Weinheim

Netto-Posse hört nicht auf: Jetzt meldet Bauträger Insolvenz an

Der geplante Nahversorger für den Weinheimer Ortsteil entwickelt sich allmählich zur unendlichen Geschichte. Dabei hatte es zu Jahresanfang noch so gut ausgesehen.

Die Baustelle am Ortseingang von Sulzbach liegt nun seit etwa eineinhalb Jahren brach. Foto: Thomas Rittelmann
Die Baustelle am Ortseingang von Sulzbach liegt nun seit etwa eineinhalb Jahren brach.

Die Odyssee eines eigenen Supermarkts für Sulzbach entwickelt sich allmählich zur unendlichen Geschichte. Nach Pfusch am Bau durch eine beauftragte Erdbaufirma und einem Stopp der Arbeiten meldet sich nun das Bauträger-Unternehmen zu Wort. Es verkündet, Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt zu haben.

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Diese habe das Frankfurter Unternehmen am 15. Februar beim zuständigen Amtsgericht eingereicht. Ein Rechtsanwalt wurde zum Generalhandlungsbevollmächtigten bestellt. Unternehmenssprecherin Doreen Vasicek betont, dass es "gravierende Unterschiede" zwischen einer gewöhnlichen Insolvenz und einer in Eigenverwaltung gibt. "Da dieses Verfahren klar auf eine Sanierung ausgelegt ist und auch auf die Fortführung des Geschäftsbetriebes durch die bisherige Geschäftsführung des Unternehmens."

Die Gründe

Geschäftsführer Mohamed Younis erklärt die Gründe: „Die notwendige Sanierung ist Folge der kritischen Marktentwicklung mit gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten, der Zurückhaltung bei der Vergabe von Darlehen und der gleichzeitig gesunkenen Nachfrage und Bewertung von Objekten bei potenziellen Käufern. Zudem stocke der Verkauf eines „großen Projektportfolios“ mit einer „namhaften Fondsgesellschaft“. „Das hat im Unternehmen zu wirtschaftlichen Verwerfungen geführt, auf die wir nun reagieren. Wir werden uns so an die neuen Marktbedingungen anpassen“, meint der Geschäftsführer.

Hoffnung auf neuen Investor

Hoffnung wird in einen neuen Investor gesetzt. Mit einem Geldgeber seien entsprechende Gespräche bereits „weit fortgeschritten“. Und was bedeutet das für den Netto-Bau in Sulzbach? Grundsätzlich betont Schoofs Immobilien, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterlaufe. Laufende Bauprojekte, so das Ziel, sollen fertiggestellt werden. Gespräche hierzu würde das Unternehmen zeitnah aufnehmen. Doch auch wenn der insolvente Betrieb in Sulzbach weiterbaut, ist die zeitliche Dimension noch nicht absehbar. Zumindest konnte Sprecherin Doreen Vasicek im vergangenen Monat noch keinen genauen Zeitpunkt benennen.

Probleme schon vorher

Seit etwa anderthalb Jahren herrscht auf der Baustelle, die mit großen gelben Nettoplakaten an den Zäunen umgeben ist, Stille, wo einst die Bagger rollten. Die Bewohner von Sulzbach waren voller Erwartung: Nach einem langen Kampf schien es endlich so, als bekämen sie ihren eigenen Supermarkt im Ort. Doch plötzlich wurde diese Hoffnung zunichtegemacht.

Der Grund? Pfusch am Bau: Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises erklärte auf Anfrage der WN, dass das verwendete Baumaterial der beauftragten Erdbaufirma die Grenzwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung überschritten hatten. Es musste erneut in den Boden gegraben werden: Ein Teil des aufgefüllten Materials (insgesamt 4650 Kubikmeter) mussten ausgetauscht werden, gefolgt von weiteren umfangreichen Untersuchungen, für die ein externer Gutachter hinzugezogen wurde. Schoofs Immobilien leitete zwischenzeitlich rechtliche Schritte gegen die Erdbaufirma ein.

Zwischenzeitlich, so Rathaussprecher Roland Kern, gab es wieder grünes Licht: „Unser Baurechtsamt hat Anfang Januar 2024 eine Teilbaufreigabe für die Rohbauarbeiten erteilt.“ Damit könnten die Bagger theoretisch wieder rollen. Doch in der Praxis ist die Lage weniger klar.

Geplant ist ein Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von 1424 Quadratmeter (inklusive Nebenräumen). Es soll ein Gründach haben und eine Ladesäule für E-Autos eingerichtet werden.