Norbert Jahn ist tot
Der Vorstand des Weinheimer Muddy’s Club ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Ben Schmidt.
Norbert Jahn ist tot. Er starb mit nur 65 Jahren. Diese Nachricht schockierte den „Blue Planet“ – die blaue Community. Die Weinheimer Blues- und Jazzszene trauert. Norbert Jahn war einer der langjährigsten und treuesten Aktiven des Muddy’s Club. Als künstlerischer Leiter, der er bereits in den 2000er-Jahren war, trat er 2019 erneut an, um den Club aus einer schwierigen Lage zu führen – seit Herbst 2022 in der Funktion des 1. Vorstands. Ein Nachruf von Ben Schmidt, Freund, langjähriger Wegbegleiter und Präsident der „Beyond Blue Connection“:
Mich traf die Nachricht wie ein greller Blitz in tiefer, schwarzer Nacht. Über 30 Jahre lang sind wir durch „dick und dünn“ gegangen. In all den Jahren war Norbert ein guter Freund, treuer Weggefährte und liebenswerter Kamerad. Mit ihm hat die Soziokultur in Weinheim eine ihrer wichtigsten Persönlichkeiten und tragenden Säulen verloren. Irgendwann tauchte der „Cleanhead“, wie ihn manche wegen seiner „Frisur“ nannten, bei einem Konzert in Muddy’s Club auf. Es sollte daraus eine lange, ganz besondere „Liebes“-Beziehung unter Männern werden.
Seine soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz entstanden in der Familie. Alles andere holte sich Norbert aus dem Kosmos. In den 90er-Jahren arbeitete er im „WOM – World of Music“ in Mannheim, ein Soziotop für Musik-Freaks aller Art, später absolvierte er eine Umschulung und Fortbildung zum Mediengestalter. Bei Belaphon Records in Frankfurt war er zunächst als Grafiker, dann später verantwortlich für die Künstlerbetreuung und den Kontakt zu englischen Labels. Durch den „Niedergang“ des Platten- und CD-Geschäfts wurde Norbert allerdings arbeitslos.
„Scheibendreher“
Es folgte eine gemeinsame Zeit, über die ich persönlich besonders glücklich bin. Längst war Norbert im Muddy’s Club, im Café Central und durch seine sozialpädagogische Arbeit in der Multschule aktiv und integriert. Er arbeitete bei den Veranstaltungen und der Künstlerbetreuung mit und engagierte sich beim Imola-Austausch. Mit seinem Projekt „Babylon Sound Experience“ (BSE) legte er im Café Central sehr erfolgreich Tonträger auf. Er bekam dort seine eigene Reggae-Nacht. Auch in dem Weinheimer Blues- und Jazzclub übernahm der DJ mit seiner riesigen Sammlung besondere Themenabende. Bald war er einer der kompetentesten „Scheibendreher“ der Region – nicht nur mit Musik aus Jamaika. Besonders gerne erinnere ich mich an zwei Aufgabenfelder in dieser Ära: den „Blues-Express“ und „Black & Blue Radio“. Der „Blues-Express“ war unser „Zentralorgan“ mit einer Auflage von damals immerhin 2000 Exemplaren. Allmonatlich berichteten wir darin über das Programm in Muddy’s Club.
Esprit, Witz und Wissen
Wir versuchten mit Esprit, Witz und Wissen ein interessantes Infoblatt zu gestalten. Und ich glaube, das ist uns auch gelungen. Wir arbeiteten abends zwischen Herd- und Schallplatten. Denn der Freigeist war ein vorzüglicher Hobbykoch und Gourmet. Während ich das Essen genoss, stellte mir der „Hausherr“ seine neusten Tonträger-Errungenschaften vor. Diese Nächte waren ein unvergessliches Vergnügen aus gemeinsamer Arbeit, Musikhören, Genießen und Gesprächen. Ein besonderes Geschenk.
Ähnlich verhielt es sich mit unserem „Black & Blue Radio“ beim „Bermuda Funk“. Norbert hatte bei dem „Freien Radio“ in Mannheim eine eigene Reggae-Sendung. Unser Mann setzte bei dem Verein durch, dass wir eine weitere Stunde Programm bekamen – „Black & Blue Radio“ eben. Dem Radiomachen ist Norbert bis zu seinem Tode treu geblieben. Regelmäßig machte er Sendungen für „Querfunk – Freies Radio Karlsruhe“. In der Pandemie-Zeit gelang es uns immerhin, mit „Black & Blue Radio“ zwei Sendungen für das „Weinheimer Weihnachtsradio“ zu produzieren. In diese Zeit fällt auch die Entstehung von „creActiv Soziokulturelle Schulprojekte e. V.“. 2007 gehörte Norbert Jahn zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Norbert war auch als Geschäftsführer eine wichtige Hilfe und Unterstützung in der Situation des persönlichen und institutionellen Umbruchs. Ich bin froh, dass ich Norbert als Nachfolger als Künstlerischen Leiter im Muddy’s Club gewinnen konnte. Norbert war der richtige „blaue Fackelträger“. Er hat den Kern von „Muddy’s Club“ bewahren können. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, den Club mit seiner „eigenen Note“ zu bereichern.
Norbert war immer eine stabile Brücke zwischen dem Soziokulturellen Zentrum und „creActiv / Beyond Blue Connection“ – nicht nur aus persönlicher Verbundenheit, konzeptioneller Einsicht oder kulturellem Selbstverständnis. Ich persönlich und wir als Gruppe haben mit Norbert Jahn einen lieben Freund verloren. Und die Welt eine besondere blaue Seele. Er war ein vielarmiger Kronleuchter, dessen Kerzen von beiden Seiten brannten – für das Gute und Schöne in der Welt.