"Sexkannibalin": Weinheimer findet Gottesanbeterin in seinem Zuhause
Ein langer Körper, Fangarme mit Widerhaken und große, starrende Augen – das ist die Gottesanbeterin. Das besondere an dem Insekt? Es ist ein Sexkannibale.
Nanu, was ist denn das für ein Insekt? Ein Nordstädter meldete sich jüngst wegen eines tierisch seltenen Funds bei der Redaktion. „Ich habe ein Paket in den Garten werfen wollen, da entdeckte ich eine Gottesanbeterin auf meinem Fenstersims“, so der Leser.
Auf den Glücksfund folgte leider sogleich die Tragödie: „Sie war nicht mehr richtig auf dem Damm“, berichtet der Nordstädter. Er habe die Gottesanbeterin deshalb ins Warme geholt. „Sie hat sich dann noch ein bisschen bewegt, es aber schlussendlich nicht geschafft.“
Aber worum handelt es sich bei dem Insekt überhaupt?
Ursprünglich kommt die wärmeliebende Fangschrecke aus dem Mittelmeerraum. Doch laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat sich das Insekt als Folge des Klimawandels in den vergangenen Jahrzehnten nördlicher angesiedelt. Es ist weltweit die einzige Art der Fangschrecke, die es sich in Baden-Württemberg heimisch gemacht hat. Immer häufiger gibt es Sichtungen der Fangschrecke. Trotzdem ist das Tier nicht leicht zu finden, denn sie sind wahre Meister der Tarnung. Durch ihre grüne und braune Färbung ist die „Mantis religiosa“ in der Natur kaum zu erkennen.
Blitzschnelle und tödliche Jägerin
Aus dieser Tarnung macht sie sich blitzschnell über ihre Beute her. Der tödliche Angriff der gruselig aussehenden Fangschrecke dauert nur 50 bis 60 Millisekunden. Das ist circa sechsmal schneller als der Augenschlag des Menschen. Die Lauerjägerin sieht für ihre Beute aus wie ein Blatt im Wind. So kann sie sich unbemerkt anschleichen, bis sie blitzschnell zuschlägt. Ihre Nahrung besteht aus Fliegen, Wildbienen und Spinnen. Aber auch vor ihren Artgenossen macht das Tier nicht Halt –denn es betreibt Sexkannibalismus.
Die Weibchen verspeisen die kleineren Männchen während der Paarung. Ein typisches Verhalten für diese Art. Danach legt die ungefähr acht Zentimeter große Gottesanbeterin bis zu hundert Eier an einem geschützten Ort ab, ob in Sträuchern, Regenfallrohren oder an Hausmauern. Einzige Bedingung: insektenfreundliche Pflanzen in direkter Umgebung. Selbst der Winter in Mitteleuropa ist kein Problem. Die Eier können tiefe Temperaturen bis zu -43 Grad Celsius überleben. Schon als Jungtiere betreiben die Gottesanbeterinnen Kannibalismus. Das führt dazu, dass nur wenige der jungen Insekten tatsächlich erwachsen werden.
Sichtungen melden
Wer eine europäische Gottesanbeterin sichtet, kann sich bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) melden. So können Daten über die Funde erhoben werden. Dadurch entsteht ein Überblick über die aktuellen Sichtungen in Baden-Württemberg. Ein Foto des Tieres sollte bei der Meldung einer Sichtung mitgeschickt werden.