Paukenschlag an der DBS: Schulleiterin erklärt ihren Rücktritt und übt Kritik an OB Just
Schulleiterin Demet Üstünel-Hartbauer meldet sich per Mitteilung zu Wort und erklärt ihren Rücktritt. Gleichzeitig äußert sie scharfe Kritik an Oberbürgermeister Manuel Just.
Nach der Aufforderung von Oberbürgermeister Manuel Just meldet sich nun die DBS-Schulleiterin zu Wort. In einer Mitteilung erklärt sie, die Dietrich-Bonhoeffer-Schule zu verlassen. "Meine Entscheidung hatte ich nach intensiven Gesprächen und Beratungen mit Verantwortlichen des Regierungspräsidiums Karlsruhe bereits im Laufe letzter Woche getroffen", schreibt die Oberstudiendirektorin.
"Damit möchte ich den Weg für die weitere Entwicklung der Dietrich Bonhoeffer Schule frei machen. Momentan bin ich erkrankt. Sobald es mir wieder besser geht, werde ich eine andere Aufgabe übernehmen", so Üstünel-Hartbauer weiter.
Geplant sei gewesen, dass sie am Anfang der kommenden Woche zunächst dem Kollegium die Entscheidung mitteile, und dass das Regierungspräsidium dann die Beteiligten und - im Anschluss - die Öffentlichkeit informiert. "Ich bedauere es sehr, dass durch die unabgestimmte Pressemitteilung des Oberbürgermeisters die Kommunikation nun zunächst über die Medien erfolgen muss."
Scharfe Kritik am OB
Gleichzeitig äußert sie scharfe Kritik an Oberbürgermeister Manuel Just. Sie sei menschlich tief enttäuscht darüber, von der Stadt in dieser Weise öffentlich vorgeführt worden zu sein: "Leider habe ich hier den Eindruck, dass Herrn Just das Fischen nach Wählerstimmen wichtiger ist als der anständige Umgang mit Menschen." Auch sei ihr die Möglichkeit genommen worden, den Schritt des Rücktritts geordnet zu gehen.
Mit seiner Mitteilung habe Just das Gegenteil des gewünschten Effekts erreicht: "Nicht nur trägt er damit nicht zur Sicherung des Schulfriedens bei, sondern verunsichert Elternschaft, Schüler sowie das gesamte Kollegium zutiefst."
Was zuvor geschehen war
- Vor etwa vier Wochen verbreitete sich eine Hiobsbotschaft wie ein Lauffeuer durch die Klassenzimmer. Damals wurde bekannt, dass das Regierungspräsidium den verdienten Vertrauenslehrer Peter Plattmann von der Schule nehmen will.
- Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen organisierten in Windeseile eine Demonstration gegen dieses Vorhaben. Rund 80 von ihnen standen mit Bannern und Plakaten vor dem Schulsekretariat von Leiterin Demet Üstünel-Hartbauer, der sie die Schuld gaben.
- Nach Informationen der WN/OZ soll Plattmann eine gesammelte Kritik von Lehrern, Eltern und Schülern gegen die Leiterin vorgebracht haben.
- Kurz vor dem Protest hatte die Leiterin eine Rundmail an die Schüler verschickt, in der sie die drohende Versetzung Plattmanns dementierte. In dieser schrieb sie, dass es nicht korrekt sei, dass der Lehrer „nach den Herbstferien die Schule verlassen muss“.
- Die Demonstration legte die tieben Gräben offen, die sich innerhalb des einen Jahres zwischen Schulleitung auf der einen Seite und Lehrern, Eltern sowie Schülern auf der anderen Seite aufgetan hatten.
- Nach dem Protest schien sich die Lage zu verbessern. Das Regierungspräsidium reiste unmittelbar nach der Demonstration an die DBS. Im Laufe der folgenden Tage und Wochen fanden Gespräche statt. Selbst Plattmann soll nach Informationen der Redaktion Anlass zum Aufatmen bekommen haben.
- Am Dienstagmorgen dann die Kehrtwende. Wieder verschickt die Leiterin eine Mail: "Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat mich darüber informiert, dass Herr Plattmann ab kommendem Montag, 27. November 2023, bis zum 30. Juli 2026 an ein anderes Gymnasium in der Rhein-Neckar-Region abgeordnet wird."
- Die Stimmung kippt, der diplomatische Weg ist gescheitert. Eltern schickten einen Brandbrief mit schweren Vorwürfen ans Regierungspräsidium. Oberbürgermeister Manuel Just forderte die Schulleiterin am Tag darauf dazu auf, die Schule zu verlassen.
Stadt reagiert auf Vorwürfe
Mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärt Rathaussprecher Roland Kern: "Frau Üstünel-Hartbauer hat die Mail des OBs mehrere Stunden vor der Veröffentlichung der Stellungnahme erhalten. Es wäre genügend Zeit gewesen, den Rücktritt mitzuteilen oder überhaupt Kontakt mit dem OB aufzunehmen, wenn die Entscheidung da schon gefallen gewesen wäre." Zumal zuvor bereits ein langes Telefonat stattgefunden habe.
Es sei schade, dass die Schulleiterin selbst in diesem Moment noch mit unsachlichen Unterstellungen reagiere. "Wir wollen ihr mit Kommentierungen dieser Äußerungen nicht weiter schaden", so Roland Kern.
Darüber hinaus begrüße OB Just jedoch den Schritt von Üstünel-Hartbauer, die Schule zu verlassen. Schon am Donnerstagabend habe er von Lehrern und Eltern viel positive Resonanz für seine klare Haltung erfahren, "die nun offenbar die für den Schulfrieden so wichtige Entscheidung ausgelöst hat", sagt der Rathaussprecher.
Schulleiterin Üstünel-Hartbauer erklärte, das Regierungspräsidium werde in der nächsten Woche zu einem runden Tisch mit allen Beteiligten und einem anschließenden Pressegespräch einladen, um dem berechtigten Wunsch nach Transparenz und Information über die weiteren Schritte nachzukommen. Bei diesem Gespräch werde sie für weitere Fragen zur Verfügung stehen.
Aufforderung zum Rücktritt
Der Oberbürgermeister Manuel Just hatte am Donnerstag in Bezug auf die Schulleiterin eine klare Position bezogen. Nach Gesprächen mit Elternvertretern und Lehrkräften empfahl er Üstünel-Hartbauer, die Schule zu verlassen, um den Schulfrieden wiederherzustellen. Er betonte seine Verantwortung als Schulträger und schlug ihr vor, einen Versetzungsantrag zu stellen. Der gute Ruf der Schule sei durch die Querelen schwer beeinträchtigt worden.
Falls Üstünel-Hartbauer an der Schule bleiben möchte, so der OB noch am Donnerstag, müsse sie sich im Gemeinderat erklären und Maßnahmen zur Wiederherstellung des guten Rufs vorlegen.
Das Regierungspräsidium bekräftigte indes seine Entscheidung bezüglich der Abordnung von Vertrauenslehrer Peter Plattmann.