Weinheim

Ersthelfer kämpfen nach Unfall in Weinheim um ein Menschenleben (mit Video)

Ein Senior ist ohnmächtig mit seinem VW-Bus durch die Weinheimer Luisenstraße gerast. Manuela Weber (24) kommt an den Unfallort - und erspürt keinen Puls bei dem 85-Jährigen.

Ein 85-Jähriger ist ohnmächtig mit seinem VW-Bus durch die Luisenstraße und in einen Toyota gerast. Notfallsanitäterin Manuela Weber war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Foto: Gabriel Schwab
Ein 85-Jähriger ist ohnmächtig mit seinem VW-Bus durch die Luisenstraße und in einen Toyota gerast. Notfallsanitäterin Manuela Weber war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Manuela Weber ist gerade auf dem Nachhauseweg, als ihr in der Weinheimer Luisenstraße eine panische Frau begegnet. Die 24-Jährige versteht die Situation nicht. Zumindest bis sie nach links schaut und den rauchenden VW-Bulli sieht, der mit ausgelösten Airbags und einem Rad in der Luft zwischen einer Mauer und einem Toyota verkeilt ist. Hinterm Steuer sitzt ein 85-Jähriger. Er ist ohnmächtig. Weber reagiert geistesgegenwärtig, weiß sofort, was zu tun ist, und kümmert sich mit weiteren beherzten Ersthelfern um den 85-Jährigen.

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Über Kreuzung gerast

Doch von Beginn: Ein 85-Jähriger ist auf seinem Weg auf der Luisenstraße am Mittwoch gegen 11.30 Uhr in eine medizinische Notlage geraten. Wie Polizeisprecher Philipp Kiefner erklärt, ist der Mann nach derzeitigem Kenntnisstand dabei auf das Gaspedal gekommen und hat es durchgedrückt. „Plötzlich fuhr er mit hoher Geschwindigkeit über die Kreuzung zur Schulstraße. Schließlich prallte das Auto gegen eine Laterne sowie gegen mehrere geparkte Fahrzeuge“, erzählt Kiefner vom Mannheimer Polizeipräsidium. Schlussendlich schanzte der VW-Bus über eine Mauer, riss den dortigen Busch mit sich und krachte in einen parkenden Toyota.

Ein Rucksack lag in der Nähe des Fahrzeuges. Die Feuerwehr konnte nicht ausschließen, dass sich ein Mensch unter dem Bulli befindet. Foto: Gabriel Schwab
Ein Rucksack lag in der Nähe des Fahrzeuges. Die Feuerwehr konnte nicht ausschließen, dass sich ein Mensch unter dem Bulli befindet.

Kurz darauf kommt Manuela Weber an den Unfallort. Mit der Mörlenbacherin ist die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort – die 24-Jährige ist Notfallsanitäterin beim DRK-Rettungsdienst Bergstraße. „Ich bin gleich zu dem Mann hin. Er hatte keinen Puls, atmete nicht mehr. Seine Lippen waren blau verfärbt“, berichtet Weber von den Alarmzeichen.

Kampf um ein Menschenleben

Weitere Ersthelfer sind sofort zur Stelle. Zwei von ihnen heben den Senior aus dem Auto und bringen ihn auf dem Boden in Position und es wird unmittelbar mit der Herzdruckmassage begonnen. Weber rennt zu ihrem Auto. Dort hat die Notfallsanitäterin eine Box mit den wichtigsten Utensilien aufbewahrt. In dem Behälter befinden sich etwa Handschuhe, eine Beatmungsmaske und ein Set für intravenöse Zugänge. Währenddessen steht bereits ein Anwohner telefonisch mit der Notrufzentrale in Verbindung und gibt Updates zur aktuellen Lage. Die Sanitäterin und die couragierten Zivilisten versuchen, dem 85-Jährigen das Leben zu retten. Trotz der beruflichen Routine fühlt sich Weber hilflos, wie sie unserer Redaktion erzählt. „Ich hatte nicht die richtigen Materialien, die ich gehabt hätte, wenn ich im Rettungswagen unterwegs gewesen wäre.“

Es hilft nichts: Die 24-Jährige übernimmt die Beatmung und leitet die Helfer weiter bei der Herzdruckmassage an. Der Puls des Seniors kehrt zurück, wenngleich schwach. Anders verhält es sich mit der Atmung. Als der Mann erbricht, stoppt die Notfallsanitäterin die Beatmung. Sie macht sich gerade daran, einen Zugang für Medikamente vorzubereiten, da rücken auch schon ihre baden-württembergischen Kollegen an und übernehmen den Patienten. Sie sind schnell vor Ort und dennoch keinen Moment zu früh – in Fällen wie diesem zählt jede Sekunde. Sie übernehmen die Rettungsmaßnahmen und legen dem Senior ein Reanimationsgerät an, bevor es mit Blaulicht und Sirene ins Krankenhaus geht. „Es war eine Teamleistung von vielen Menschen. Jeder hat getan, was er konnte“, sagt ein 33-jähriger Ersthelfer unserer Redaktion.

Manuela Weber hat bei ihren Einsätzen als Notfallsanitäterin, obwohl sie erst 24 Jahre alt ist, schon viel erlebt. Foto: privat
Manuela Weber hat bei ihren Einsätzen als Notfallsanitäterin, obwohl sie erst 24 Jahre alt ist, schon viel erlebt.

Zwischenzeitlich sind auch Feuerwehr und Polizei vor Ort. Die Brandschützer sind mit 17 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen angerückt. Nervosität liegt in der Luft. Denn die Unfallstelle direkt vor der Stadtbibliothek ist ein belebter Ort – es sind viele Passanten unterwegs. Und dann macht einer der Fußgänger die Einsatzkräfte auf einen Rucksack aufmerksam, der in der Nähe des verunfallten Bullis liegt. „Da der VW-Bus ein großes Gebüsch mitgerissen hatte, das sich unter dem Auto befand, konnten wir nicht ausschließen, dass sich jemand unter dem Fahrzeug befindet“, erzählt Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach.

„Jedem war klar: Jetzt muss es schnell gehen.“ - Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach

„Jedem war klar: Jetzt muss es schnell gehen“, so Mittelbach. Der Bulli wird mit einem pneumatischen Wagenheber und einem Spreizer in die Höhe gehievt. Dann das Aufatmen: Es befindet sich niemand unter dem Wagen. Der 85-Jährige wird nun in einem Krankenhaus behandelt. Sein Zustand war am Nachmittag Tag kritisch. Nach dem beherzten Einsatz von Notfallsanitäterin Manuela Weber hatte der Senior zwar wieder einen Pulsschlag. Nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei hat er aber noch nicht das Bewusstsein zurückerlangt. Wie hoch der Sachschaden ist, der durch den Unfall entstanden ist, wird derzeit noch ermittelt.

Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst waren in der Luisenstraße im Einsatz. Foto: Gabriel Schwab
Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst waren in der Luisenstraße im Einsatz.

Erst am Montag ist es zu einem schweren Unfall zwischen Weinheim und Birkenau gekommen, weil ein 69-Jähriger in eine medizinische Notlage geraten war (wir haben berichtet).