Wohnraum

Keine alternativen Wohnformen für Laudenbach

Laudenbach will Neubaugebiet Kisselfließ 2 gegen Höchstgebot an Bauträger vergeben. Die zehn Grundstücke sollen an vorzugsweise Laudenbacher veräußert werden.

Symbolbild Gemeinde Laudenbach Foto: Philipp Reimer
Symbolbild Gemeinde Laudenbach

Laudenbach. Die Umlegung im Neubaugebiet Kisselfließ 2 ist unanfechtbar, teilte Bürgermeister Benjamin Köpfle in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit. Im Zuge der Umlegung hat die Gemeinde diverse Grundstücke erhalten, die jetzt vermarktet werden sollen.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Nachdem der Gemeinderat im Juni bereits die Kriterien für zehn Grundstücke festgelegt hat, die vorzugsweise an Laudenbacher veräußert werden sollen, folgte jetzt der zweite Teil: Ein Band von acht nebeneinanderliegenden Grundstücken mit einer Gesamtgröße von 3636 Quadratmetern am künftigen Rotäckerweg soll im Bieterverfahren an einen Bauträger oder Investor verkauft werden – zum Mindestpreis von 750 Euro pro Quadratmeter.

Verkauft werden soll zu einem Mindestpreis von 750 Euro pro Quadratmeter

Der Gemeinderat stimmte dem gegen die Stimmen der Grünen Frank Czioska, Isabelle Ferrari und Joachim Kerzmann zu und legte die Vergabekriterien fest. Die Fläche ist ideal geeignet für Reihenhäuser. Für Diskussion sorgte ein abweichender Antrag der SPD-Fraktion, die zwei Endgrundstücke gerne herausgelöst hätte, um dort alternative Wohnmöglichkeiten anzubieten, wie Fraktionschefin Ulrike Schweizer forderte. Dafür komme nur dieser Bereich infrage, in dem Hausgruppen erlaubt seien und die Gemeinde gleichzeitig auch Grundstücke besitze. Dort sollten Wohnungen entstehen, in denen sich Jung und Alt begegnen könnten, sagte sie.

Ihr Fraktionskollege Jürgen Kraske konkretisierte, dass es auch darum gehe, dort kleinere Wohnungen anzubieten. Damit solle Wohnraum entstehen, den sich auch Laudenbacher leisten könnten. „Wir wollen nicht nur für Menschen aus der Region Wohnraum schaffen“, sagte Kraske. Bürgermeister Köpfle und die anderen Fraktionen waren nicht begeistert. In dem Neubaugebiet wolle die Familienheim Rhein-Neckar auch sozialen Wohnungsbau in einem Mehrfamilienhaus realisieren, sagte Köpfle. Er befürchtete zudem, dass die Gemeinde für den SPD-Plan einen Architektenwettbewerb durchführen müsse. Die Kommune sei auf die Einnahmen angewiesen, um die Erschließungskosten gegenzufinanzieren.

Keine Mehrheit für alternative Wohnformen

Ähnlich äußerte sich CDU-Fraktionssprecherin Dr. Eva Schüßler: Sie befürchtete, dass die verbleibende Fläche nach Abzug der beiden Grundstücke so klein werde, dass sie für Bauträger nicht mehr interessant sei. Die Grünen, die das Neubaugebiet bekanntlich ablehnen, waren gespalten: Für Isabelle Ferrari ist „der Zug abgefahren“, weil die Gemeinde hier ohnehin „ein Baugebiet von gestern“ aufgelegt habe. Ihr Fraktionskollege Czioska konnte sich hingegen vorstellen, den Vorschlag der SPD mal zu probieren. Am Ende hielten sich Befürworter und Gegner des SPD-Vorschlages die Waage, bei Stimmengleichheit war der Antrag abgelehnt. Die SPD will indes nicht aufgeben. Ihre Fraktion behalte sich vor, für gemeindeeigene Grundstücke im südlichen Bereich eine Änderung des Bebauungsplanverfahrens oder Befreiungen von dessen Regeln zu beantragen, gab Ulrike Schweizer zu Protokoll. Bei den Vergabekriterien könnte es noch Nachbesserungen geben. Die legen unter anderem fest, dass ein Bauträger, der zum Zuge kommt, 24 Monate nach Ende der Erschließung mit dem Bau beginnen und ihn innerhalb von vier Jahren abgeschlossen haben muss. Ansonsten kann die Gemeinde eine Nachzahlung von Kaufpreis plus Wertsteigerung verlangen. Damit hofft die Gemeinde auch, der Gefahr von Spekulationen vorzubeugen, die Dr. Eva Schüßler ausgeschlossen haben wollte. Bürgermeister Köpfle sicherte aber zu, das noch einmal rechtlich prüfen zu lassen.