Weinheim

Rippenweier ohne Telekom-Festnetz und kein Ende in Sicht

Seit gut einer Woche sind die Telekomleitungen in Rippenweier gewissermaßen von der Außenwelt abgeschnitten. Vor allem für ältere Menschen, die kein Handy haben, ist das ein Riesenproblem.

Im Weinheimer Ortsteil Rippenweier sind seit gut einer Woche die Festnetzleitungen der Telekom nicht erreichbar. Foto: Marco Schilling
Im Weinheimer Ortsteil Rippenweier sind seit gut einer Woche die Festnetzleitungen der Telekom nicht erreichbar.

Seit gut einer Woche sind die Telekomleitungen in Rippenweier nicht erreichbar. Und bis heute kann das Unternehmen nicht abschätzen, wann die Menschen wieder mit dem Festnetztelefon Kontakt zur Außenwelt aufnehmen können. Auch die Internet- und TV-Verbindungen im Festnetz sind betroffen. Was in Zeiten des Smartphones nach einem vergleichsweise kleinen Problem klingen mag, ist für ältere Menschen, die kein Handy haben, eine mittlere Katastrophe.

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"Meine Schwester ist 91 Jahre alt und blind. Sie ist auf das Festnetztelefon angewiesen", berichtete am Dienstag Walter Becher. Auf Nachfrage bei der Telekom erhielt er die Auskunft, dass es bis zum 10. Januar dauern könnte, bis die Störung in Rippenweier behoben ist. "Das kann doch nicht wahr sein", ärgert sich Becher. Gerade in der Weihnachtszeit sei für ältere Menschen das Telefon unverzichtbar, um mit ihren Lieben im Kontakt zu bleiben. Hinzu kommt: Seine Schwester habe einen Hausnotruf, mit dem sie normalerweise per Knopfdruck Hilfe anfordern kann. Doch dieser laufe ebenfalls über die Festnetzleitung. Kein Wunder, dass sich Walter Becher Sorgen um seine Schwester macht. Zum Glück wohnt ihr Sohn auch in Rippenweier und kümmere sich um sie.

Auch Rippenweiers Ortsvorsteherin Anja Blänsdorf macht deutlich, dass es gerade die älteren Einwohner sind, die von der Störung betroffen sind. Aber auch die Grundschule am Apfelbach sei derzeit übers Festnetz nicht erreichbar; Anrufe werden daher auf eine Mobilfunknummer umgeleitet. Die Telekom bemühe sich darum, die Störung bis zum 20. Dezember zu beheben, gab Blänsdorf ihren aktuellen Kenntnisstand weiter. Das wäre zwar immer noch besser als der 10. Januar, würde aber zwei weitere Wochen ohne Festnetzanschluss bedeuten.

Was sagt die Telekom dazu?

Weder das eine noch das andere Datum wollte die Pressestelle der Telekom auf WN-Nachfrage bestätigen oder dementieren. Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit: "Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck daran, um unsere Kunden schnellstmöglich wieder ans Netz anzuschließen." Doch dies sei gar nicht so einfach: Zunächst müsse man die Fehlerstellen lokalisieren. Schließlich könne man nicht auf Verdacht alle Straßen, Plätze und Gehwege aufreißen. "Bei Kabeln, die unter der Erde liegen, sind Fehler beziehungsweise Beschädigungen grundsätzlich schwieriger zu finden, oftmals ist das Kabel gleich an mehreren Stellen defekt und nur mit umfangreichem Tiefbau zu beheben", warb der Telekomsprecher um Verständnis für die Unannehmlichkeiten.

Hausnotruf auf Mobilfunk umleiten

Was das von Walter Becher geschilderte Problem mit dem Hausnotruf angeht, fügte er hinzu: "Kunden, die einen Hausnotruf nutzen, empfehlen wir immer, den Anbieter des Hausnotrufsystems mit ins Boot holen, damit im Falle einer Anschluss- oder Kabelstörung im Festnetz auch hier auf Mobilfunk ausgewichen werden kann. Caritas, AWO, DRK, Malteser und Diakonie, aber auch die kleineren Anbieter bieten solche Hybrid-Hausnotruf-Lösungen an."

Wenn die Festnetzleitung nicht funktioniert, ist auch Homeoffice nicht mehr möglich (Symbolbild). Foto: Marco Schilling
Wenn die Festnetzleitung nicht funktioniert, ist auch Homeoffice nicht mehr möglich (Symbolbild).

Auch sonst versuche die Telekom, bei länger andauernden Störungen vorübergehende Alternativen zur Verfügung zu stellen. Wörtlich teilte die Telekom dazu mit: "Damit wir sofort helfen können, ist es zunächst immer wichtig, dass betroffene Kunden uns ihre Störung unter der Servicenummer 0800/3301000 melden. Sobald das geschieht, bieten wir sofort Ersatz an, damit die Kunden für die Dauer des Festnetzausfalls weiterhin telefonisch erreichbar sind und weiter ins Internet können. Das können beispielsweise eine kostenfreie Anrufweiterleitung aufs Handy oder auf den Anschluss eines Angehörigen sein, ebenso kostenloses Datenvolumen oder ein Internetschnellstart-Paket mit Router und SIM-Karte zum LTE-Netz sowie ein Datengutschein. Und für alle Telekom-Kunden, die kein eigenes Handy besitzen, stellen wir in diesen Fällen Notfall- beziehungsweise Seniorenhandys bereit. Die Versendung der Handys erfolgt so schnell wie möglich über den Postweg."