Saison beendet: Rehkitzrettung Weinheim zieht Bilanz
Geschafft – Saison erfolgreich beendet, schreibt die Rehkitzrettung Weinheim. Wie die Saison gelaufen ist und was sich die Helfer für die Zukunft wünschen.
Drei harte Monate liegen hinter den Mitgliedern der Rehkitzrettung Weinheim und Umgebung, aber es hat sich gelohnt, denn erneut konnten sehr viele Kitze, Junghasen und Bodenbrüter vor Verstümmelung und Tod bewahrt werden. Der erste Einsatz fand bei 2 Grad Außentemperatur statt, der letzte bei 38 Grad. Nur eines von vielen Extremen in dieser Saison, heißt es in einer Pressemitteilung der Rehkitzrettung. "Schon Anfang April hatten wir das erste Waisenkind, Frischling Susi, die am Weinheimer Friedhof hilflos aufgefunden wurde. Kurz darauf eine Entenfamilie am Rewe-Kreisel und in den folgenden Wochen weitere verwaiste Kitze und Junghasen, zuletzt Anfang Juli das Weststadt-Kitz. Das Absuchen der Flächen vor dem Mähen ist also nur ein Teil unserer Arbeit von April bis Juli. Wann immer möglich stehen wir auch als Ansprechpartner für hilfloses oder verletztes Jungwild zur Verfügung. Dank eines inzwischen sehr guten Netzwerkes konnten wir bisher alle Tiere in kompetenten Auffangstationen unterbringen, auch wenn das manchmal bedeutet, bis nach Nürnberg fahren zu müssen."
324 Flächen abgesucht
Dass die Retter mit viel Herzblut bei der Sache sind, zeige sich auch bei der Bilanz dieser Saison – in 33 Einsatznächten wurden insgesamt 324 Flächen abgesucht. "Wie immer nennen wir keine Zahlen der geretteten Tiere, denn Tierschutz sollte kein Wettbewerb sein und leider hat man gerade in der Kitzrettung oft den Eindruck, dass es jede Saison darum geht, neue Rekorde zu brechen. Bei uns ist und bleibt die magische Null das eigentliche Ziel, denn es sollte bei jedem Einsatz doch nur darum gehen, dass danach keine Verluste auf der Fläche zu beklagen sind", heißt es weiter. Das sei auch der Hauptgrund, warum schon nachts um 3 Uhr mit möglichst erfahrenen Kitzrettern in den Einsatz gestartet werde, "denn Dunkelheit, niedrige Temperaturen und kompetente Leute sind die beste Grundlage für eine erfolgreiche Suche".
Wo man spenden kann
Für die Rehkitzrettung kann gespendet werden an den
Tierschutzverein Weinheim und Umgebung e. V.
Sparkasse Rhein Neckar Nord IBAN DE41 6705 0505 0039 9189 35
oder per PayPal: rehkitzrettung.weinheim@gmail.com
Ein Restrisiko bleibe jedoch immer, besonders wenn nicht unmittelbar nach der Suche gemäht wird und in der Zwischenzeit neues Wild in die Fläche wechselt. Aber auch starker Regen kann dazu führen, dass sich das nasse Gras wie ein Dach über die Tiere legt. "Da ist die Wärmebildkamera dann machtlos", schreibt die Rehkitzrettung. "Wir haben trotz aller Bemühungen und Sorgfalt auch zwei Verluste in dieser Saison zu beklagen, die uns sehr traurig gemacht haben, aber gleichzeitig auch die größte Motivation sind, immer wieder 110 Prozent zu geben."
Michael Ehlers von der Rehkitzrettung betont: "Ein großes Lob geht dieses Jahr an unsere Landwirte! Sie hatten sehr mit der Trockenheit, der Hitze und dem ausbleibenden Regen zu kämpfen. War dann mal ein Schauer oder Gewitter gemeldet, blieb es bei uns der Region meist aus. Da war es schwer länger als 24 Stunden im Voraus zu planen, trotzdem haben wir es gemeinsam geschafft, dass alle Flächen vor dem Mähen abgesucht wurden, und auch sonst war die Zusammenarbeit dieses Jahr super!"
Auftrag vom Regierungspräsidium Karlsruhe
Erstmalig wurde die Rehkitzrettung in dieser Saison auch vom Regierungspräsidium in Karlsruhe mit dem Abfliegen der Dämme an der alten und neuen Weschnitz beauftragt. Es ist sehr erfreulich, dass nun auch die Behörden Maßnahmen zum Schutz der Wildtiere ergreifen, und auch hier war die Zusammenarbeit richtig gut.
Nach der Saison ist vor der Saison und aktuell haben die Rehkitzretter schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, um 2024 mit einer oder sogar zwei weitere Drohnen arbeiten zu können. Mit etwas Glück bekommen die Retter nun doch die Förderung von 60 Prozent durch das BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft), aber selbst dann bedeuten 40 Prozent Eigenanteil noch 6000 Euro Kosten. Hier würden den Rehkitzrettern Spenden von Tierfreunden und gerne auch den Landwirten sehr weiterhelfen.
Spenden erbeten
"Zur Wahrheit gehört aber auch, dass weitere Drohnen eine großartige Sache wären, aber nichts bringen, wenn wir nicht ausreichend Kitzretter am Start haben. Dieses Jahr gab es einige Einsätze, da waren wir schon froh, dass wir eine Drohne in die Luft bekommen haben. Viele können leider Beruf und Familie nur schwer mit den Zeiten der Einsätze verbinden. Nachts auf der Wiese und tagsüber im Job ist heftig, besonders, wenn dann einige Einsätze direkt hintereinander sind. Oft wird auch vergessen, dass schon die Planung der Suche im Vorfeld einige Stunden beansprucht und vormittags müssen dann nach dem Mähen die Kitze auch wieder freigelassen werden. Wann immer möglich, versuchen wir auch die Zusammenführung von Ricke und Kitz zu überwachen, was angesichts der vielen frei laufenden Hunde und des Verkehrs häufig leider gar nicht so einfach ist", sagt Ehlers abschließend.