WNOZ-Glosse

Moment Mal: "Eine Frage der Absprache"

Unsere Autorin beobachtet jeden Samstag eine perfekt getimte Geräuschkulisse aus Laubbläsern, Rasenmähern und Häckslern. Zufall oder steckt eine koordinierte Nachbarschaftsstrategie dahinter?

Foto: WNOZ Collage / Philipp Reimer

Wie machen die das bloß? Jeden Samstag erlebe ich ein Musterbeispiel an Organisation, eine perfekt eingespielte Choreografie. Pünktlich um 7.53 Uhr geht es los: Nach zwei Hustern startet der Laubbläser ein paar Häuser entfernt. Einige Minuten lang kämpfe ich mit dem Schlaf, doch der Motor, der mittlerweile seinen Rhythmus gefunden hat, gewinnt.

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Ich quäle mich aus dem Bett. Kaum habe ich die Hunde nach draußen gelassen und die Zeitung geholt, wird das Gerät abgestellt. Durch das nun einsetzende Klingeln in den Ohren hätte ich fast den Beginn des Grünpflegeprogramms nebenan verpasst, aber ich bekomme es gerade noch mit: Fluchend reißt der Nachbar am Anlasser des Rasenmähers, der sich nun knatternd in Bewegung setzt.

Die komplette Gras-Rasur benötigt 54,3 Minuten, das ist ein grob geschätzter Mittelwert. Gegen Ende wird es leiser, da mäht er in größerer Entfernung. So kann ich auch den Bulldog hören, der jetzt im Weinberg seine Runden dreht. Da soll mal einer sagen, sie würden alle gleichzeitig draufloswerkeln.

Nein, das ist Achtsamkeit pur, jeder lässt dem anderen die Bühne für seinen Auftritt, eine Maschine wird aus-, die nächste eingeblendet. Wie machen sie das bloß? Wahrscheinlich gibt es eine Whatsapp-Gruppe, die alles koordiniert.

Das muss man sich dann so vorstellen: „Karlheinz: 7.53 bis 8.17 Uhr: Laubbläser. Herbert: alle 14 Tage, 14 bis 16 Uhr: Kreissäge. Dazwischen haben Platz: Martin (Häcksler), Renate und Michael (Freischneider), Christoph (Bohrer).“ Ich muss unbedingt rauskriegen, wer sie betreibt. Denn es wird Zeit, die Gartenwege zu kärchern. Und das kann ich ja nicht irgendwann tun.

Dieses Moment Mal erschien bereits am Samstag, 5. Juli, in der Printausgabe.