Laudenbach: Ausstellung „Spuren der Zeit“ im Rathaus eröffnet
Die Kunstausstellung "Spuren der Zeit" im Rathaus Laudenbach wurde am Sonntag feierlich eröffnet. Die Werke der Gruppe „Frauen – Kunst – Kultur“, werden noch bis Juni in der Rathausgalerie zu sehen sein.
Laudenbach. Auf einer sattgrünen Wiese rekelt sich eine bunte Kuh, schräg vor ihr steckt ein Halter mit einem Golfball im Boden. „Green Vieh“ hat Monika Reimelt das kleine Bild hintersinnig genannt. Der Paarhufer bekommt im Rathausfoyer Gesellschaft durch eine farbenfrohe, ein größeres Gemälde zierende Artgenossin, ebenfalls gemalt von Reimelt. Sie ist eine von vier Künstlerinnen der Gruppe „Frauen – Kunst – Kultur“, deren Werke noch bis Juni in der Rathausgalerie zu sehen sein werden.
Bei der gestrigen Eröffnung sind Stühle im schmalen Durchgang platziert, und der Hausherr, Bürgermeister Benjamin Köpfle, bedankt sich beim Kunstkreis, der traditionell in jedem Quartal eine Bilderschau in die Verwaltungsräume holt. „Diese Werke sind brandaktuell“, sagt er eingedenk des Ausstellungstitels „Spuren der Zeit“.
Er findet, dass das zu den aktuellen weltpolitischen Umbrüchen passt, und zieht Parallelen zur Kunst, die ebenfalls herausfordere, zum Nachdenken anrege, aber auch aufrege. „Man kann die Werke auch kaufen“, weist er darauf hin, dass Vereinsvorsitzende Edith Stockmann kleine Klebepunkte mitgebracht hat, mit denen man Interesse an den Werken bekunden kann.
Eigene Erfahrungen ...
Stockmann stellt ihrerseits die Gruppe vor, die aus dem Raum Südhessen kommt und sich selbstironisch „FKK“ abkürzt. Neben der bildenden Kunst kann man an diesem Vormittag auch wohlklingende Töne genießen; sie stammen von den Instrumenten, die Flötistin Ute Schleich mitgebracht hat und auf denen sie virtuos spielt.
„Spuren im Sand auf dem Plakat – dezent, etwas verschwommen, fast unauffällig.“ So beschreibt Inge Selig das Motiv für die Ausstellung, das in Mischtechnik gearbeitete, dreifarbige Bild „Schmelze“ von Gaby Brüggemann. Sind da Spuren zu sehen? Kommen sie auf den Betrachter zu, oder entfernen sie sich? In den Gemälden oder Skulpturen würden eigene Erfahrungen künstlerisch verarbeitet oder das Zeitgeschehen aufgegriffen, alles im Dialog mit dem Betrachter.
Sie selbst komme sich im Schaffensprozess auf die Spur, sagt Selig und nennt als Beispiel das Ölpastell „Sie trägt ihr Herz davon“. Es hängt im Treppenhaus, ein in Blau- und Goldtönen gehaltenes Porträt, in dessen Zentrum ein Herz prangt. Daneben ist ein zartes Aquarell platziert; nur halb ist ein Frauengesicht zu sehen, dessen Auge intensiv blickt. „Ungeschützt“ heißt es, während die zwei kleinen Köpfe aus Ton mit einer Redensart betitelt sind, die durchaus wörtlich zu verstehen ist. „Net hinne wie vorn“, das stimmt tatsächlich beim Anblick der nachdenklichen Mienen und abstrakt gearbeiteten Hinterköpfe.
... und Zeitgeschehen
Reimelt setzt sich mit der Natur und Landschaften auseinander; Selig zitiert ihre Gedanken dazu: „Meine Spuren sind Abdrücke und Eindrücke meiner Erlebnisse von Natur, Landschaften, Bergen und Seen, Bäumen, Pflanzen, Tieren und Menschen.“ Da gibt es eine „Gletscherschmelze“ mit intensiv blauem Wasser und zum Thema „Alpen im Wandel“ wieder eine Kuh, diesmal in Blau vor roten Bergen, und weitere, beinahe expressive Landschaften, die mit rustikalem Jodler-Kitsch so gar nichts gemeinsam haben. Aber auch Menschen kommen in ihrer Kunst vor: „Blickrichtung“ nennt sie die Gesichter in Acryl- oder Gouachetechnik.
Brüggemanns Schwerpunkt ist der Klimawandel mit seinen Folgen, der „bereits jetzt deutliche Spuren auf der Erde“ hinterlässt, wie sie zur Ausstellung anmerkt. „Black Sun“, zu Deutsch „Schwarze Sonne“, hat sie ein Werk genannt, dessen Strukturen an die Aufnahmen der Sonne durch Weltraum-Kameras erinnern. Die ganze Palette der Blautöne ist in ihrer „Wasser“-Serie abgebildet, hervorgehoben durch Strukturierungen. Violett und wiederum Blau herrschen vor in der Reihe „Wandel“. Ihre mit Resin überzogenen Bilder erinnern wegen ihres Glanzes an chinesische Lackmalereien, auch wenn die Motive – eine Wüste mit einem verschwommen dargestellten Baum – mit den traditionellen Motiven nichts zu tun haben.
Veronika Petz nähert sich der Thematik über die Landschaftsmalerei: Weite, leere Felder sind da zu sehen, darüber ein bewölkter Himmel, im Hintergrund ein blühendes Rapsfeld. Im Wandel der Jahreszeiten fängt sie immer neue Motive ein, einen Herbstwald mit Farnen oder in „Bitterkalt“ Äste, deren Eiskristalle im Licht der Wintersonne glitzern. Leuchtend bunt sind die Blumenbilder der Malerin: Anthurie oder Heliconia sind naturgetreu eingefangen, eine rot leuchtende Amaryllis vor sattgrünem Hintergrund, ein Buntblatt, das mit kräftigem Orange kontrastiert.
Und im oberen Stock findet man auch, was Köpfle „brandaktuell“ nennt. „Nie wieder Krieg“ heißt Seligs Pastell auf Fotokarton, dessen tiefes Blau die Blicke auf sich zieht.
Die Ausstellung „Spuren der Zeit“ ist noch bis Freitag, 13. Juni, im Rathaus in der Unteren Straße 2 zu sehen, jeweils zu den Öffnungszeiten. Sie sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8.30 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 18 Uhr.