Hirschberg

Schon wieder ein Millionen-Projekt für Hirschberg

Das wird teuer: Der Neubau der Trainingshalle, die Sanierung der Sachsenhalle und das neue Energiekonzept für Schule und Hallen kosten über 16 Millionen Euro.

Das wird das nächste Millionenprojekt: Die Gemeinde Hirschberg will den Anbau einer Trainingshalle an die Sachsenhalle vornehmen. Zudem soll die Sachsenhalle saniert werden. Außerdem wird eine neue Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien für Grundschule und Hallen aufgebaut. Die geschätzten Kosten liegen bei 16,6 Millionen Euro. Der Technische Ausschuss gab jetzt grünes Licht. Foto: Fritz Kopetzky
Das wird das nächste Millionenprojekt: Die Gemeinde Hirschberg will den Anbau einer Trainingshalle an die Sachsenhalle vornehmen. Zudem soll die Sachsenhalle saniert werden. Außerdem wird eine neue Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien für Grundschule und Hallen aufgebaut. Die geschätzten Kosten liegen bei 16,6 Millionen Euro. Der Technische Ausschuss gab jetzt grünes Licht.

Die Liste der Hirschberger Großprojekte reißt nicht ab. Die Gemeinde verdaut noch den Bau des evangelischen Kindergartens „Storchennest“ für acht Millionen Euro. Da folgt schon das nächste Vorhaben: der Anbau einer Trainingshalle an die Sachsenhalle, das neue Energiekonzept für Grundschule und Hallen sowie die Sanierung der Sachsenhalle. Unter dem Strich soll diese Maßnahme 16,6 Millionen Euro kosten. Die Gemeinde kann mit einem Zuschuss über 2,7 Millionen Euro rechnen.

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Als Architekt Marco Hippmann sowie Diplom-Ingenieur Dietmar Defièbre das Konzept und die Zahlen dem Ausschuss für Technik und Umwelt präsentierten, herrschte zunächst einmal Stille im Bürgersaal. So einige atmeten erst einmal tief durch. Am Ende einer gut zweistündigen Debatte stimmten Freie Wähler (FW), Grüne Liste Hirschberg (GLH), SPD und FDP sowie CDU-Fraktionssprecher Christian Würz der Variante 4 zu.

Mit den Worten „Alternativlos“, „Wer A sagt, muss auch B sagen“, „Da müssen wir jetzt durch“ oder „Da können wir jetzt nicht den Stöpsel ziehen“ wurde dieser Tagesordnungspunkt von den Ausschussmitgliedern kommentiert.

Abwarten ist keine Option

Bürgermeister Ralf Gänshirt, der sich auf ein Verschieben oder eine abgespeckte Lösung nicht einlassen wollte, hatte in der Kämmerei bereits alles nachrechnen lassen: „Ja, wir können uns dies leisten. Wir müssen diesen riesigen Sanierungsstau lösen. Was haben wir für eine Alternative? Bauen wir keine Trainingshalle, die wir für unsere Vereine wollen? Gibt es keine Sanierung der Sachsenhalle? Kümmern wir uns nicht um ein neues Energiekonzept für Grundschule und Hallen?“, warnte der Rathauschef: „Wir müssen es tun, auch wenn es sauviel Geld kostet. Das bedeutet auch, dass wir uns von anderen Themen verabschieden müssen oder sie in die Ferne rücken“, stellte er klar. Die Ausschussmehrheit sah dies genauso. Nur CDU-Gemeinderat Thomas Götz wollte angesichts der hohen Kosten das Ganze nochmals aufrollen: „Können wir uns drei Hallen für ein Dorf mit 10 000 Einwohnern überhaupt leisten?“ Die Diskussion über ein neues Spielfeld habe man schon vor Jahren geführt, die sei entschieden, entgegnete Gänshirt nur.

Energiekonzept

Dem Vortrag des Architekten ging ein ausführlicher Bericht über die Möglichkeiten von Erneuerbaren Energien voraus. Dietmar Defièbre, Inhaber des Ingenieurbüros für Versorgungstechnik aus Heidelberg, stellte das komplexe Energiekonzept vor. Klimagerecht und zukunftssicher solle es sein, spätestens seit dem Ukraine-Krieg und den damit verbundenen hohen Energiekosten sei dies wichtiger denn je. Schulgebäude und Sachsenhalle werden durch Kombination aus Erdgas- und Holzhackschnitzelheizung mit Wärme versorgt.

Das neue Konzept sieht eine solarbeladene Geothermie mit thermischer Solaranlage in Kombination mit Luft-Wasser-Wärmepumpen und Belegung von Dachflächen mit Photovoltaik-Anlagen auf der Trainingshalle und der Sachsenhalle vor. Dies dient der Stromversorgung und zum Betrieb der technischen Anlagen. Bei dieser Technik wird ein Erdsolespeicher als Langzeitspeicher für thermische Energie beim Bau der Trainingshalle unter deren Bodenplatte im Erdreich errichtet. Beladen wird der Speicher mit thermischer Überschussenergie durch Flachkollektoren und Abwärme bei Raumkühlung. „Wir fangen die Sonne ein, kühlen sie ab und bringen sie ins Erdreich, um sie im Winter wieder herauszuholen“, erklärte er die Technik für Laien. Als Schnittstelle des Konzepts gilt die Energiezentrale zwischen neuer Trainingshalle und Sachsenhalle; sie kostet 2,4 Millionen Euro. Der Anteil der Erneuerbaren Energien liegt bei 85 Prozent, was langfristig erhebliche Kosteneinsparungen im Vergleich zur jetzigen Versorgung mit Erdgas und Pellets bedeute.

Auf Nachfragen von Christian Würz (CDU), Thomas Götz (CDU) und Thomas Scholz (SPD), ob das System denn anfällig sei, hatte Defièbre immer die gleiche Antwort: Nein. Ausfälle gebe es nicht. „Wir bauen ein System für 20 Jahre“, betonte er.

Baukosten steigen

Architekt Hippmann erinnerte bei seiner Präsentation an die Zahlen zur Ausgangssituation. Ursprünglich sollte eine reine Trainingshalle als Anbau errichtet werden. „Wir errichten aber nicht nur einen Anbau, sondern ein neues Schul- und Sportzentrum und ein neues Energiekonzept für Halle und Grundschule.“ Für den rund 1600 Quadratmeter großen Anbau lagen einst die Kosten bei 4,9 Millionen Euro.

Durch die Kostensteigerungen von 39 Prozent seit dem Jahr 2020 und zusätzlichen Vorgaben des Gesetzgebers in Sachen Energieversorgung steigen die Kosten auf 7,4 Millionen Euro. Hinzu kommen 2,4 Millionen Euro für die neue Energiezentrale sowie weitere rund sieben Millionen Euro für die energetische Sanierung der Sachsenhalle. In der Sachsenhalle sind bei dieser Variante die Sanierung der Umkleide, der Fassade, des Dachs sowie des Foyers vorgesehen.

Architekt Hippmann erarbeitete zwar eine Variante 4a, die nur 13,6 Millionen Euro kosten würde. Diese hätte jedoch Nachteile, denn sie sieht die vollständige Schließung der Sachsenhalle während der Bauzeit vor.

Die Variante 4a mit den Einschränkungen stellte für den FW-Fraktionssprecher Werner Volk keine Option dar. „Damit würden wir die Vereine vor den Kopf stoßen, weil man ihnen die Sachsenhalle wegnimmt. Ja, die Euphorie hält sich in Grenzen. Aber wir stehen dazu“, meinte Volk, der sich zudem enttäuscht darüber zeigte, dass der zu erwartende Zuschuss bei nur 2,7 Millionen Euro liege.

CDU-Gemeinderat Thomas Götz warnte eindringlich: „14 Millionen über Kredite aufzunehmen, bedeutet jährliche Zinsen von rund 900 000 Euro. Ich muss da erst wissen, wie hoch die Einsparungen sind, bevor ich hier zustimme. Und was machen wir, wenn irgendetwas schiefgeht?“ Götz enthielt sich daher der Stimme, während sein Fraktionschef Christian Würz dem Verwaltungsvorschlag zustimmte.

FDP-Fraktionssprecher Oliver Reisig zeigte sich vor allem schockiert über die hohen Sanierungskosten für die Sachsenhalle: „Aber wenn wir nichts machen, müssen wir die Halle in ein paar Jahren eventuell schließen. Entweder ganz oder gar nicht, lautet mein Motto“, sagte er und befürwortete die hohen Ausgaben.

GLH-Gemeinderat Karlheinz Treiber wollte dem Projekt nicht den Stöpsel ziehen. Und seine Kollegin Manju Ludwig stimmte ebenfalls zu. Sie lobte das tolle energetische Konzept für die drei Gebäude: „Das kostet uns viel Geld. Aber wir haben eine andere Form der Energieversorgung und gehen hier neue Wege.“

SPD-Fraktionssprecher Dr. Thomas Scholz nahm ebenso das Wort „alternativlos“ in den Mund. „Da müssen wir durch, auch wenn es mir schwerfällt.“ Architekt Hippmann sagte am Ende zu, dass nach möglichen Einsparpotenzialen Ausschau gehalten werde. Das letzte Wort hat nun der Gemeinderat, der wohl am 26. September die Entscheidung fällen wird.

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