Noch kein Zuhause für Kleinkinder Carlo, Emil und Bruno in Sicht
Der Aufruf löste eine Welle der Anteilnahme aus: Die kleinen Kinder Emil, Bruno und Carlo mussten aus der Obhut ihrer Eltern genommen werden. Doch hat das Bubentrio immer noch kein neues Zuhause ...
Die kleinen Kinder Emil, Carlo und Bruno haben immer noch kein Zuhause. Gewalt, Vernachlässigung und Drogenmissbrauch: Die Jungs mussten in ihrem kurzen Leben schon einiges mitmachen. Dass sie bei ihren leiblichen Eltern bleiben: ausgeschlossen. Seit das Heidelberger Jugendamt sie in Obhut nahm, unternimmt es alle Anstrengungen, um die Knirpse endlich in die liebevollen Hände von vertrauenswürdigen Müttern und Vätern zu geben. „Es ist dringend“, unterstreicht Rathaus-Sprecherin Christina Euler im Gespräch mit den WN.
Aufruf über Medien
Rückblick: Anfang Mai erregte der Fall des erbarmungswürdigen Kindertrios viel Aufmerksamkeit im Internet. Das Jugendamt und die Stadt Heidelberg griffen zu einer nicht alltäglichen Maßnahme, als sie das Gesuch für den 18 Monate alten Bruno, den fast zweijährigen Emil und den zwei Jahre alten Carlo öffentlich machen. Denn das bedeutete auch, datenschutzrelevante Details der Kinder in die Öffentlichkeit zu tragen. „Es muss jeder Einzelfall für sich betrachtet werden“, erklärt Sprecherin Euler hierzu. Der Erfolg war es wert: Im vorliegenden Fall habe der öffentliche Aufruf zu sehr vielen Reaktionen geführt.
Die Inobhutnahme eines Kindes wird im achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII) geregelt. Nach Paragraf 42 SGB VIII ist das Jugendamt berechtigt und verpflichtet, Minderjährige in Obhut zu nehmen, wenn diese darum bitten oder Gefahr für ihr Wohl besteht.
Wird ein Kind oder Jugendlicher gegen den Willen der Eltern in Obhut genommen, ist nach Paragraf 1632 BGB eine gerichtliche im Entscheidung erforderlich. Falls das auch in Eilverfahren nicht rechtzeitig möglich ist, genügt zunächst die hoheitliche Entscheidung des Jugendamts.
Sozialpädagogen kennen verschiedene Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung beim Kind: seine äußere Erscheinung (Unterernährung, Verletzungen) oder sein Verhalten (Übergriffe gegen andere, Straftaten, Apathie).
Bei den Erziehungsberechtigten gibt es folgende Kriterien: ihr Verhalten (Gewalt, mangelnde Ernährung oder Krankenbehandlung, Isolierung), die familiäre Situation (Obdachlosigkeit, Einsetzen der Kinder zum Betteln), die persönliche Situation der Eltern (Alkohol, Drogen, Verwirrtheit) oder die Wohnsituation (Müll). stk
Das hat aber auch mit dem Leid zu tun, das die Jungs erfahren haben. Es löste eine große Welle von Mitgefühl aus. Emil, der Vernachlässigung und körperliche Gewalt erfahren hat. Bruno, dessen Eltern sich in den Alkohol- und Drogenkonsum flüchteten. Carlo, der Mutter und Vater einfach zu viel wurde.
Das Kinder- und Jugendamt Heidelberg erklärte in seiner Pressemitteilung, dass die drei Kinder dringend Eltern brauchen, die sich ihner dauerhaft annehmen und dabei vor allem viel Geduld mitbringen.
Dauerhaftes Zuhause
Es ist Eile geboten: Im vorliegenden Fall sei die Dringlichkeit aufgrund des noch sehr jungen Alters der Kinder gegeben, erklärt Sprecherin Euler. Gerade für so junge Kinder seien feste Bindungen und Bezugspersonen besonders wichtig. Nur so könnten sich die Kleinen gesund entwickeln. Ein Wechsel von Betreuungspersonen sollte deshalb dringend vermieden werden. So sucht das Amt ausdrücklich nach einem „Zuhause auf Dauer“.
Wo sind die Kinder aktuell?
Ein solches Zuhause zu finden, ist keine leichte Aufgabe und die Zeit bis dahin muss überbrückt werden. Zur vorläufigen Unterbringung von Kindern in Not- und Krisensituationen gibt es Jugendhilfeeinrichtungen, die sogenannte Inobhutnahmeplätze anbieten.
Häufig erfolgt die Aufnahme von Säuglingen und sehr jungen Kindern in Notfällen auch in Bereitschaftspflegefamilien. Kinder kommen dort vorübergehend unter, bis man eine geeignete Lösung für sie gefunden hat. Das Jugendamt gibt gegenüber den Weinheimer Nachrichten aber an, dass die Kapazitäten zur Notfallaufnahme von Kindern begrenzt sind. Die stationäre Erziehungshilfe sei in „besonderer Weise“ vom Fachkräftemangel betroffen. Von den zehn Plätzen, die dem Jugendamt Heidelberg im Bereich Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung stünden, sei die „überwiegende Zahl“ aktuell belegt. Dies ist sicherlich keine Situation, die den Fall der drei jungen Kinder und auch die grundsätzliche Lage vereinfachen – im Gegenteil. Das Amt hat nun alle Hände voll zu tun. Derzeit ist es damit beschäftigt, die eingegangenen Rückmeldungen zu sortieren. Zudem werden erste Gespräche mit potenziellen Müttern und Vätern geführt. Für die jungen Kinder bleibt aber vorerst weiterhin offen, in welchem Umfeld sich ihr zukünftiges Leben abspielen wird.
Die Stadt Heidelberg bietet Familien, die ein Pflegekind aufnehmen möchten, eine individuelle und ausführliche Begleitung durch die Mitarbeiter der Pflegestellenvermittlung und -betreuung. Außerdem bekommen Pflegeeltern eine finanzielle Vergütung. Nähere Auskünfte erhalten Interessierte beim Kinder- und Jugendamt, Katie Gackenheimer, unter der Telefonnummer 06221 / 5837770.