Mann verbrennt Abfälle und will Feuerwehr am Löschen hindern
Der jüngste Vorfall in Lützelsachsen brachte das Fass zum Überlaufen. Nun zieht die Weinheimer Feuerwehr Konsequenzen.
Beleidigungen, Bedrohungen und Behinderungen: Die Weinheimer Feuerwehr hat nach den jüngsten Geschehnissen bei einem Einsatz in Lützelsachsen die Nase voll – und ergreift Maßnahmen. „Es ist ein Punkt erreicht worden, an dem es zu häufig wird“, meint Kommandant Bernd Meyer. „Wir werden uns für die Zukunft dementsprechend aufstellen.“
Mittelfinger gezeigt
Der Vorfall stellte den Tropfen dar, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Feuerwehr wurde am Dienstagnachmittag – einem ohnehin arbeitsreichen Tag – zu einem Brand gerufen. Dort hatte ein Anwohner Gartenabfälle abgefackelt. Das Feuer breitete sich aus. Es drohte, sich auf eine benachbarte Garage sowie auf weitere Bäume und ein Gebüsch auszubreiten. „Der Verursacher war der Meinung, er habe die Lage unter Kontrolle“, erzählt Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach. So habe der Lützelsachsener versucht, die Einsatzkräfte vom Löschen abzuhalten und sie bedrängt. Sie seien beleidigt und ihnen sei der Mittelfinger gezeigt worden. „Irgendwann wurde klar: Wir brauchen die Polizei, um unsere Arbeit machen zu können“, so Mittelbach weiter. Diese rückte dann auch an, um einen ruhigen Ablauf der Löscharbeiten sicherzustellen.
Erst vor einem Jahr ereignete sich ein besonders besorgniserregender Vorfall. Damals griff ein Mann einen Feuerwehrmann an und verletzte ihn so schwer im Gesicht, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Was war passiert? Die Brandbekämpfer wurden im Juni 2022 zu einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus samt Gaststätte im Hainbuchenweg in der Weinheimer Weststadt gerufen. Weil die Wohnung, in der der Brand ausgebrochen war, und vier weitere Appartements nicht mehr bewohnbar waren, sollten die Betroffenen in einem Hotel untergebracht werden. Während noch Details geklärt werden mussten, dauerte dies einem Betroffenen zu lange und er redete sich so in Rage, dass er zum Angriff überging.
Patient reanimiert
Im Mai ereigneten sich in Hemsbach Szenen, bei denen Rettungskräfte behindert und beleidigt wurden. Damals wurde die Freiwillige Feuerwehr gerufen, um einen reanimierten Patienten aus dem ersten Obergeschoss eines Wohnhauses an der Gottlieb-Daimler-Straße in den Rettungswagen zu bekommen. Die Straße war während der Rettungsaktion gesperrt. Auffällig viele Passanten und Autofahrer hätten sich aber von der Sperrung unbeeindruckt gezeigt, teilte die Freiwillige Feuerwehr dazu mit. „Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts musste sich sogar anschreien lassen.“
Übergriffe auf Rettungsdienste und Feuerwehr haben 2022 ein neues Allzeithoch erreicht. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des baden-württembergischen Innenministeriums hervor. Demnach ist die Zahl der erfassten Gewalttaten um 20,3 Prozent höher als noch 2019 (vor der Corona-Pandemie) und auf 225 Straftaten angestiegen. Verletzte gab es mit 104 ebenfalls deutlich mehr (plus 36,8 Prozent). Hinzu kommt eine Dunkelziffer: Nicht selten bringen Einsatzkräfte Angriffe und Beleidigungen gar nicht zur Anzeige. „Es sind schon lange keine Einzelfälle mehr“, kommentierte Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Statistik im März.
Anzeige erstattet
„Die Aggressionen haben in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen“, kritisiert Feuerwehrsprecher Mittelbach auch für den Bereich Weinheim. Was hingegen zunehme, sei die Skrupellosigkeit. Beschimpfungen und Pöbeleien seien für die ehrenamtlichen Kräfte keine Seltenheit. „Man fragt sich wirklich, was in den Köpfen mancher Leute vorgeht. Wir bekleiden ein Ehrenamt!“ Nach den jüngsten Ereignissen ziehe die Feuerwehr nun Konsequenzen. Als allererste Maßnahme werde jetzt ein Erfassungsbogen entwickelt. In diesem sollen betroffene Feuerwehrleute Vorkommnisse festhalten, in denen sie beleidigt und bespuckt werden, in denen ihnen gedroht wird und sie Opfer körperlicher Gewalt werden. Das Ziel ist, das Problem auch im hiesigen Einsatzbereich mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern zu können. Übergriffe sollen so auch konsequenter zur Anzeige gebracht werden. Im Fall des Lützelsachseners ist das bereits geschehen.