Langenbergschüler in La Rochefoucauld
In der Birkenauer Partnergemeinde haben die Schüler eine Menge Spaß, erleben aber auch Momente der Trauer
Mit annähernd gewohnter Gruppenstärke konnten die Schüler der Langenbergschule erneut zu ihrer Partnerschule nach La Rochefoucauld reisen. Ganz sicher mussten Interessierte nicht abgewiesen werden. Noch ist das Gegenteil der Fall und die Organisatoren der diesjährigen Austauschfahrt, Anke Arndt und Nicolas Martin, mussten bereits vor den Sommerferien kräftig die Werbetrommel rühren. Es ist eben doch kein kleines Abenteuer und nur die Mutigen wagen die Fahrt ins Unbekannte.
Nachdem die Gruppengröße also schleppend auf 19 Teilnehmer angewachsen war, machte sich Französischlehrerin Anke Arndt an die Organisation der Fahrt: Partner zuordnen, Zuschüsse beantragen, Züge buchen und vieles mehr. Über die Sommerferien nahm auch die Aufregung der Jugendlichen zu, erste Kontakte wurden geknüpft und am 8. Oktober ging es endlich mit dem 10 Uhr-Zug über Karlsruhe und Straßburg nach Angoûleme, wo die deutschen Gäste von ihren Familien abgeholt wurden.
Die ersten Tage waren wie gewohnt anstrengend in der fremden Umgebung, mit fremden Menschen und auch noch unbekanntem Essen. Tapfer kämpften sich alle durch diesen Gewöhnungsprozess und nur einige erlitten Heimwehrückschläge aufgrund langer Telefonate mit ihren Familien. Dabei wurde uns mal wieder viel geboten. Bereits am ersten Tag fand am Collège Jean Rostand die Science-Messe statt, bei der den Schüler Wissenschaft und wissenschaftliche Kuriositäten nähergebracht wurden. Im Kletterwald kamen sich die Deutschen und ihre „Corres“ in den Bäumen näher, genauso wie bei der Stadtrallye in La Rochefoucauld und Angoulême. Höhepunkt war schließlich der Ausflug in den Filmfreizeitpark „Futuroscope“ in Poitiers.
Spaß, aber auch Angst und Trauer
Die LBS-Schüler fühlten sich zunehmend wohl, wurden mutiger und nahmen immer mehr Kontakt auch zu anderen Franzosen auf dem Schulhof, im Unterricht oder in der Mensa auf, sodass sie gewappnet waren für das Wochenende allein in ihren Familien. Nach Ausflügen ans Meer, in Affenparks oder sportlichen Aktivitäten war die Reise schon fast erfolgreich beendet, als die Teilnehmer nicht mehr nur Spaß und Freude mit ihren Corres teilen sollten, sondern Unruhe, Angst und Trauer.
Am Montagmorgen nahmen sie an einer Schweigeminute zum Gedenken an den vor drei Jahren ermordeten Samuel Paty und den am Freitag ermordeten Gymnasiallehrer aus Nordfrankreich teil. Auch die Abschiedsfeier wurde abgesagt und stattdessen über Demokratie, Toleranz und Recht auf Anderssein diskutiert. Dies ist etwas, was den Teilnehmer sicher in Erinnerung bleiben wird. Dennoch hatten sie so viel mehr in ihrem Rückreisegepäck wie zum Beispiel neue Freunde und neues Selbstbewusstsein. Und so war der Abschied am Bahnhof nach zehn Tagen Aufenthalt wie immer herzzerreißend und fröhlich zugleich.
Auf der Strecke zwischen Paris und Straßburg hatten der Schüler Antonius Rutsch und die begleitende Lehrerin sogar die Gelegenheit, über den Wert von Schüleraustausch und die Gründe für das dennoch geringer werdende Interesse daran mit der ARD-Paris-Korrespondentin Sabine Rau zu diskutieren, die sich zufällig im Zug befand. Und dieser Wert entsteht nur durch den Einsatz der Familien und Organisatoren. Vielen Dank an die Lehrer der Langenbergschule und in La Rochefoucauld und außerdem an den Partnerschaftsverein für die großzügige Unterstützung.