oder Berlin hält sie die Einflussnahme für begrenzt. Auf kommunaler Ebene sieht dies hingegen anders aus. Dies macht für sie den Reiz aus. „Zu maulen, ist meine Sache nicht. Umsetzen und machen hingegen schon. Als Gemeinderätin habe ich schließlich große Mitgestaltungsmöglichkeiten“, schildert sie ihr Motiv, sich einzubringen. „Ich kann so das tägliche Leben am Ort mitbestimmen. Ich bin hier aufgewachsen. Und ich möchte, dass dieses Wohlgefühl erhalten bleibt. Irgendwann muss ich hierfür mal Verantwortung übernehmen. Doch davor scheuen sich viele. Gemault ist halt schnell und vor allem einfach.“ Für die Neue im Gemeinderat ist es ein Glücksfall, an den Großprojekten wie Sanierung der Sachsenhalle, Bau der Trainingshalle, Betreuung an Grundschulen und Kindergärten, Gewerbe- und Neubaugebiet mitzuwirken. „Ich halte es auch von Vorteil, dass wir im Gemeinderat keine großen Wechsel haben. Ich übernehme quasi den Posten von Leonie Mußotter. Sieben neue Gemeinderäte wären für den weiteren Verlauf nicht so einfach“, glaubt die Kommunalpolitikerin, die seit Jahren bei einer Bauträgerfirma arbeitet und dort Kunden, Handwerker und Bauleitung koordiniert.

Ihre neuen Akzente wird Goss-Mau künftig neben dem Gemeinderat auch im Verwaltungsausschuss setzen. Bislang saß sie im Ausschuss für Technik und Umwelt. Die Kinderbetreuung, vor allem die verlässliche Betreuung in den Kindergärten und in Grundschulen, sowie der Klimaschutz sind weitere zentrale Themen, denen sie sich widmen will. Als leidenschaftliche Fahrradpendlerin macht sie sich für eine „Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer“ stark. Bei der Umsetzung lautet ihr Credo ganz einfach: „Dinge gehen gemeinsam immer besser. Im Gemeinderat sind wir auf einem guten Weg. Wir haben zwar unterschiedliche Meinungen, aber am Ende wird dies demokratisch gelöst“.

Zwar nimmt die Kommunalpolitik mittlerweile in ihrer Freizeit den größten Raum ein, dennoch engagiert sie sich beim Großsachsener Reitverein, weil ihre Tochter Anni dort reitet. Seit Anfang 2024 singt Goss-Mau zudem im Projektchor der „Sängereinheit“, und bei den „Schnatterenten“ ist sie auch. Letzteres sei auf ihre alten „Kindergarten-Verbindungen“ zurückzuführen. Die „Schnatterenten“ machen vor allem beim Straßenfest auf sich aufmerksam. Bei der SGL ist sie auch noch Mitglied.