Oberbürgermeisterwahl am 3. Mai

OB-Wahl Weinheim: Das sagen die Kandidaten zur Förderung des Ehrenamts

Im dritten Teil unserer Mini-Serie erklären die Kandidaten, wie sie die Ehrenamtsförderung in Weinheim in finanzieller, organisatorischer und ideeller Hinsicht verbessern wollen.

Einmal lädt die Stadt Weinheim Ehrenamtliche zu einem Fest in den Schlosshof ein, als Zeichen der Wertschöpfung für ihr Engagement. Wie stellen sich die OB-Kandidaten die Ehrenamtsförderung in Zukunft vor? Foto: Fritz Kopetzky
Einmal lädt die Stadt Weinheim Ehrenamtliche zu einem Fest in den Schlosshof ein, als Zeichen der Wertschöpfung für ihr Engagement. Wie stellen sich die OB-Kandidaten die Ehrenamtsförderung in Zukunft vor?

Weinheim. Das Rennen um die Nachfolge von Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just ist in vollem Gange. Die WN-Redaktion ermöglicht in einer Mini-Serie den direkten Vergleich. Alle Bewerber haben drei Fragen erhalten, die Antworten durften jeweils maximal 1.300 Zeichen haben. Im dritten und letzten Teil geht es heute um diese Frage: Was muss sich – trotz oder wegen knapper Kassen – bei der Förderung des Ehrenamts ändern in finanzieller, organisatorischer und ideeller Hinsicht?

Die OB-Kandidaten für Weinheim: Obere Reihe von links: Heiko Stilgenbauer, Wolfram Bernhardt, Michael Möslang. Mittlere Reihe: Marcel Fieger. Untere Reihe von links: Alexandra Kriegel, Carsten Labudda und Matthias Hördt. Bildnachweise: Bildbrauerei, Daniel Lukac, privat, Roman Janz, Thomas Rauch, privat, Jan Brockwitz. Foto: WNOZ-Grafik
Die OB-Kandidaten für Weinheim: Obere Reihe von links: Heiko Stilgenbauer, Wolfram Bernhardt, Michael Möslang. Mittlere Reihe: Marcel Fieger. Untere Reihe von links: Alexandra Kriegel, Carsten Labudda und Matthias Hördt. Bildnachweise: Bildbrauerei, Daniel Lukac, privat, Roman Janz, Thomas Rauch, privat, Jan Brockwitz.

Alexandra Kriegel

Das Ehrenamt mit seinen vielfältigen Angeboten leistet einen enormen Beitrag zur Lebensqualität und Lebendigkeit von Weinheim. Es ist unentbehrlich für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Förderung von Jugendarbeit. Ob im Sport, bei Integration oder Kultur – in vielen Bereichen stehen die Ehrenamtlichen, Vereine und Initiativen, die Feuerwehr, Rettungs- und Hilfskräfte der Stadt seit vielen Jahren als verlässliche Partner zur Seite. Hier ist nach meinem Eindruck zuletzt viel Vertrauen verspielt worden, das wir unbedingt zurückgewinnen müssen. Sollte die städtische Haushaltsentwicklung finanzielle Einschnitte bei der Förderung des Ehrenamts erforderlich machen, so müssen wir diese im Einzelnen und auf Augenhöhe mit den Verantwortlichen diskutieren. Dabei geht es mir um Transparenz und Planbarkeit. Keinesfalls dürfen rückwirkende Einsparungen vorgenommen werden, die für die Empfänger nicht vorherseh- und steuerbar sind. Im Hinblick auf die ideelle Förderung will ich die bereits bestehende Stelle der Ehrenamtsbeauftragten von anderen Aufgaben entlasten, damit sie sich ausschließlich um das Ehrenamt kümmern und eine wichtige Scharnierfunktion in die Stadtgesellschaft übernehmen kann. Dabei geht es um mehr Wertschätzung, um Sichtbarkeit und Vernetzung.

Matthias Hördt

Die Förderung des Ehrenamts ist in Weinheim grundsätzlich gut aufgestellt. Trotzdem gibt es Bereiche, in denen wir nachjustieren müssen. Einschnitte werden sich wohl nicht vollständig vermeiden lassen, doch sie sollten mit Augenmaß erfolgen. Viele Förderbeträge für Vereine sind klein, aber sie wirken: Sie motivieren, zeigen Wertschätzung und halten Engagement am Laufen. Gleichzeitig verursacht ihre Bearbeitung oft mehr Verwaltungsaufwand als der Betrag selbst. Hier braucht es pragmatische Lösungen, ohne die Vereine im Regen stehen zu lassen. Denn jeder Euro fürs Ehrenamt spart später vielfach Kosten in Verwaltung, Sozialarbeit und Integration. Besonders wichtig ist, weiterhin Räume zu bezahlbaren Konditionen bereitzustellen. Diese Unterstützung trägt wesentlich dazu bei, dass Weinheims soziale Infrastruktur so stabil ist. Investitionen in Sportanlagen und andere von Vereinen genutzte Immobilien bleiben notwendig – auch wenn sie nicht immer sofort möglich sind. Viele sinnvolle Projekte stehen noch auf der Wunschliste. Ohne private Spenden und das Engagement Einzelner gäbe es vieles nicht. Die Stadt muss sorgfältig prüfen, was leistbar ist. Entscheidend ist, gemeinsam mit den Ehrenamtlichen Lösungen zu finden, die tragfähig und fair sind.

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Michael Möslang

Die Förderung des Ehrenamts kostet nicht nur Geld – sie spart der Stadt auch Geld und macht sie menschlicher, lebendiger und leistungsfähiger. Vereine, Glaubensgemeinschaften und sozial Engagierte leisten jeden Tag Enormes, oft wirtschaftlicher, pragmatischer und näher an den Menschen, als es eine Verwaltung allein könnte. Das habe ich auch aus eigener Erfahrung gelernt. Vor Jahren habe ich einmal vorgeschlagen, Vereinszuschüsse zu kürzen. Mit Blick auf den Gemeindehaushalt hielt ich es für geboten. Wirtschaftlich und menschlich war es rückblickend ein Fehler. Der Schaden an Vertrauen und Wertschätzung war größer als jede Einsparung. Seitdem ist für mich klar: Ehrenamt ist kein freiwilliger Luxus, sondern macht Gemeinde zu Gemeinschaft. Deshalb will ich die Förderung des Ehrenamts stärken – finanziell, organisatorisch und ideell. Vereine müssen verlässliche Unterstützung bekommen. Ehrenamtliche Ortschaftsräte und Ortsvorsteher brauchen echte Entscheidungsspielräume für pragmatische Lösungen vor Ort. Bei frühkindlicher Bildung, Ganztagesangeboten und neuer Sportinfrastruktur sehe ich großes Potenzial für starke Partnerschaften zwischen Stadt und Ehrenamt. Außerdem will ich direkt beim Oberbürgermeister einen festen Ansprechpartner für Vereine, Glaubensgemeinschaften und soziale Initiativen schaffen. Es braucht einen Kümmerer, der mitdenkt, unterstützt und möglich macht. Und es braucht eine Kultur der Wertschätzung für Ehrenamt in der Verwaltung. Dafür werde ich kämpfen.

Wolfram Bernhardt

Auch bei knappen Kassen gilt: Das Ehrenamt ist das Rückgrat der Stadt. Hier zu sparen, wäre kurzsichtig. Was sich ändern muss, ist weniger eine Frage des Geldes als der Haltung und Organisation. Erstens: Wir müssen den Austausch mit Vereinen und Initiativen intensivieren. Wer sich engagiert, weiß am besten, wo der Schuh drückt. Diese Rückmeldungen müssen stärker in Entscheidungen einfließen. Zweitens: Bürokratie abbauen. Förderanträge, Auflagen und Nachweise sind oft zu kompliziert. Wir sollten Verfahren vereinfachen, Anforderungen reduzieren und pragmatische Lösungen ermöglichen. Drittens: Ehrenamt braucht Räume. Im wörtlichen und übertragenen Sinn. Vereine und Initiativen müssen Orte haben, um sich zu treffen, zu arbeiten und sich öffentlich zu präsentieren, um neue Mitstreiter zu gewinnen. Viertens: Wir müssen junge Menschen gezielter ansprechen. Ehrenamt muss Freude machen, flexibel sein und sich mit Ausbildung, Beruf und Familie vereinbaren lassen. Und schließlich: mehr Wertschätzung. Nicht nur in Worten, sondern sichtbar im Alltag, durch Unterstützung, Anerkennung und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer sich engagiert, verdient Respekt und Rückenwind.

Marcel Fieger

Wir müssen aufhören, das Ehrenamt als selbstverständlich zu betrachten. In den vielen Gesprächen der letzten Wochen habe ich eines immer wieder gehört: Es fehlt an einem ernst gemeinten „Danke“. Bei mir wird es keine politischen Floskeln geben. Ich schaue den Menschen in die Augen und schätze sie für das wert, was sie tun und wer sie sind. Ich will den „Elfenbeinturm“ der Politik einreißen. Wir sind die Vertreter der Menschen, nicht deren Verwalter. Deshalb habe ich die „Mission 2030“ ins Leben gerufen. Mein Ziel ist es, durch harte Arbeit und echte Effizienz die Papierschlacht im Rathaus zu beenden und unnötige Ausgaben zu senken. Wir investieren heute Schweiß und Struktur, damit wir in den 2030er-Jahren die Lorbeeren einer modernisierten Stadt ernten können. In finanzieller Hinsicht bin ich ehrlich: Ich kann keine Alleingänge bei Zusagen machen, da der Gemeinderat hier das letzte Wort hat. Aber ich gebe mein Wort: Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass jeder gesparte Euro dort ankommt, wo das Herz unserer Stadt schlägt. Ich kämpfe für unsere Heimat.

Heiko Stilgenbauer

Gerade wenn das Geld knapp ist, darf das Ehrenamt nicht an den Rand gedrängt werden. Im Gegenteil: Dann zeigt sich erst recht, wie wichtig Vereine und freiwilliges Engagement für unsere Stadt sind. Ohne Ehrenamt würde in Weinheim vieles nicht funktionieren. Deshalb braucht es mehr Verlässlichkeit. Förderungen müssen einfacher, gerechter und planbarer werden. Vereine dürfen nicht an Formularen und bürokratischen Hürden scheitern. Es braucht feste Ansprechpartner, schnellere Rückmeldungen und weniger Hürden bei Hallenzeiten, Genehmigungen oder Veranstaltungen. Aber Ehrenamt braucht nicht nur Geld und Organisation, sondern auch echte Wertschätzung. Wer anderen hilft und sich für unsere Stadt einsetzt, soll dafür auch Unterstützung bekommen. Die ehrenamtlich engagierten Weinheimer Bürgerinnen und Bürger verdienen Respekt, Rückhalt und verlässliche Rahmenbedingungen. Für mich ist Ehrenamt kein Randthema, sondern ein Herzstück unserer Stadt. Auch hier gilt: Zuhören. Handeln.

Hier geht’s zu den Antworten auf die erste Frage: Warum sind Sie die richtige Person für dieses Amt? 

Hier geht’s zu den Antworten auf die zweite Frage: Wo sehen Sie in Weinheim die Grenzen des Wachstums?