Weinheim

Lions Club spendet ein 3-D-Stadtmodell

Weinheim mit Gefühl erkunden können Besucher jetzt im Schlosshof. Was es zu ertasten gibt und warum die Legende in Blindenschrift geschrieben ist.

Ist alles am richtigen Platz? Bei der feierlichen Enthüllung durch Vertreter der Stadt und des Lions Clubs wurde das 3-D-Modell genau unter die Lupe genommen. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Ist alles am richtigen Platz? Bei der feierlichen Enthüllung durch Vertreter der Stadt und des Lions Clubs wurde das 3-D-Modell genau unter die Lupe genommen.

Weinheims Altstadt auf einem Quadratmeter? Das geht! Möglich macht das ein Modell, das jetzt am Schloss nahe der großen Zeder steht – dreidimensional und aus Bronze. Mit 130 Kilo ist es ein gewichtiges Geschenk, das der Lions Club der Stadt und seinen Bürgern macht. Hintergrund ist das 50-jährige Bestehen des Serviceclubs im Jahr 2021.

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„Unser Jubiläum war Anlass genug, uns Gedanken zu machen, wie wir hier in Weinheim der Stadt und ihren Bürgern ein Dankeschön für so viele Jahre wohlwollende Aufmerksamkeit und Unterstützung bei unseren Aktionen sagen konnten. Unter einigen Ideen und Vorschlägen hatten wir uns dann für ein 3-D-Stadtmodell aus Bronze entschieden“, erklärte Martin Haag, der amtierende Präsident des Clubs, bei der feierlichen Enthüllung.

Rote Kugel als Farbtupfer

Auf dem Modell ist der innere Bereich von Weinheims Altstadt (historisch genauer: der Neustadt) zu sehen – umspannend den Bereich von Schloss und Schlosspark, Hermannshof, Marktplatz und Gerberbachviertel. Weil die Burgen nicht fehlen dürfen, wird am Rande auf Wachenburg und Windeck in Form von Reliefs hingewiesen. Eine kleine rote Kugel ist der einzige Farbtupfer. Sie zeigt den Standort des Modells.

Legende in Blindenschrift

Eine Legende erläutert außerdem den Standort etlicher Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Das Besondere daran: Sie ist sowohl in lateinischen Buchstaben geschrieben, als auch in Braille, der Schrift für blinde Menschen. Denn als Tastmodell erlaubt die Bronzearbeit nicht nur, die Stadt aus der Vogelperspektive zu sehen und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Es stellt vor allem auch für blinde und sehbehinderte Menschen eine wertvolle Hilfe bei der Erkundung der Stadt dar.

Ein Quadratmeter groß und stattliche 130 Kilo schwer: Das Bronzemodell der Weinheimer Innenstadt lädt im Schlosshof in der Nähe der großen Zeder zum Anfassen ein. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Ein Quadratmeter groß und stattliche 130 Kilo schwer: Das Bronzemodell der Weinheimer Innenstadt lädt im Schlosshof in der Nähe der großen Zeder zum Anfassen ein.

„Das Modell ist eine Einladung, Weinheim mit Gefühl zu erkunden“, betonte Pressesprecher Roland Kern, der auch dem Amt für Tourismus und Kultur angehört, in Vertretung des erkranken Oberbürgermeisters. Kern: „Ein Kunstwerk als besondere symbolische Visitenkarten für Weinheim – touristisch und sozial.“ Das Modell ruht auf einem Stahlunterbau, den die Schlosserei Vierheilig aus Weinheim mitgestaltet und angefertigt hat.

Im Lions Club hatte sich Götz Diesbach des Projektes angenommen, den Clubmitgliedern verschiedene Ideen präsentiert, einen dafür geeigneten Anbieter gesucht und es dann bis zur Verwirklichung betreut. Den Auftrag ausgeführt hat die Firma EGO3D Robert Fischer aus Mülheim/Ruhr. Zunächst wurde der Stadtbereich in einem Stadtplan festgelegt. Vom städtischen Vermessungsamt und Landesamt für Geodäsie wurden Höhenmaße sowie Informationen zu Dachformen bereitgestellt. Einige Gebäude, wie Schloss, Rathaus, Kirchen und das Museum sind im Detail fein herausgearbeitet. Das Modell wurde zunächst digital modelliert und als sogenannter Polymerdruck für die Gießerei zur Ausführung des Bronzegusses übergeben. Der fertige Guss musste zum Schluss fein ziseliert und patiniert werden.

Kosten von 36 000 Euro

Das hat mit 36 000 Euro seinen Preis. Die Vertreter des Lions Clubs verwiesen darauf, dass die Kosten von großzügigen Spenden der Volksbank Kurpfalz und der A-Tec-Holding GmbH sowie von den Clubmitgliedern persönlich getragen wurden. Für die Realisierung musste deshalb nicht auf Spendeneinnahmen aus den Clubaktivitäten wie dem Adventskalenderverkauf oder der Tombola zurückgegriffen werden.

Übrigens: Zum 100-jährigen Bestehen der Lions Organisation – sie wurde 1917 in den USA gegründet – hatte der Weinheimer Serviceclub dem Museum der Stadt bereits eine digitalisierte Geschichte der Stadt geschenkt. Diese ist auf einem großen Tischbildschirm im Museum der Stadt zu sehen.