Glosse

Moment Mal: Königsnuss und Reiterfleisch

In der heutigen Ausgabe wundert sich Redakteurin Stephanie Kuntermann über klingende Namensschöpfungen wie "Arabisches Reiterfleisch" oder "Byzantiner Königsnüsse", die wie einen glaubend machen, es seien exotische Zutaten – doch in Wahrheit steckt dahinter oft nur eine clevere Erfindung.

Foto: Getty Images / WNOZ-Collage

Manche Namen sind ja einfach genial. „Arabisches Reiterfleisch“ ist so einer. Vor dem geistigen Auge schwanken ganze Nomadenstämme auf Kamelrücken durch die Wüste, und am Lagerfeuer wird der Feierabend mit frisch erlegten Kaninchen eingeläutet. Das Gericht mit der klangvollen Bezeichnung wurde vor 70 Jahren durch Fernsehkoch Clemens Wilmenrod bekannt gemacht. Wilmenrod behauptete später in einem Buch, genauso habe er das Rezept kennengelernt.

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Und dann sind da noch die Byzantiner Königsnüsse; ein Schiff liefert sie an, direkt aus dem Nahen Osten, sie leuchten goldgelb, duften und wandern direkt in die runden Schokopralinen. So erzählte es jedenfalls vor 30 Jahren ein Reklamefilmchen. Nichts von alledem ist wahr, alles erlogen, genau wie die Sache mit der Piemontkirsche. Was dem getäuschten Käufer bleibt, ist immerhin der Genuss des Doppelsinns. Beim Reiterfleisch kann man überlegen, ob es nun vom Reiter oder gar aus dem Reiter stammt. „Alles andere hat auch keine Königsnüsse“, säuselt die Ferrero-Frau im Werbespot, bevor sie sich eine mit Nüssen bestreute Kugel in den Mund steckt. Und auch hier bleibt offen, was sie wohl meint. stk